Peitschenhiebe im Wald, Scheinhinrichtung am Sylvensteinsee: Drei Tölzer nach Gewaltexzess vor Gericht

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Ein Gewaltexzess wird drei jungen Tölzern vor dem Landgericht München vorgeworfen. (Symbolfoto) © Arne Dedert

Drei Männer sollen einen 17-jährigen Tölzer wegen Drogenschulden entführt haben. Vor Gericht werden ihnen heftige Gewalttaten vorgeworfen.

Bad Tölz/München – Es wirkte mehr wie eine Familienfeier als wie ein Strafprozess. Eltern, Geschwister, sonstige Verwandte: Alle waren am Donnerstagmorgen ins Münchner Landgericht gekommen, um drei der ihren beizustehen, die seit über einem Jahr in Untersuchungshaft sitzen. Auch das Trio auf der Anklagebank war eng verbandelt: drei Freunde, alle 24 Jahre alt, zusammen aufgewachsen in Bad Tölz. Gemeinsam sollen sie auch zu Verbrechern geworden sein: Laut Anklage entführten und misshandelten sie im April 2024 den damals 17-jährigen Giovanni S. (Name geändert).

Drastische Abreibung wegen Drogenschulden

Die Vorwürfe schilderte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt so: Ausgangspunkt seien Schulden in Höhe von 1500 Euro gewesen. In diesem Wert hatte einer der Angeklagten Giovanni S. Marihuana überlassen, zum Weiterverkauf. Pech für den Nachwuchsdealer: Irgendjemand stahl den Drogenvorrat aus seinem Versteck. Die Rückzahlung blieb aus.

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In der Folge soll der Drogenhändler mit seinen Kumpels den Plan geschmiedet haben: eine drastische Abreibung. An einem Nachmittag Ende April vergangenen Jahres passten sie ihn am Isarkai ab und schoben ihn in ein Auto.

In Wald an Baum gefesselt und ausgepeitscht

Noch im Wagen setzte es Schläge. Dann fuhren die vier zu einem Parkplatz in Königsdorf und marschierten in einen Wald. Der Entführte musste sich bis auf die Unterhose ausziehen und wurde an einen Baum gefesselt. Einer seiner Peiniger zog sich den Gürtel aus der Hose und begann, ihn auszupeitschen. Dann sollte S. vor laufender Handykamera um Vergebung bitten. Doch sein Widerstand war noch nicht gebrochen. Also gingen die Gürtelhiebe weiter, rund 80 Schläge in einer halben Stunde.

Wieder bekleidet, wurde S. zum Auto zurückgeführt. Die Fahrt ging nun zum Sylvensteinspeicher. Auf einer Fußgängerbrücke packten ihn zwei seiner Häscher, schwangen ihn über den 15 Meter tiefen Abgrund und drohten, ihn hineinzuwerfen.

Scheinhinrichtung am Sylvensteinspeicher

Nach der Scheinhinrichtung fuhr man zurück nach Tölz. S. durfte aussteigen und bekam die Drohung mit auf den Weg, bei künftigen Treffen werde man ihm Zähne ziehen. Der verängstigte junge Mann verkroch sich zuhause, um Blutergüsse und Schmerzen abklingen zu lassen. Er traute sich länger nicht mehr auf die Straße. Die 1500 Euro bezahlte schließlich seine Mutter an den Drogen-Gläubiger.

Wer genau was getan hat, ist nicht gänzlich gesichert, jedenfalls nicht aus Sicht der Verteidigung. Einer der Angeklagten ergriff das Wort. Es handelte sich um den Fahrer des Autos, mit dem Giovanni S. von einer Folterstation zur anderen gefahren worden sein soll.

Richter kritisiert Ausreden

Er behauptet, bei der Abreibung sei es gar nicht um Drogenschulden gegangen. Vielmehr habe einer seiner Freunde S. vorgeworfen, dass dieser die Reifen seines Autos zerstochen und den Lack zerkratzt habe. Dafür habe er die 1500 Euro gefordert. Der Mitangeklagte habe seine Wut nicht unter Kontrolle. Und seine eigene Rolle, sagte der Fahrer, sei vor allem die eines Beschwichtigers gewesen. So habe er den Gürtel im Wald ins Spiel gebracht, als sein Freund dem Opfer mit einem Messer zuleibe rücken wollte – als Ablenkungsmaßnahme sozusagen. „Ich hatte das Gefühl, es wird vielleicht zu einem Mord”, sagt er.

Richter Benjamin Kertai sah darin zu viele Ausreden auf einmal. Er sehe „keine Voraussetzung, die Aussage als Geständnis anzuerkennen”. Damit sinken auch die Chancen für ein mildes Urteil. Den Angeklagten drohen fünf Jahre Gefängnis. (Tom Sundermann)

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