Mehr Fluch als Segen? Demonstration soll Verkehrswende in Grainau erreichen

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Die Tagesausflügler, die bei schönem Wetter den Eibsee als Ausflugsziel besuchen, sorgen unter anderem für ein sehr hohes Verkehrsaufkommen in Grainau. Ein Umstand, der auf der Demonstration am Sonntag (12. Oktober) angeprangert wird. © Dominik Bartl

Menschenmassen, Lärm, schimpfende Personen – und ständiger Stau. Es sind Szenen, die man sich kaum für den doch eigentlich so idyllisch wirkenden Ort Grainau und den blau-grün schimmernden Eibsee ausmalen kann. Nein – die man sich nicht ausmalen konnte. Denn seit geraumer Zeit sind ebendiese Szenen bittere Realität für Einheimische und Gäste des Zugspitzdorfes geworden.

Grainau - Um am Eibsee und der eigenen Gemeinde wieder das Gefühl zurückerlangen zu können, an einem Naherholungsort zu leben, wurde nun eine öffentliche Demonstration für Sonntag, 12 Oktober, angemeldet. Die Veranstaltung richtet sich „gegen die zunehmend untragbaren Verkehrsverhältnisse und die damit bedingten wachsenden Probleme fiir Grainau und Garmisch-Partenkirchen sowie das Naturschutzgebiet Eibsee“, wie es im Anmeldeschreiben von Martin Sielman und Andreas Neuner an Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl heißt.

Gerechnet wird mit etwa 100 bis 150 Demonstrationsteilnehmern. Der Ablauf der Demonstration soll sich laut der Mitteilung folgendermaßen gestalten: „Wir wollen uns um 14.30 Uhr am Untergrainauer Dorfplatz versammeln, um dann um 15 Uhr über die Eibseestraße Richtung Eibsee bis zum Parkplatz Rösner und von dort zurück zu spazieren. Um 17 Uhr soll sich die Demonstration am Startpunkt in Grainau wieder auflösen“.

Neuner, Mitorganisator, Einwohner Grainaus und Direkt-Betroffener erhofft sich viel von der Demonstration: „Ich hoffe, dass die Verkehrswende eintrifft. Es wird nicht von Jahr zu Jahr, sondern wirklich von Monat zu Monat immer schlimmer.“

Ein unlösbares Problem?

Natürlich gebe es Hotspot-Zeiten, wie der August, wenn Sommerferien sind. Aber auch abweichend stelle der andauernde Verkehr eine immer größere Belastung für den Ort dar. Rückendeckung hat der 17-Jährige von Familie und Freunden, die ihn bei seiner Aktion unterstützen. „Mit der Demo erhoffen wir uns, dass die Politik endlich reagiert“, merkt Neuner an. Bisher würde diese sie nämlich einfach ignorieren.

Stephan Märkl, Bürgermeister von Grainau, ist sich des Erfolgs der Demonstration nicht sicher: „Immerhin geht es hier ums Straßenverkehrsrecht, nach dem die Straße nicht gesperrt werden darf. Für den Erfolg der Demo müsse also eine Gesetzesänderung stattfinden. Eine eher unrealistische Vorstellung, denn sonst müssten ja „bei all den Demos ständig Gesetzesänderungen stattfinden“. Dennoch: „Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht und es ist gut, dass dies eingefordert wird.“

Der Wunsch Neuners nach mehr Aufmerksamkeit auf die Problematik dürfte so oder so in Erfüllung gehen. Immerhin ist bereits seit den erschreckenden Bildern im August – als sich Menschenmassen in dem viel zu kleinen Bus aneinander zwängten – kaum ein Medienunternehmen übrig, das nicht von den Ereignissen und dem Overtourismus in der Region berichtet. Und auch Märkl vermerkt: „Wir sind Sommerlochfüller von jeder Zeitung und Sendung.“

Ob die Veranstaltung bei den zuständigen Personen Gehör findet, und welche Auswirkungen dies auf die Gemeinde haben wird, wird sich zeigen. Klar ist laut Neuner: „ Es muss sich was ändern.“ Rein rechtlich gibt es jedoch bisher laut Märkl keine Möglichkeit, die Verkehrs- und damit einhergehende Menschenflut zu beschränken. Und der Ort – auch darauf verweist Märkl – lebe zu einem großen Teil vom Tourismus.

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