Schwere Regenfälle und Gewitter: Im Tessin und Norditalien drohen weiterhin extreme Unwetter. Es gab schon erste Schäden. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
München – Der Süden der Schweiz und Norditalien erlebt aktuell eine Unwetterlage, wie sie nur selten auftritt. Besonders betroffen sind das Tessin und das Piemont, wo sich sogenannte Superzellen gebildet haben. Dabei handelt es sich um besonders organisierte Gewitterzellen mit rotierendem Aufwind, die nicht nur extreme Regenmengen, sondern auch großkörnigen Hagel und Orkanböen hervorbringen können.
Ihre Gefahr liegt darin, dass sie langlebiger und intensiver sind als gewöhnliche Gewitter. Während normale Gewitter oft rasch abziehen, können Superzellen stundenlang bestehen und dabei enorme Wassermengen auf engem Raum niedergehen lassen. Das erklärt auch, warum die aktuellen Gewitter im Tessin und in Norditalien kaum von Ort und Stelle rücken. Die Folge sind Überschwemmungen, Erdrutsche und örtlich chaotische Zustände.
Erste Schäden im Tessin und in Norditalien
Im Tessin wurden bereits zahlreiche Probleme gemeldet: Straßen stehen unter Wasser, kleinere Erdrutsche blockieren Verbindungen und in einigen Tälern sind Keller und Garagen überflutet. Auch im Piemont sind erste Schäden bestätigt. In der Region um Turin und im Bereich Lago Maggiore kam es zu Überflutungen, in Norditalien brachten Hagelstürme Dächer zum Einsturz und entwurzelte Bäume blockierten wichtige Straßen.
Besonders dramatisch waren Szenen am Flughafen Malpensa bei Mailand, wo Wassermassen durch das Terminaldach drangen. In Verretto wurde ein ganzer Solarpark von heftigen Windböen zerstört. An der Adria-Küste wiederum rissen Sturmböen Stranddächer und Sonnenschirme fort. Diese Schäden verdeutlichen, dass die Unwetterlage nicht nur regional begrenzt bleibt, sondern weite Teile Norditaliens trifft. Eine Entwarnung ist laut den aktuellen Prognosen nicht in Sicht, die gefährliche Wetterlage hält bis ins Wochenende an.
Warum das Mittelmeer das Unwetter antreibt
Eine zentrale Rolle bei der aktuellen Entwicklung spielt das ungewöhnlich warme Mittelmeer. Warme Wasserflächen wirken wie eine Verdunstungsmaschine: Je höher die Temperatur, desto mehr Wasser geht in die Luft über. Diese zusätzliche Feuchtigkeit wird in die Atmosphäre transportiert und steht den Gewittern als Energiequelle zur Verfügung. Das Ergebnis sind immer heftigere Regenfälle, weil die Luft regelrecht mit Wasserdampf gesättigt ist.
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Treffen diese feuchten Luftmassen dann auf die kühleren Luftströmungen aus dem Norden, entladen sie sich in massiven Niederschlägen. Der Effekt ist ein regelrechter Verstärker, der die Gewitter nicht nur langlebiger, sondern auch deutlich intensiver macht. Genau das erleben die Menschen im Tessin und in Norditalien derzeit: Unwetter, die nicht abziehen, Superzellen, die immer wieder neue Energie aufnehmen, und Regenmassen, die in kurzer Zeit ganze Landstriche lahmlegen. Auch in Bayern werden Superzellen immer häufiger.