Einmalige Chance oder doch ein Finanzdebakel? Zwischen diesen beiden Extremen schwankten die Wortbeiträge bei einer Infoveranstaltung zur geplanten Fertigstellung des Bernrieder Gemeindezentrums. Ein „Haus der komischen Kunst“ soll dort realisiert werden. Kritisch gesehen wurden vor allen Dingen die Finanzierung und die zunehmende Anzahl an Besuchern des Dorfes.
Das Ziel der Infoveranstaltung im voll besetzten Sommerkeller sei es, ein Bild von der Stimmung im Dorf zu erhalten, so Bürgermeister Georg Malterer, da das Bauvorhaben ein Punkt auf der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend sei. Zudem solle mit den Infos die Diskussion versachlicht werden. Kurz skizzierte er den Ablauf der Geschehnisse. 2001 war das Grundstück mit dem Sommerkeller gekauft worden, 2002 folgte der Architektenwettbewerb und der Beschluss, die Entwicklung des Dorfplatzes in drei Abschnitte aufzuteilen. Neben dem Bau des Rathauses und der Sanierung des Sommerkellers seien aber auch viele andere Projekte in den letzten 20 Jahren bewältigt worden: das Kloster, das Theresia-Petsch-Haus für Betreutes Wohnen und Tagespflege, das Kloster und vieles mehr. Andere Projekte seien noch in Arbeit. Genannt wurde immer wieder das Feuerwehrhaus und die Schule.
Im November 2021 hatte der Gemeinderat einstimmig ein Konzept für den dritten Bauabschnitt mit einer Ausstellungshalle abgesegnet und einen Antrag auf Förderung gestellt. Aus den Mitteln für „Nationale Projekte des Städtebaus“ wurden 5,68 Millionen Euro zweckgebunden bewilligt. 2022 folgte ein neuer einstimmiger Beschluss des Gemeinderats, das Projekt weiter zu entwickeln.
Zweckgebunden war dann auch das Zauberwort des Abends. Angeführt wurde es gegen die Einwände von Bürgern, die befürchteten, dass das „Museum“ noch mehr Besucher anziehen würde, dass die anderen Aufgaben vernachlässigt, dass die Gemeinde sich finanziell übernehmen würde. „Mit dem Fördergeld kann man aber kein Feuerwehrhaus bauen, das Geld darf nur für das Ausstellungsgebäude verwendet werden“, wandte Rechtsanwalt Christoph Wagner ein und erhielt dafür viel Applaus.
Für das Gebäude, in dem eine Ausstellung mit „komischer Kunst“ beheimatet sein soll, sprachen sich die Mitglieder des neuen „Fördervereins“ aus. Karikaturist Peter Gaymann und Daniel Schreiber, langjähriger Direktor des Buchheim-Museums, wiesen auf die Attraktivität einer solchen Ausstellung hin. Karikaturen und Cartoons würden nicht „elitäres Kunstpublikum“ anziehen, sondern wären ein Magnet für Familien. Zudem gäbe es so ein „Museum“ zwar in Krems und in Frankfurt, aber für den süddeutschen Raum wäre die Ausstellung ein Alleinstellungsmerkmal und würde den Ruf Bernrieds als Künstlerdorf stärken.
Drei Millionen Euro als Hypothek
Auch Altbürgermeister Sepp Steigenberger beschwor die Chance, die das Projekt biete und erinnerte an die schwierige wirtschaftliche Situation 2001 als die ersten Pläne diskutiert wurden. „Und Gott sei Dank haben wir uns getraut und jetzt haben wir die Chance, das Ganze fertig zu machen – mit staatlichen Mitteln und dem Kurgästebeitrag“, beschwor er die Zuhörer.
Aufgrund der Zuschüsse blieben bei den geplanten Baukosten in Höhe von neun Millionen Euro für die Gemeinde knappe drei Millionen Euro als Hypothek. Da das Gebäude vermietet werden soll, könnten die Mieteinnahmen und ein erhöhter Kurbeitrag (von einem auf 2,10 Euro) die Zinsen und die Tilgung decken, rechnete der Rathauschef vor.
Auf der anderen Seite der Rechnung gebe es da das Dach der Tiefgarage, auf dem das neue Gebäude stehen soll. Das von einem Bauzaun abgegrenzte Gelände müsse sonst aufwendig saniert werden, so Gemeinderat Wolfgang Mutter. Und das muss aus dem Haushalt der Gemeinde getragen werden. Wolfgang Mutter veranschlagte die Kosten dafür mit mindestens einer Million Euro.
Anneliese Steibli