Das Bildungswerk des Bayerischen Bauernverbands gibt es seit 50 Jahren. Kreisbäuerin Ursula Fiechtner erklärt, was das Bildungswerk leistet.
„Es ist die Volkshochschule für den ländlichen Raum.“ So erklärt Kreisbäuerin Ursula Fiechtner, was das Bildungswerk des Bayerischen Bauernverbands ist. Die Angebote „finden zu Zeiten statt, an denen wir wegkönnen“. Vieles wird im Winter angeboten, wenn etwas mehr Luft für Fortbildung bleibt. Dieser Tage feierte das Bildungswerk, das in allen sieben bayerischen Bezirken aktiv ist, sein 50-jähriges Bestehen. Auch im Landkreis werden die Angebote gerne genutzt.
Vorträge schon vor der offiziellen Gründung
Vorträge gab es schon vor der offiziellen Gründung des Bildungswerks. Das kann man auch in einem Büchlein nachlesen, das die Erinnerungen von Kreis- und Ortsbäuerinnen aus den vergangenen Jahrzehnten zusammenfasst. „Ein Ehemann beklagte sich in der Zeit der Nachkriegsjahre, dass er seine Frau nicht mehr zu Vorträgen gehen lässt, weil sie danach immer neue Wünsche habe – beispielsweise nach einer Waschmaschine“, berichtet Fiechtner. Sie könne sich gut vorstellen, welche familiären Diskussionen der Fortbildungswunsch mancher Frau in früheren Zeiten ausgelöst hat. Heute würden diese Debatten hoffentlich nicht mehr geführt.
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Das Themenfeld, das im BBV-Bildungswerk angeboten wird, ist jedenfalls ein großes. „Es werden alle Themenkreise abgedeckt“, so Fiechtner. Das reicht von Homöopathie bei Rindern über Vorträge zum Thema Tierwohl und Exkursionen bis hin zur Brustkrebsoffensive, Kochkursen und Bastelangeboten.
Angebote bringen Menschen zusammen
Da die Organisation seit 50 Jahren als Bildungsträger anerkannt ist, kommt es in den Genuss von staatlicher Förderung durch das Kultusministerium. Der Teilnehmerkreis ist übrigens nicht auf Landwirtinnen und Landwirte beschränkt. „Es richtet sich an die ländliche Bevölkerung, also an jeden, der auf dem Land wohnt“, sagt die stellvertretende Kreisbäuerin Christine Oswald. Wer Mitglied im BBV ist, zahlt nur bei speziellen landwirtschaftlichen Fachveranstaltungen weniger Teilnahmegebühr. Apropos Gebühr: Als die eingeführt wurde, „war das eine Riesendiskussion“, erinnert sich Fiechtner und lacht. Schön sei jedenfalls, „dass die Angebote die Leute zusammenbringen“, sagt sie. „Und es ist auch oft was für die Seele, weil man mal was anderes hört“, ergänzt Oswald.
17 Veranstaltungen gab es im vergangenen Jahr im Landkreis. 633 Teilnehmende wurden damit erreicht. Die Ideen für die Themen kommen oft aus den Ortsverbänden selbst. Über das Bildungswerk findet sich dann rasch der passende Referent. Auch Anmeldungen können über die Geschäftsstelle abgewickelt werden.
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Besonders gefragt war auch im vergangenen Jahr der Trittsicherheitskurs für Senioren in Lenggries. „Den haben wir schon zum dritten Mal angeboten“, sagt Ortsbäuerin Anna Gerg. „Die Leute warten schon wieder, wann es den nächsten gibt.“ Auch die Kurse, die sich mit saisonalem Basteln befassen, würden nachgefragt, berichtet die Ickinger Ortsbäuerin Jana Burlein. Die Angebote würden sich natürlich ändern, gingen auch auf aktuelle Entwicklungen ein. „Man schaut halt immer, was den Leuten auf den Nägeln brennt.“ Zuletzt gab es unter anderem einen Kurs zum Thema E-Rechnung.
Viele übergreifende Themen – auch Online
Für viele übergreifende Themen bietet das Bildungswerk mittlerweile auch Online-Kurse an, zum Beispiel Hofübergabe, Förderprogramme für die Transformation in der Landwirtschaft, der Umgang mit Künstlicher Intelligenz oder das digitale Agrarbüro.
Was war eigentlich die erste Veranstaltung des Bildungswerks, die nach der Gründung vor 50 Jahren hier im Landkreis stattgefunden hat? So genau könne sie das nicht sagen. „Das war ja auch vor meiner Zeit“, sagt Fiechtner lachend. Nach Rücksprache mit einer älteren Ortsbäuerin könnte es aber ein Vortrag in Lenggries zum Thema Geranienpflege gewesen sein, meint sie später. Ein Gärtnermeister aus Wolfratshausen habe damals vielen Interessierten sein Wissen vermittelt.