Haarschnitt in 28 Metern Tiefe: Dieser Friseur ist absolut Kult - „Immer Schere und Kamm dabei“
Haare schneiden während eines Tauchgangs: kein Problem für Olchings Kult-Friseur Paul Held. Er frisiert sogar auf dem Dach vom Bundestag. Kein Wunder, dass das Geschäft schon lange läuft.
Olching - Einen gewöhnlichen Friseursalon darf man nicht erwarten, wenn man die Räume an der Feursstraße 21a betritt. „Wenn ich eins im Leben gelernt habe, dann, dass man sich nicht verbiegen darf“, sagt Paul Held, im Freundes- und auch engerem Kundenkreis „Paule“ genannt. Und er verbiegt sich nicht. An seinem Arbeitsbereich zieren über Waschbecken und Frisierstuhl Wimpel, Blechschilder und Fanschals die Wände. Dass der Friseurmeister eingefleischter Fan des TSV 1860 München ist und Anhänger des örtlichen SC Olching, ist nicht zu übersehen.
Alte Kennzeichen neben Frisiertisch
Die zahlreichen Kfz-Kennzeichen an der Wand sind zum Teil Mitbringsel, die der 63-Jährige auf seinen Tauch-Abenteuern aus aller Welt ergattert hat. „Fiji, Südafrika, Thailand, Panama“, zählt der ausgebildete Tauchlehrer auf. An der Wand gegenüber der Blechschilder erzählen Fotos aus der Unterwasserwelt von Helds Erlebnissen.
Auf einem Tauchgang entstand auch ein besonderes Motiv: In 28 Metern Tiefe schnitt Held einem anderen Tauchlehrer die Haare. „Ich habe immer Schere und Kamm dabei.“ Und es wäre nicht Paul Held, wenn er den Unterwasser-Schnitt nicht in 1860-Montur getan hätte. „Das Ganze war ein Gag, aber ich hab tatsächlich Haare abgeschnitten“, erzählt er. „Aber zurück an Land hab ich schon nachschneiden müssen“, ergänzt er.
Das Tauchen war es auch, für das der Olchinger Kamm und Schere für einige Zeit an den Nagel gehängt hat. „Von 1995 bis 1997 bin ich auf die Malediven ausgewandert und habe dort als Tauchlehrer gearbeitet“, erzählt Held.
Salon Christa vor 60 Jahren gegründet
Das Geschäft hat seine Mutter Christine „Christa“ währenddessen weitergeführt. Sie hatte Salon Christa 1965 als junge Mutter zunächst an der Daxerstraße 65 eröffnet, erzählt Held. „Damals gab es noch keinen Drogeriemarkt wie heute. Bei ihr hat man alles bekommen, vom Pariserl bis Tampon“, sagt er und lacht. Acht Jahre später eröffnete seine Mutter den zweiten Salon nur wenige Meter weiter, an der Daxerstraße 27. „Das war dann 20 Jahre lang ihr Zuhause.“
Held selbst begann vor bald 50 Jahren als 14-Jähriger seine Friseurlehre. Den väterlichen Malerbetrieb übernehmen wollte er nicht. „Ich war als junger Bub oft bei der Mama im Laden, hab später hier und da mitgeholfen. Und wenn man da zwischen den Damen rumschwänzelt – das gefällt natürlich“, scherzt Held.
1982 eröffneten sie den Salon an der heutigen Adresse. Bis 1993 gab es dann zwei Filialen. „Danach hat meine Mutter in Teilzeit bei mir gearbeitet bis zum 81. Lebensjahr.“ Rund 30 Jahre lang frisierten die Helds außerdem im nahen Altenheim.
Viele Olchinger kommen seit Jahrzehnten. „Unser Paule ist eine echte Institution, im positivsten Sinne eine Rampensau“, fasst es Stammkunde Ingo Stark zusammen. Denn Held ist neben dem Beruf auch noch bei der Volksbühne Olching aktiv, hat schon beim Tatort mitgewirkt und ist als Entertainer mit Akkordeon unterwegs.
Einem Ausflug der Volksbühne Olching nach Berlin ist es auch zu verdanken, dass ein weiteres, ungewöhnliches Motiv im Fotoalbum gelandet ist: Held schneidet dem Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi vor dem Reichstagsgebäude die Haare. „Das Werkzeug musste er aus Sicherheitsgründen mitnehmen“, erinnert sich Held.
Ans Aufhören denkt der 63-Jährige nicht. „Ich hab immer gesagt: erst, wenn die Leute sich nicht mehr her trauen.“ Bei einem Blick in seinen Terminkalender scheint das noch lange nicht der Fall zu sein.
Die große Feier steigt am Sonntag, 27. Juli, von 9.30 bis 14 Uhr im Zelt auf dem Platz vor dem Salon Christa. Die Blaskapelle des TSV 1860 spielt ab 10 Uhr auf. Es gibt Weißwurst, Wiener und Getränke. Der Erlös des eigens angefertigten Jubiläums-Prosecco fließt als Spende in den Bau des Allwetterplatzes des SC Olching.