Zeitumstellung an diesem Wochenende: Wo schon heute Nacht die Uhren umgestellt wurden

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Menschen in anderen Ländern drehen bereits an ihren Uhren. Deutsche müssen noch warten. Woher die Zeitumstellung kommt und was sie mit uns macht.

Canberra – Während den Deutschen die Zeitumstellung in diesen Monat noch bevorsteht, haben in der Nacht zum Sonntag Menschen auf der anderen Seite die Uhren bereits umgestellt. Das zweimal jährliche Ritual, das uns allen so vertraut ist, findet nämlich keineswegs überall zur gleichen Zeit statt.

Zwei Wecker stehen im Park
Auf der Südhalbkugel wird bereits an der Uhr gedreht. ©  Rene Traut/IMAGO

In Teilen Australiens begann bereits an diesem Wochenende die Sommerzeit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag (5. Oktober) wurden die Uhren von 2 Uhr auf 3 Uhr morgens eingestellt. So gab es mehr Tageslicht am Abend und weniger Licht am Morgen – perfekt für lange Grillabende und Surfabenteuer an den Stränden.

Zeitumstellung im Herbst: Ein globales Durcheinander – nicht alle Staaten stellen die Uhren um

Die Zeitumstellung ist längst kein weltweites Phänomen mehr. Aktuell praktizieren sie weniger als 40 Prozent aller Staaten weltweit, so uhrzeit.org. Japan, China, Indien oder Russland verzichten komplett auf das Uhrendrehen.

In Australien nehmen nur einige Bundesstaaten an der Sommerzeit teil, während andere wie Queensland ganzjährig bei der Winterzeit bleiben. Ähnlich kompliziert gestaltet sich die Situation in Kanada und den USA.

Island praktiziert aufgrund seiner geografischen Lage nahe dem Polarkreis schon lange keine Zeitumstellung mehr – im Sommer ist es dort ohnehin fast durchgehend hell, im Winter dominiert die Dunkelheit.

Von der Kriegsmaßnahme zum Alltag: Die bewegte Geschichte der Zeitumstellung

Die Idee, künstlich an der Zeit zu drehen, ist älter als viele denken, berichtet die Rheinische Post. Schon im Jahr 1784 entwickelte Benjamin Franklin einen ungewöhnlichen Vorschlag: Die Menschen sollten früher aufstehen und zeitiger zu Bett gehen, um weniger Kerzen zu verbrauchen. Der amerikanische Gelehrte wollte zwar noch nicht die Uhren verstellen, doch sein Grundgedanke war derselbe wie heute – die Anpassung menschlicher Gewohnheiten an das natürliche Sonnenlicht.

Mehr als ein Jahrhundert später wurde aus Franklins theoretischer Überlegung bittere Realität. Als 1916 der Erste Weltkrieg bereits zwei Jahre tobte und die Ressourcen knapp wurden, griff das Deutsche Kaiserreich zu drastischen Maßnahmen. Die Reichsführung unter Kaiser Wilhelm II. führte erstmals die Sommerzeit ein. Elektrizität war Mangelware geworden, jede gesparte Kilowattstunde zählte für die Kriegsanstrengungen.

Europa zog rasch nach: Noch 1916 übernahmen die meisten europäischen Staaten die deutsche Innovation, die USA folgten zwei Jahre später. Doch kaum war der Krieg vorbei, verschwand die Sommerzeit wieder aus dem Alltag – alle Nationen kehrten zur gewohnten Normalzeit zurück.

Ölkrise in den 1970ern bringt Wechsel von Sommer- und Winterzeit wieder zurück

Ab 1940 drehte das Deutsche Reich erneut an den Uhren, diesmal sogar noch radikaler. Zwischen 1940 und 1942 galt durchgehend Sommerzeit, ohne Rückstellung im Winter. Nach dem Zweiten Weltkrieg schien das Kapitel Zeitumstellung in Deutschland zunächst beendet – drei Jahrzehnte lang tickten die Uhren wieder normal.

Erst die Ölkrise von 1973 weckte alte Erinnerungen. Plötzlich war Energiesparen wieder ein Thema, und 1980 führte Deutschland die Sommerzeit erneut ein – diesmal gemeinsam mit den meisten anderen Industrienationen.

Der Mini-Jetlag nach der Zeitumstellung: Wenn der Körper aus dem Takt gerät

Obwohl die Zeitumstellung auf die Winterzeit theoretisch eine geschenkte Stunde Schlaf bringt, spüren viele Menschen dennoch körperliche Auswirkungen. Experten sprechen vom sogenannten „Mini-Jetlag“ – einem Phänomen, das sich in Müdigkeit, Schlafproblemen und Konzentrationsschwierigkeiten äußert.

Der Grund liegt in unserer inneren Uhr, die sich nicht so schnell umstellen kann wie die Zeiger am Handgelenk. Statistiken zeigen laut helios-gesundheit.de sogar, dass während der Zeitumstellung mehr Menschen einen Arzt aufsuchen als sonst und die Einnahme von Schlafmitteln und Antidepressiva steigt.

Besonders ältere Menschen, Kinder und Personen mit bereits bestehenden Schlafstörungen haben größere Schwierigkeiten mit der Anpassung. Bei ihnen kann die Umstellung bis zu einer Woche dauern, während sich die meisten Menschen nach ein bis zwei Tagen daran gewöhnt haben. (Quellen: uhrzeit.org, Rheinische Post, helios-gesundheit.de) (jaka)

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