Donnerstag vergangener Woche: Großer Medienrummel am Flugplatz Mindelheim-Mattsies. Helsing, führendes europäisches Unternehmen für Verteidigungstechnologie, präsentierte der Öffentlichkeit am Standort der kürzlich übernommenen Helsing-Tochter Grob Aircraft erstmals eine original große Designstudie seines autonomen, unbemannten Kampfflugzeugs CA-1 Europa.
Tussenhausen-Mattsies – Es wird gemeinsam mit Industriepartnern aus dem europäischen Luft- und Raumfahrt-Ökosystem entwickelt und soll innerhalb von vier Jahren serienreif sein. Der Erstflug des mit hoher Unterschallgeschwindigkeit fliegenden, elf Meter langen unbemannten Jets mit einer Spannweite von zehn Metern und einem Startgewicht von vier Tonnen soll schon 2027 stattfinden. Die Entwicklung und Tests von CA-1 Europa finden bei Grob Aircraft in Tussenhausen statt. Durch die Anwesenheit des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder und des Bayerischen Wirtschaftsministers Huber Aiwanger kam der Vorstellung besondere Bedeutung zu.
CA-1 Europa ist als autonomer Mehrzweckjet mit hoher Unterschallgeschwindigkeit entwickelt. Die Plattform kombiniert einen massenproduzierbaren Flugzeugkörper, der kostengünstig eine große Nutzlast integriert, mit weltweit führender Software für den Lageüberblick und die Missionsdurchführung. CA-1 Europa ist so konfiguriert, dass es Missionen als Einzelsystem oder als Teil eines Schwarms ausführen kann. Das unbemannte Kampfflugzeug nutzt ein fortschrittliches Softwarebetriebssystem, das die flexible Integration von Sensoren, Selbstschutzsystemen, Bewaffnung und weiterer Software erlaubt.
Helsing will auch ein Führungs- und Kontrollsystem liefern, das Bediener bei der Planung, Steuerung und Überwachung von Systemen in komplexen autonomen Missionen unterstützt. Die Plattform wird durch Helsings KI-Pilot Centaur gesteuert. CA-1 Europa ist für verschiedene Missionen geeignet, darunter auch für die präzise Bekämpfung von Zielen in der Tiefe des gegnerischen Raumes.
„Meilenstein in der europäischen Luftfahrt“
Vor der Präsentation hatte der frühere Airbus-Chef und jetzige Helsing-Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Tom Enders einen weiten Bogen durch die militärische Luftfahrtgeschichte gespannt. Für ihn ist das CA-1 Europa „ein weiterer Meilenstein in der europäischen Luftfahrt.“
Für Torsten Reil, Mitgründer und Co-CEO von Helsing, kommt unbemannten Kampfflugzeugen wie dem Helsing CA-1 eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der europäischen Lufthoheit zu: „Europa kann es sich nicht leisten, in diesem Bereich ins Hintertreffen zu geraten oder von Dritten abhängig zu werden.“
Söder sagt Unterstützung zu
Das sieht auch Ministerpräsident Söder so, der einmal mehr forderte, Deutschland müsse seine Verteidigungsfähigkeit drastisch und rasch erhöhen. Das würden die jüngsten Beispiele vom Eindringen von Drohnen in den Nato-Luftraum zeigen. Bei einer Bedrohung von Osten und Unsicherheiten im Westen sei es elementar, eigene Stärken zu erkennen und sich unabhängig und stark zu machen. Nur Stärke werde respektiert. Söder: „Verteidigung bedeutet Sicherheit: Die Verbindung von Drohnen und KI ist eine entscheidende Zukunftskompetenz. Mit dieser neuesten Generation an Drohnen erlangen wir technologische Dominanz und Souveränität. Nur wenn wir uns selbst verteidigen können, werden wir nicht angegriffen werden.“
Bayern sei schon jetzt einer der Top-Standorte der Verteidigungsindustrie und das solle weiter ausgebaut werden. Söder: „Wir setzen auf Defense!“ Mit Unternehmen wie Helsing fühle man sich in Bayern eng verbunden, ihnen gelte Rückendeckung und Unterstützung durch den Freistaat. Eine Unternehmenskultur wie in solchen Start-Ups könnten durchaus motivierend für die gesamte Wirtschaft sein. Söder: „Lasst uns einfach machen!“ Mit einem eigenen Rüstungsgesetz werde der Freistaat Rüstungsunternehmen bei Genehmigungs- und Bürokratiefragen sowie in der Zusammenarbeit mit Hochschulen privilegieren.
Wertvolles europäisches Start-up
Die 2021 gegründete Firma Helsing ist heute eines der wertvollsten europäischen Start-Ups und arbeitet gezielt am Einsatz Künstlicher Intelligenz im Rüstungsbereich. Das Unternehmen hat unter anderem den autonomen KI-Piloten „Centaur“ entwickelt, der im Frühjahr zusammen mit Saab als strategischem Partner auf dem Kampfflugzeug Gripen demonstriert wurde. In ihm steckt – bildlich gesprochen – die Erfahrung eines langen Berufslebens als Pilot. Der „Centaur“ ist Herzstück des CA-1 Europa.
Die Zukunft der militärischen Luftfahrt liege, so Stephanie Lingemann, Helsings Senior Director Air Domain, „in Massen verfügbarer Systemen, bei denen Software und Künstliche Intelligenz die entscheidende Schlüsseltechnologie sind. Deshalb basiert CA-1 auf Autonomiesoftware als grundlegendem Baustein.“
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