Keine Begehrlichkeiten wecken: Wiesseer Gemeinderat ändert Landschaftsschutz-Entwurf

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Stark frequentiert und befestigt: Der Söllbachparkplatz samt Toilettenanlage stellt für den Wiesseer Gemeinderat keine schützenswerte Landschaft dar. © THOMAS PLETTENBERG

Die Gemeinde Bad Wiessee nimmt Einfluss auf die geplante Ausweisung des Landschaftsschutzgebiets „Tegernsee und Umgebung“. Der Gemeinderat sprach sich für zahlreiche Änderungen aus – und diskutierte besonders intensiv über das Söllbachtal.

Gemeinde hat nur begrenzten Spielraum

Den Spagat zwischen nötigem Schutz und erforderlichen Handlungsspielräumen suchte der Wiesseer Gemeinderat, als es nun um die Ausweisung des Landschaftsschutzgebiets „Tegernsee und Umgebung“ ging. In vielen Punkten war sich das Gremium einig – beim Söllbachtal nicht.

Punkt für Punkt arbeitete das Gremium den Entwurf ab. Bürgermeister Robert Kühn (SPD) mahnte zu Stringenz – nicht zuletzt, weil der Gemeinde nicht viel Zeit bleibe, um während der Auslegung Einwände anzumelden, wie Anton Bammer vom gemeindlichen Bauamt eingangs monierte.

Ausnahmen für stark genutzte Flächen

Nach Ansicht der Wiesseer Gemeinderäte sollen etwa der Bereich um das einstige Aquadome und das Bistro der Fischerei aus der in der Arbeitsgruppe erarbeiteten Vorlage herausgenommen werden: Der Bereich sei bebaut und durch die Gastronomie, den Schiffsanleger, die Wasserwacht und die öffentliche Toilettenanlage „intensiv genutzt“. Weil aber der Uferbereich geschützt werden soll, folgten die Räte dem Vorschlag von Johannes von Miller (Grüne) und zogen sowohl – wie später auch in anderen Bereichen – gedanklich eine Linie, die in etwa der Baulinie der vorhandenen Gebäude entspricht. So zogen sie die Grenzen im Altwiesseer Weg, wo sich gerade ein Einfamilienhaus im Bau befindet. Auch das im Bau befindliche Seegut-Areal und damit der Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 42 müsse aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden.

Sportanlage, Seepromenade und Parkflächen

Streichen will die Gemeinde aus dem Schutzbereich auch die Sportanlage an der Hagn㈠gasse, wo der Umgriff zu klein gewählt worden sei. Das kollidiere mit den Plänen, die man für die Sportanlage habe. Gleiches gilt für den Baumgartenweg mit dem Hotel Seegarten, das entwickelt werden soll. Aber auch die Minigolfanlage und generell die Seepromenade, die mit festen Bauten versehen und ebenfalls „intensiv genutzt“ ist, soll herausgenommen werden. Im Bereich des Bauhofs wollten die Gemeinderäte die herauszunehmende Fläche vergrößern, weil just dort im Winter belasteter Räumschnee von den Straßen gelagert werde.

Weiter oben am Rohbognerweg solle der Parkplatz um den Schuppen herum ebenfalls wegen der intensiven Nutzung gestrichen werden. Einbezogen werden solle ins Landschaftsschutzgebiet indes die Grünfläche gegenüber dem Yachtclub. Beim Freihaus Brenner sollen Terrasse, Parkplatz und Zuwegung der bisherigen Planung entnommen werden, nicht aber die Wiesen davor, wo aktuell ein großes Partyzelt aufgebaut ist. Schließlich wolle man keine Begehrlichkeiten wecken, hieß es zum Vorschlag, auch diese Wiese zu streichen.

Söllbachtal wird kontrovers diskutiert

Als Anlieger im Söllbachtal und Leidtragender der intensiven Nutzung der Großparkplätze an der Söllbachtalstraße inklusive Toilettenanlage sowie des regen Verkehrs zum Skizentrum Sonnenbichl plädierte Wolf-Hagen Böttger (SPD) schließlich dafür, auch diesen Bereich aus dem Landschaftsschutzgebiet zu nehmen. Vize-Bürgermeisterin Birgit Trinkl und Wilhelm Dörder (beide Wiesseer Block) konnten der Argumentation folgen: Wenn die intensive Nutzung am Aquadome, an der Seepromenade und am Golfplatz ins Feld geführt werde, müsse dies konsequenterweise auch fürs Söllbachtal gelten.

Zwischen Schutzinteresse und Privatbesitz

Johannes von Miller hielt dagegen, dass die Fläche nicht versiegelt sei, schon immer im Schutzgebiet gelegen habe und auch hier keine Begehrlichkeiten irgendwelcher Bauherren geweckt werden sollten. Er warnte zudem, dass die Gemeinden ohnehin nicht viele Möglichkeiten hätten, an den vorliegenden Plänen des Landratsamtes etwas zu ändern. Sie seien das Resultat aus dem Arbeitskreis im Landratsamt und ein Kompromiss aus den Forderungen aller Beteiligter.

Landwirt Alois Fichtner (CSU) wandte ein, dass die Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes wie auch die zunehmenden Naturschutz- und Wasserschutzgebiete ein genereller Eingriff in Privatbesitz seien. Miller meinte dazu: „Im Endeffekt geht es doch darum, den Landschaftsschutz zu erhalten.“ Dem sprangen die SPD-Räte Bernd Kuntze-Fechner und Isabel Dörder bei. Kuntze-Fechner merkte an, dass die Änderungen nicht groß seien und – abgesehen von ein paar Arrondierungen – im Grunde jene Bereiche umfasst seien, die schon früher im Schutzgebiet lagen. Dörder nahm das als Hinweis, es auch weiter beim achtsamen Umgang mit der Natur zu belassen.

Beschluss mit breiter Mehrheit

Mit 18:1 Stimmen beschloss der Gemeinderat, die Flächenergänzungen, wie in der Sitzung erarbeitet, an das Landratsamt weiterzuleiten.

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