Unheimliche Szenen haben sich Anfang der Woche in Esting abgespielt: Nachts haben Einbrecher um die 70 tonnenschwere Statuen vom Gelände eines Händlers gestohlen.
Esting – Zwei Tore wurden aufgebrochen, mindestens ein Kastenwagen muss wohl im Einsatz gewesen sein. Hinweise? Fehlanzeige. Nun soll eine Belohnung ausgesetzt werden.
Der Schock war groß am Dienstagmorgen auf dem Hof eines Estinger Händlers für asiatische Deko-Statuen. Seine Mitarbeiter blickten auf einmal auf ein Riesen-Loch, wo am Tag zuvor noch um die 70 Figuren und Blumentöpfe in Reih und Glied standen. Reiher, Gänse, Kormorane, Drachen und Samurai aus Bronze oder Metall. Alles war plötzlich weg.
Der Beute-Wert
Chef Klaus D. ist auch Tage danach noch fassungslos. Der Beute-Wert beträgt um die 100 000 Euro, die sind wohl futsch. „Ich habe ja in 40 Jahren in diesem Beruf schon einiges erlebt, aber das ist eine ganz neue Dimension“, sagt D. ganz offen.
Der 65-Jährige ist davon überzeugt, dass sich in der Nacht auf Dienstag Szenen wie in einem Krimi am Estinger Ortsrand abgespielt haben müssen. Zwei Tore wurden aufgebrochen, berichtet er. Die Diebe mussten einen Weg von um die 50 Meter zurücklegen, mit Beute, die pro Stück teils um die 100 Kilo gewogen habe.
Sackkarren
Das gehe nicht mal einfach so, da muss eine Mordslogistik dahinter gesteckt haben. „Die müssen Sackkarren dabei gehabt haben und mindestens einen Kastenwagen“, schätzt der Händler. Er geht außerdem davon aus, dass die Täter bereits im Vorfeld die Umgebung ausgespäht haben. Sie wussten, dass sie über einen Weg von hinten an das Gelände herankommen.
Dass es hier derartige Statuen gibt, ist hingegen kein Geheimnis. Die Firma „Yin Yang Asiatika“ wirbt im Internet mit der größten Auswahl an asiatischen Kunstgegenständen in ganz Deutschland. Einige Exemplare können Autofahrer auch von der Straße aus sehen, wenn sie von der B 471 in Richtung Olching oder Emmering unterwegs sind (oder umgekehrt).
Das sind allerdings die wirklich großen Statuen, an die haben sich die Diebe dann doch nicht herangewagt. Laut D. sind die erbeuteten Figuren maximal 1,60 Meter groß gewesen.
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Sicherheitsmaßnahmen
Für ihn besonders bitter: Er ist nicht versichert. „Das wäre zu teuer“, erklärt der 65-Jährige, der sein Geschäft früher in Pasing hatte und vor etwa zehn Jahren nach Esting zog. Dort stehen ihm nun rund 10 000 Quadratmeter zur Verfügung. Und es gibt laut Klaus D. schon Sicherheitsmaßnahmen auf dem Areal.
Der Kunst-Händler will nun selbst aktiv werden und mit seiner Handvoll Mitarbeiter auf die Suche gehen. Es sei nicht der erste Einbruch, sagt er. Und die Erfahrung habe gezeigt, dass die Statuen irgendwann auf Antikmärkten oder bei ähnlichen Gelegenheiten wieder auftauchen. D. überlegt außerdem, eine Belohnung auszusetzen. 2000 Euro für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen.
Siegt die Frechheit?
„Ich will irgendetwas tun, damit die Täter überführt werden.“ Auch die Olchinger Polizei steht derzeit noch vor einem Rätsel. Laut eines Sprechers hat offenbar niemand in der Nachbarschaft oder in der Umgebung etwas von dem Raubzug mitbekommen. Das sei allerdings gar nicht so untypisch. Ein Polizei-Sprecher sagt, es habe mal das Experiment eines TV-Teams am Frankfurter Hauptbahnhof gegeben. Das konnte in aller Seelenruhe Fahrräder auf einen Pritschenwagen laden, ohne dass sich jemand daran gestört hätte. Häufig gelte halt doch: „Frechheit siegt.“
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