„Herbst des Patriarchen“: Putin nach Trumps Venezuela-Schlag in Russland im Kreuzfeuer

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Die US-Festnahme von Maduro ist ein schwerer Schlag für Russland. Kritiker bemängeln die russische Außenpolitik. Putins Macht könnte schwinden.

Moskau – Russland muss durch die US-Festnahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro einen schweren Schlag einstecken. Er galt als wichtiger Verbündeter Moskaus. Selbst russische „Z-Blogger“, die als kremltreu gelten, kritisieren nun die Außenpolitik des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der russische Publizist Maxim Kalschnikow rechnet besonders hart mit Moskaus Linie ab – und prophezeit einen „Herbst des Patriarchen“, das heißt, schwindende Macht von Putin.

Dieses von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik via AP veröffentlichte Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin beim Treffen im Kreml.
Russlands Präsident Wladimir Putin in der Mangel: Russische Militärblogger kritisieren die Außenpolitik des Kremls (Archivbild). © picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Mikhail Metzel

Der Grund: Fehlentscheidungen und falsche Schwerpunkte des Kremls, meint Kalschnikow. Er versteht den Fall Maduro als „Zusammenbruch der langjährigen, PR-getriebenen Außenpolitik der russischen Führung“.

Scharfe Kritik an der russischen Venezuela-Politik: „Schwarzes Loch“ für Investitionen

Kalaschnikow verglich die langjährigen russischen Investitionen in Venezuela mit einem Feuerwerk: „viel Lärm und Krach“, ohne echte Vorteile für die russische Wirtschaft. Er spottete weiter: „Werfen wir einfach 20 Milliarden Dollar in das ‚schwarze Loch‘ eines rohstoffgetriebenen Pseudo-Sozialismus in Venezuela – Geld, das niemals zurückkommt.“

Als weitere Beispiele für außenpolitische Fehlentscheidungen nannte Kalaschnikow auch Syrien und den Sudan, wo Russland Marinebasen errichtet habe, „für die es nicht einmal eine Marine gibt“. Im Ukraine-Krieg habe man hingegen zentrale Ziele nicht erreichen können, auch Russlands Einfluss in Asien schwinde. „All das endete in einem vorhersehbaren Fiasko“, so das Fazit des Z-Bloggers.

Schlag für Kremlchef Wladimir Putin: Russische Elite bangt um Öl in Venezuela

Teil der russischen Investitionsprojekte in Venezuela war eine Fabrik für Kalaschnikow-Munition, die laut der Washington Post im Sommer 2025 eröffnet wurde. Moskau verfügt unter anderem auch über Explorationsrechte für potenziell milliardenschwere unerschlossene Ergas- und Erdölvorkommen. Ein Recht, das Moskau zukünftig möglicherweise durch das US-Interesse am venezolanischen Öl verneint werden könnte.

Dazu äußerte sich auch einer von Russlands mächtigsten Milliardären, Oleg Deripaska: „Wenn unsere amerikanischen ‚Partner‘ die Ölfelder Venezuelas erreichen … dann wird mehr als die Hälfte der weltweiten Ölreserven unter ihrer Kontrolle stehen“, sagte er laut der Washington Post. Sollte Venezuela mehr Öl exportieren, würde das zudem die Ölpreise drücken – ein doppelter Schlag für Putin.

Militärblogger spotten über Ukraine-Krieg und ziehen Parallelen zu US-Operation in Venezuela

Viele weitere Militärblogger blicken angesichts der US-Operation in Venezuela auf den Ukraine-Krieg. Die russische „Sonderoperation“, die laut Moskau eigentlich nur kurz andauern sollte, geht bald in ihr fünftes Jahr. Der Militärblogger Alexander Kots schrieb in seinem Telegram-Kanal: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass russische Hubschrauber den Himmel über Kiew beherrschen würden.“ Er behauptete, dass sich die Ukraine acht Jahre lang auf einen Krieg mit Russland vorbereitet hätte. „2022 sind wir über unsere eigene Harke gestolpert.“

„So wurde wahrscheinlich auch unsere eigene ‚militärische Sonderoperation‘ ursprünglich konzipiert: schnell, spektakulär und effektiv“, hieß es in dem kremlfreundlichen Telegram-Kanal „Two Majors“ laut der ukrainischen Nachrichtenseite Meduza. Im Telegram-Kanal der russischen paramilitärischen Neonazi-Gruppe „Russitsch“ stellte man sich die Frage: „Vielleicht sollten wir amerikanische Generäle und Planer für Russland einstellen?“

„Die Amerikaner haben Maduro geschnappt, wir haben nur einen Waschbären aus Cherson mitgenommen“, schrieb der Z-Blogger Alexander Kartawych auf seinem Telegram-Kanal – laut der Moscow Times eine Anspielung auf zahlreiche Tiere, die bei dem russischen Rückzug aus der ukrainischen Stadt Cherson 2022 aus dem örtlichen Zoo verschwunden waren. (Quellen: The Moscow Times, Meduza, Washington Post, eigene Recherche) (lismah)

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