Sie suchten eine Smartphone-Alternative für ihr Kind und wurden damit zum viralen Hit: Eine amerikanische Familie zeigt, wie man Kinder vor übermäßiger Smartphone-Nutzung schützen kann – ohne sie auszugrenzen.
München – Eltern stecken heutzutage in einem Dilemma: Einerseits möchten sie ihre Kinder so lange wie möglich von Smartphones und Social Media fernhalten, andereseits sollen sie nicht von Freunden und Klassenkameraden ausgeschlossen werden. Eine Eltern-Gruppe aus Northbrook, Illinois, hat eine ungewöhnliche Lösung gefunden: Statt Handys gab es zu Weihnachten Festnetztelefone.
Meg Kate und Kyle McAlarney sowie andere Familien aus der Klasse ihrer Tochter Maddie entschieden sich bewusst für sogenannte „Tin Can“-Telefone – bildschirmfreie, kinderfreundliche Geräte, die nur Anrufe von vorher genehmigten Kontakten zulassen. Das Video der inzwischen achtjährigen Maddie, die ihr neues Festnetztelefon ausprobiert, sorgte auf TikTok für Begeisterung (über drei Millionen Aufrufe, Stand Januar 2026).
Eltern unterzeichneten gemeinsame Handy-Vereinbarung
Die McAlarneys sind Teil einer wachsenden Bewegung von Eltern, die bewusst auf frühe Smartphone-Nutzung verzichten. Zusammen mit anderen Familien aus Maddies damaliger ersten Klasse unterzeichneten sie das „Wait Until 8th“-Versprechen – eine Vereinbarung, den Kindern erst ab der achten Klasse Smartphones zu geben.
„Für uns geht es darum, diesen Schritt so lange wie möglich hinauszuzögern und unsere Kinder echte Gespräche führen zu lassen, bevor wir all die Ablenkungen einführen, die mit Bildschirmen kommen“, erklärt die 40-jährige Meg Kate McAlarney im Gespräch mit people.com. „Wir wollten, dass Maddies erste Erfahrung mit einem Telefon einfach und bewusst ist, nicht überwältigend“.
„Es ist ein wahrer Balanceakt“
An Weihnachten beschlossen die McAlarneys gemeinsam anderen Eltern aus Maddies Klasse deshalb, Festnetztelefone als sinnvollen und nostalgischen Kompromiss zu schenken. „Das Tin Can Handy erschien uns als idealer Kompromiss. Es ermöglicht ihr, in den Schulferien mit Freunden in Kontakt zu bleiben und mit Verwandten außerhalb des Bundesstaates in Verbindung zu treten, ohne gleich auf ein Smartphone umzusteigen“, so die dreifache Mutter.
„Je länger sie sich von sozialen Medien fernhalten können, desto besser in unseren Augen, aber wir wissen auch, dass es schwierig ist, weil es so vielen Kindern so geht, und man möchte ja nicht, dass sich das eigene Kind ausgeschlossen fühlt; es ist ein wahrer Balanceakt“, ergänzt die Mutter. Und erinnert sich an ihre eigene Kindheit: „Ich bin mit einem Festnetztelefon aufgewachsen und erinnere mich an die nervöse Aufregung, wenn ich einen Freund anrief und hoffte, dass nicht ein Elternteil oder älteres Geschwisterkind drangeht. Diese kleinen Momente machten Gespräche zu etwas Besonderem.“
„Es herrscht enormer Druck, Kindern Geräte zu geben“
Bei ihrer Tochter Maddie kam das Weihnachtsgeschenk gut an. Die Mutter höre sie immer wieder kichernd, plaudernd und selbstbewusst mit ihren Freunden telefonieren, berichtet sie gegenüber people.com. Bei Maddie, die seit dem Kindergarten ein spezielles Förderprogramm durchläuft, habe das Telefon auf „natürliche, freudige Weise“ das Selbstvertrauen gestärkt.
Die große Resonanz auf das TikTok-Video hat die McAlarneys, deren Kinder zuhause Ipads für die Schule nutzen dürfen, überrascht. Sie freuen sich, dass so viele Menschen „dasselbe nostalgische Gefühl teilen“, betonen aber auch, dass es keine „perfekte Lösung“ gebe.
„Es herrscht enormer Druck, Kindern Geräte zu geben“, sagt Meg Kate McAlarney. „Ich möchte Eltern einfach ermutigen, auf ihr Bauchgefühl zu hören und das zu wählen, was sich für ihr Kind und ihre Familie richtig anfühlt“.
„Wait Until 8th“-Bewegung: Kinder vor den Risiken durch Smartphones schützen
Die McAlarneys folgen mit ihrer Idee der 2017 in Texas gegründeten „Wait Until 8th“-Bewegung. Die Begründung der Eltern, mit Smartphones zu warten: Handys machten süchtig, würden Beziehungen, Konzentrationsfähigkeit und den Schlaf stören sowie Kinder der Gefahr von Cybermobbing und gefährlichen Inhalten aussetzen. Damit beziehen sie sich nach eigener Aussage auf die Empfehlung von Top-Führungskräften aus dem Silicon Valley, die ihren Kindern erst ab 14 Jahren ein Handy erlauben.
Auch in Deutschland gibt es eine ähnliche Initiative: smarterstartab14.de. Sie ist als gemeinnütziger Verein organisiert und führt das Projekt „#UNSOCIAL MEDIA - TellYourStory“ durch, bei dem Eltern, Lehrer und Schüler ihre Erfahrungen mit sozialen Medien teilen können. (Quelle: Deutscher Kinderschutzbund; Elterninitiative Schule Bildung Zukunft; TikTok; people.com; waituntil8th.org) (jade)
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