Das Timmelsjoch in Südtirol verwandelt sich in eine Eiswelt: Schneefräsen kreieren meterhohe Schneekorridore, um die Hochalpenstraße noch bis November offenzuhalten.
Oetz – Der Grenzpass Timmelsjoch gilt als die „heimliche Lücke in den Alpen“: Die Hochalpenstraße verbindet Österreich und Italien auf mehr als 2.500 Metern Höhe. Derzeit ist die Strecke täglich von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr geöffnet, wie es auf der offiziellen Seite der Verbindung heißt. Doch schon jetzt im Oktober liegt dort massenhaft Schnee. Um die Straße noch sechs Wochen offenzuhalten, beginnen Schneefräsen bereits mit der Räumung der Serpentinen. Es ist eines der „spektakulärsten Winterrituale der Alpen“, so die lokale Zeitung Südtirolnews.
Die Schneemassen am Rande der Hochalpenstraße zwischen dem Ötztal und dem Passeiertal erreichen oft bis zu zehn Meter Höhe, die links und rechts entlang der Straße emporragen. Für Passanten entsteht so eine Durchfahrt durch eine faszinierende Eiswelt. Mittlerweile ist die kurvenreiche Panoramastraße ein beliebtes Ausflugsziel bei Touristen – neben ihren spektakulären schneeweißen Korridoren im Winter bietet sie auch atemberaubende Ausblicke.
Schneewände türmen sich zwischen Österreich und Italien
In den kommenden Wochen werden sich Räumfahrzeuge durch zunehmend höhere Schneewände arbeiten müssen. Voraussichtlich kann der Grenzpass aber noch bis Mitte oder Ende November geöffnet bleiben. „Der genaue Öffnungszeitpunkt hängt wesentlich von der Schneelage sowie den Geländeverhältnissen ab“, teilt die Timmelsjoch Hochalpenstraßen AG mit. Danach ist der Grenzpass bis in den Mai gesperrt. Schon im April beginnen jedes Jahr die Schneeräumarbeiten, um den Öffnungszeitpunkt zu gewährleisten.
Der lange Weg ins Hochgebirge: Wie Politik und Kriege den Bau des Timmelsjochs verzögerten
Der Grenzpass selbst blickt auf eine spannende Geschichte zurück – geprägt von Geopolitik und Kriegen. Der Bau der Timmelsjoch-Hochalpenstraße begann im Herbst 1955, die Planungen dazu reichen allerdings viel weiter zurück. Erste Überlegungen zu einer Straßenverbindung über das Timmelsjoch gab es bereits im 19. Jahrhundert, wie die Timmelsjoch Hochalpenstraßen AG mitteilt. Im Jahr 1897 beschloss der Tiroler Landtag ein Straßenbauprogramm, das mehrere Straßen vorsah – darunter auch eine Route über den „Timmel“.
Der Erste Weltkrieg verhinderte allerdings die Umsetzung. Nach Kriegsende wurde das Timmelsjoch zur Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien, was die Planungen weiter verzögerte. Die Idee: Die angedachte Nord-Süd-Verbindung sollte „mittags Skilauf auf den Ötztaler Gletschern und nachmittags Entspannung unter Palmen in Meran“ ermöglichen, fasst die Betreibergesellschaft die Geschichte zusammen. Schließlich wurde das Projekt umgesetzt. „Für Tourismus und Wirtschaft in Passeier- und Ötztal bedeutet der Zusammenschluss einen Meilenstein“, (Quellen: Timmelsjoch Hochalpenstraßen AG, Timmelsjoch.com, Südtirolnews) (bme)