In der Tölzer Innenstadt gibt es zurzeit viele Leerstände. Viele Räumlichkeiten werden nicht genutzt. Und die Suche nach neuen Mietern gestaltet sich schwierig.
Bad Tölz – Leere Schaufenster, verlassene Ladenflächen: Die Geschäftswelt entlang der Tölzer Nockhergasse inklusive Seitenstraßen wie der Säggasse wird bald noch verwaister aussehen. Viele Leerstände bestehen bereits seit Wochen und Monaten. Die einstigen Räumlichkeiten von „Fructus“, der „Pashmin Art Gallery“ oder von „Molkereiprodukte Pölt“ sind nur einige Beispiele. Nun schließen wie berichtet noch zwei weitere Läden: der Concept-Store „Sinnesfreuden“ und die gegenüberliegende Damenboutique „Wäsche und mehr“.
Keine Nachfolger für „Sinnesfreuden“ und „Pashmin Art Gallery“
Doch wieso fällt es so schwer, die Parallelstraße zur Marktstraße zu beleben? Noch gebe es keinen Nachfolger für die große Ladenfläche von „Sinnesfreuden“, erklärt Karlheinz Leimer, dem die Immobilie ebenso gehört wie die einstigen Räumlichkeiten der „Pashmin Art Gallery“. Wie es mit der Ladenfläche von „Sinnesfreuden“ weitergeht, könne man noch nicht sagen, hält er sich bedeckt. „Im Schaufenster wird darauf aufmerksam gemacht, dass ein Mieter gesucht wird.“ Zu seinen Räumlichkeiten auf der anderen Straßenseite meint er nur: „Wahrscheinlich wird hier eine Umorientierung erfolgen.“ Mehr möchte er nicht dazu sagen.
Stefanie Besch ist auf der Suche nach Mietern für ihre 113 Quadratmeter große, frisch renovierte Ladenfläche ein paar Meter weiter oben in der Mühlgasse. Bis vor einem Jahr hat sie hier selbst ihr Blumengeschäft „Stil und Blüte“ betrieben. Mittlerweile habe sie die Ausrichtung etwas geändert: „Wir haben das Ladengeschäft aufgegeben und sind in einen Werkstattmodus übergegangen. Daher machen wir nur noch größere Auftragsarbeiten, etwa für Hochzeiten oder Trauerfloristik“, erklärt sie.
„Es trauen sich nicht mehr so viele Menschen in die Selbstständigkeit“
Einen neuen Mieter hat auch sie noch nicht. „Die Renovierungsarbeiten sind erst seit einem Monat abgeschlossen.“ Die große Hürde, Nachmieter zu finden, sieht Besch in der aktuellen wirtschaftlichen Lage. „Es trauen sich nicht mehr so viele Menschen in die Selbstständigkeit. Der finanzielle Apparat, den man heute dafür bedienen muss, ist immens.“ Die gestiegenen Energiepreise, Personalkosten und auch die Schwierigkeit, geeignete Mitarbeiter zu finden, seien problematisch.
(Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)
An der Örtlichkeit, davon ist Besch überzeugt, liege es nicht. „Die vergangenen 20 Jahre habe ich mein Geschäft ja selbst hier geführt“, betont sie. „Hier ist man nah an der Marktstraße, hat genügend Parkplätze, und es kommen viele Autos vorbei.“ Noch dazu geht sie davon aus, dass durch die Neugestaltung des ehemaligen Postareals an der Hindenburgstraße in Zukunft noch viel mehr Potenzial in der Lage stecke. „Auch wenn es hier keine 1a-Lage wie direkt in der Marktstraße ist, ist das immer noch total gut und zentral.“
Meine news
Stadt „im engen Austausch mit den Eigentümern“
Etwas weiter unten in der Nockhergasse ist die Betreiberin von „Sinnesfreuden“, Christina Thalhammer weniger überzeugt von dem Standort. „Das hat nichts mit den Einheimischen zu tun, aber die Entwicklung von Bad Tölz und der Marktstraße, gibt individuelleren Läden eigentlich keinen Platz mehr.“ Daher habe sie entschieden, sich nur noch auf ihr zweites Geschäft in Rottach-Egern zu konzentrieren. „Da läuft es super.“
Die Stadt habe das Problem, das sich über die Nockhergasse und Umgebung zieht, im Blick, sagt Zweiter Bürgermeister Michael Lindmair – er führt derzeit die Geschäfte im Rathaus – auf Anfrage. Er betont aber auch: „Bei den Leerständen handelt es sich um keine Immobilien der Stadt, wir sind zwar in engem Austausch mit den meisten Eigentümern und unterstützen sie nach unseren Möglichkeiten. Allerdings haben wir keinen Einfluss auf die Vermietungen.“ In der Bäckerei Detter sehe er nach wie vor einen attraktiven Anziehungspunkt für viele, in die Nockhergasse zu kommen. „Geschäfte könnten sich hier auch gegenseitig gut befruchten.“
Bad Tölz will Attraktivität des Einkaufsstandorts erhöhen
Die Stadt arbeite bereits daran, die Attraktivität des Einkaufsstandorts zu erhöhen, „um somit auch die Nachfolger-Suche zu erleichtern“, sagt Lindmair. Ein Beispiel dafür sei der „Innenstadt-Freitag“ mit seinen Aktionen. Ihm sei aber auch klar, dass diese sich eher auf die Marktstraße konzentrieren, räumt er ein. Aber auch Immobilien in der „1a-Lage Marktstraße“ sind vor Leerständen nicht gefeit. So steht bis dato nach wie vor noch keine Nachfolgenutzung für den ehemaligen „Starnbräu“ fest. Gleiches gilt für die Räumlichkeiten, in denen die Pizzeria Enzo bis vor wenigen Jahren ansässig war. Seit „Vodafone“ ausgezogen ist, steht auch die Fläche im ehemaligen Weinhaus Höckh leer – genauso wie der einstige Edeka, seitdem Fielmann ihn nicht mehr als Interimsquartier braucht.
Wichtig, um Mieter zu finden, seien allerdings auch die räumlichen Gegebenheiten und der Sanierungszustand der Gebäude, erinnert Lindmair. Überdies müsse man der Konkurrenz im Internet ins Auge sehen. „All das sind Faktoren, auf die wir als Stadt keinen Einfluss haben.“ (feb)