Ein Bauvorhaben an der Berger Straße in Percha sorgt in der Nachbarschaft für Ärger. Es geht um vorübergehend nicht fachgerecht gelagerte Schadstoffe, ein möglicherweise rechtswidriges Abholzen von Gehölzen und einen Bauwunsch direkt am Gewässer. Juristen sind eingeschaltet.
Percha – So unterschiedlich sind die Ansichten: Zugemüllt sei das Grundstück gewesen und zugewachsen „fast wie ein Urwald“, sagt Jochen Kirschner, der im Rahmen einer Zwangsversteigerung im Oktober vergangenen Jahres das Anwesen Berger Straße 9 in Percha erworben hat. „Wir haben das Grundstück gerodet und aufgeräumt“, erklärt er. Der unmittelbare Nachbar Walter Kudlich dagegen spricht von einem „jahrzehntealten Baumbestand“. Innerhalb von drei Wochen habe der neue Eigentümer das Grundstück „in eine Wüste verwandelt“, sagt er. Es befindet sich direkt an der Ortsdurchfahrt – und direkt am Lüßbach, der rund 400 Meter weiter westlich in den Starnberger See mündet.
Grundstück liegt in Schutzgebiet
Fakt ist: Kirschner saniert mit seiner Firma Kirschner Property das bestehende Einfamilienhaus und plant ein weiteres Eigenheim gleich daneben. Ob der Neubau so einfach möglich ist, muss sich noch zeigen, denn: „Das Grundstück liegt zum Teil im vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet Lüßbach“, wie der Sprecher des Starnberger Landratsamtes, Stefan Diebl, auf Anfrage des Starnberger Merkur erklärt. „Für diesen Teilbereich gilt: Nach der Verordnung zum Überschwemmungsgebiet ist die Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen grundsätzlich untersagt. Unter bestimmten Voraussetzungen können jedoch Ausnahmen zugelassen werden.“ Ob die an der Berger Straße vorliegen?
Kirschner hat nach eigenen Angaben zwar noch keine Genehmigung, ist aber zuversichtlich. „Ich werde hochwassergerecht bauen und auf einen Keller verzichten“, erklärt er im Merkur-Gespräch. Von vor seiner Zeit gebe es einen Bauvorbescheid für den Abriss des Bestandsgebäudes und den Neubau eines Dreispänners. Diese Pläne wolle er aber nicht weiterverfolgen. „Ich werde den Altbestand erhalten und wieder verkaufen“, sagt er. Die Sanierung sei bereits zu 80 bis 90 Prozent abgeschlossen. Ein aktueller Antrag auf Vorbescheid liegt im Landratsamt vor, ist aber noch nicht entschieden. Zur Prüfung und Beurteilung seien Gespräche mit den Wasserbehörden erforderlich, erklärt Behördensprecher Diebl.
Asbest und alten Öltank ausgebaut
Nachbar Kudlich sieht die ganze Angelegenheit äußerst kritisch – was den geplanten Neubau anbelangt, aber auch schon die bisherigen Arbeiten. „Wir hatten hier viele seltene Vogelarten, von Stieglitz bis Grünspecht oder Baumläufer. Die Tiere sieht man jetzt nicht mehr“, sagt er über die Rodung des Grundstücks. Und außerdem: Nach dem Abriss eines Schuppens auf dem Grundstück habe asbesthaltiges Material mehrere Wochen lang in Plastiksäcken offen auf dem Grundstück gelegen. Darüber hinaus habe ein einwandiger Heizöltank mit circa 1000 bis 1500 Litern Fassungsvermögen fast drei Monate lang völlig ungeschützt im Freien gelegen – und das wenige Meter von einem Fließgewässer entfernt. Kudlich schaltete unter anderem das Landratsamt und das Wasserwirtschaftsamt Weilheim ein und erstattete bei der Polizei Anzeige. Landratsamtssprecher Diebl bestätigt den Vorgang und dass die Behörde seit November 2024 Kenntnis davon gehabt habe. Es seien „mehrere Ortseinsichten durchgeführt“ worden, so Diebl. Zwischenzeitlich seien die Gefahrstoffe ordnungsgemäß verpackt und der Heizöltank sei restlos und fachgerecht entsorgt.
Walter Kudlich, ein 59 Jahre alter Diplom-Ingenieur, kann die lange Zeit dazwischen nicht nachvollziehen. Er habe das Gefühl, dass das Landratsamt kein Interesse daran gehabt habe, „dieses Tun und Handeln weiter zu überprüfen“, sagt er. Eigentümer Kirschner bestreitet nicht, dass asbesthaltiges Material ausgebaut worden sei. Über Jahrzehnte hinweg sei der Stoff verbaut worden, erklärt er. Er habe ihn von Fachleuten entsorgen lassen. Dazwischen habe das Material „ein paar Tage lang“ auf dem Grundstück gelegen. „Es ist alles kontrolliert worden, die Behörden haben keinen Verstoß festgestellt“, sagt Kirschner. Der Heizöltank habe zu einem Schuppen gehört, der ebenso wie das Wohnhaus völlig vermüllt gewesen sei. „Da hat zwanzig Jahre lang ein Messie gelebt“, betont der neue Eigentümer. Im Haus habe sich der Müll rund 60 Zentimeter hoch gestapelt, auf dem Grundstück hätten rund 50 Fahrräder und unzählige, zum Teil noch mit Waren gefüllte Tüten gelegen. Rund zehn Container Müll habe er entsorgen müssen.
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Hecke vom Nachbarn gleich mit gerodet
Beim Roden sind Kirschners Arbeiter aber offenbar über das Ziel hinaus geschossen. Walter Kudlich sagt, sie hätten auch einen Ahornbaum, eine rund 2,25 Meter hohe und zehn Meter breite Thujahecke, einen als Sichtschutz gepflanzten Efeu, einen Lamellen-Sichtschutz und eine kleine Gartenhütte herausgerissen, entfernt und beschädigt, die sich nachweislich auf seinem Grundstück befunden hätten. Eine von ihm eingeschaltete Rechtsanwältin fordert von Kirschner Schadenersatz und Ersatzpflanzungen. Jochen Kirschner räumt in diesem Punkt „ein Versehen“ ein. Die Hecke sei in den Plänen anders eingezeichnet gewesen, rechtfertigt er sich. Wenn der Nachbar darauf bestehe, „dann pflanze ich da ein bisschen was nach“.
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Das letzte Wort ist offenbar noch lange nicht gesprochen. Walter Kudlich hat sich am Samstag erneut an das Landratsamt gewandt. Dass das Niveau des Grundstücks mittlerweile um 20 bis 30 Zentimeter aufgeschüttet und dass zur Berger Straße hin eine massive Mauer errichtet worden sei, hält er für illegal. „All diese Maßnahmen sind dazu geeignet, im Falle eines extremen Hochwassers den Abfluss des Wassers teilweise massiv zu beeinträchtigen.“ Die Behörden würden sich die Sache erneut anschauen, kündigt Stefan Diebl an.