Trade Republic im Auge der Finanzaufsicht – das steckt dahinter

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Der Neobroker Trade Republic lockt Kunden mit hohen Zinsen und niedrigen Gebühren. Doch Verbraucherschützer und die Finanzaufsicht BaFin warnen – und äußern Kritik an mangelnden Informationen.

Berlin - Der Neobroker Trade Republic lockt mit hohen Zinsen in Höhe des Leitzinssatzes der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Vielzahl an Kunden. Aktuell bietet er immer noch Zinsen von 2,75 Prozent. Mit dem Motto „Zinsen auf dein Girokonto. Keine Gebühren“ landete die mittlerweile Vollbank aus Berlin besonderen Erfolg mit ihrem verzinsten Girokonto und verdoppelte ihre Kundenzahlen im vergangenen Jahr auf acht Millionen.

Doch ganz transparent sei Trade Republic laut Verbraucherschützern bei seiner Anlagestrategie nicht und gerät daher zunehmend ins Visier der Finanzaufsicht BaFin. Währenddessen hat die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg Klage gegen den Neobroker eingereicht. In beiden Fällen gibt es Kritik an der Einlagesicherung.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg reichte am Freitag eine Klage gegen den Neobroker Trade Republic ein wegen „irreführender Werbung.“
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg reichte am Freitag eine Klage gegen den Neobroker Trade Republic ein wegen „irreführender Werbung.“ © Imago

Verbraucherschutzzentrale verklagt Trade Republic für „irreführende Werbung“ bei Einlagensicherung

Nachdem mehrere Verbraucherschützer bereits Kritik an Trade Republic geäußert haben, reichte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg am 14. Februar eine Klage beim Landgericht Berlin ein. Es geht dabei um „irreführende Werbung“ rund um die angebotenen hohen Zinsen und Aussagen zur Einlagensicherung. Auch die BaFin nimmt laut einem Bericht des manager magazins den Neobroker derzeit unter die Lupe.

Hohe Zinsen, niedrige Gebühren und das Versprechen „unbegrenzt“ – das ist das Erfolgsrezept von Trade Republic. Doch neben diesen Konditionen habe laut der Klage der Verbraucherzentrale auch die gesetzliche Einlagensicherung zur Werbung des Neobrokers gehört. Diese besagt, dass Einlagen pro Konto und Kunde mit bis zu 100.000 Euro geschützt sind. Allerdings greift die gesetzliche Einlagensicherung bei Trade Republic nicht in jedem Fall und auch nicht zwangsläufig für die gesamten Kundeneinlagen. Wo das Geld tatsächlich liegt, darüber werde der Kunde laut BaFin nicht ausreichend informiert.

Wie das Geld der Kunden angelegt wird, liegt im Ermessen von Trade Republic

Trade Republic legt die Anlagen seiner Kunden auf unterschiedliche Weise an. Zum Teil liegt das Geld bei Partnerbanken wie der Deutschen Bank oder J.P. Morgan, in anderen Fällen in sogenannten Geldmarktfonds. Das sind Investmentfonds, die in Wertpapiere mit kurzer Laufzeit investieren, vor allem von Banken und Staaten mit guter Kreditwürdigkeit. Während die Einlagen bei Partnerbanken durch die Einlagensicherung geschützt sind, gilt das für Geldmarktfonds nicht. „Trade Republic täuscht mit der Werbung und den Aussagen zur Einlagensicherung eine Sicherheit vor, die so nicht gegeben ist“, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in der FAZ.

Wie genau die Anlage verwaltet wird und in welchem Umfang, entscheidet Trade Republic. Dem stimmen Kunden beim Neobroker vertraglich zu. Eine Stichprobe des manager magazins unter Nutzern zeigt, dass teilweise zwei Drittel des Guthabens bei Partnerbanken verwahrt werden, manchmal aber auch nur zehn Prozent, während der Rest in Geldmarktfonds liegt. Einen Hinweis darauf, wie die eigene Anlage aufgeteilt ist, finden Verbraucher wohl nur in der App – und das eher im Kleingedruckten, wie Kritiker bemerken. „Die Daten zu den Geldmarktfonds-Investments, die sich aus dem Zinsprodukt ergeben, tauchen dagegen derzeit bei den allermeisten Kunden noch nicht im Depotauszug auf“, erklärt Finanzexperte Gerhard Schick im manager magazin.

Trade Republic spricht sich gegen die Klage der Verbraucherzentrale aus

Der Neobroker weist die Klage der Verbraucherzentrale zurück und verweist darauf, dass seit Ende Mai 2024 die Kundeneinlagen auf Partnerbanken und Geldmarktfonds verteilt werden und dies transparent in der App sichtbar sei. Darüber hinaus gebe es auch weitere Informationen auf der Website sowie im Help Center. Ein Verhandlungstermin bezüglich der Klage der Verbraucherzentrale steht noch nicht fest.

Trade Republic stand bereits im Juni in der Kritik, als mehrere Kunden länger als erwartet auf ihre Dividendenzahlungen warten mussten. Auch die mangelnde Kommunikation verschärfte die von Nutzern als „Katastrophe“ bezeichnete Situation im Service. Damals meldete sich die BaFin zu Wort und kündigte an, den Neobroker aufgrund der Vielzahl eingegangener Beschwerden weiter zu beobachten.

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