Nach Feuer-Inferno in Crans-Montana steht nun fest, dass Sicherheitsauflagen nicht eingehalten wurden. Ein Inspektor fand schon 2018 Mängel.
Crans-Montana – In der Silvesternacht brach in der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana ein tödliches Feuer aus. Dabei starben 40 junge Menschen, 116 weitere wurden schwer verletzt. Neue Details enthüllen nun ein erschütterndes Bild behördlichen Versagens. Die Bar wurde in den letzten zehn Jahren dreimal auf Brandschutz kontrolliert: 2016, 2018 und 2019. 2016 wurde die Veranda kontrolliert.
Zwei Jahre später stellte der Sicherheitsbeauftragte der Gemeinde bei einer Brandschutzkontrolle allerdings erhebliche Sicherheitsmängel fest. Jacques Moretti, dem Geschäftsführer der Bar, wurde auferlegt, die Besucherzahl auf maximal 100 Personen pro Etage zu begrenzen, berichtet der SRF. Zusätzlich forderte der Inspektor eine korrekte Platzierung von Feuerlöschern, die Vorlage von Evakuierungsplänen und eine entsprechende Schulung des Personals für Notfälle. Moretti erhielt drei Monate Zeit, diese Auflagen zu erfüllen. Schon 2016 wurde bei einer Kontrolle die Veranda kontrolliert.
Letzte Kontrolle im Mai 2019: Sicherheitsauflagen wurden nicht umgesetzt
Bei der nächsten Kontrolle im Mai 2019 wurde dann festgestellt, dass Moretti keine der Sicherheitsauflagen umgesetzt hatte. Laut der Deutschen Presseagentur (dpa) stellte der Sicherheitsbeauftragte die gleichen Forderungen wie im Vorjahr und gab dem Geschäftsführer eine weitere dreimonatige Frist. Nach 2019 blieb der Inspektor aus. Sieben Jahre lang wurde die Bar nicht mehr auf Brandschutz kontrolliert – obwohl jährliche Kontrollen vorgeschrieben gewesen wären.
Das Feuer brach um 1.26 Uhr durch Tischfeuerwerk an Champagnerflaschen aus. Die brennbare Schaumstoff-Deckenverkleidung, die möglicherweise als Schallschutz diente, geriet in Brand und führte innerhalb von Sekunden zu einem Flashover – einem schlagartigen Vollbrand des gesamten Raumes. Unter den Opfern waren hauptsächlich Jugendliche und junge Erwachsene.
Nach Feuer-Katastrophe in Crans-Montana: Betreiber-Ehepaar in Untersuchungshaft
Jacques Moretti und seine Ehefrau Jessica wurden wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst angeklagt. Der Betreiber der Bar hat un zugegeben, dass ein Notausgang zum Zeitpunkt des Unglücks von innen verschlossen war. Außerdem räumte er ein, dass er die brandgefährliche Deckenverkleidung aus Schaumstoff eigenhändig ersetzt habe. Beide wurden mittlerweile gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen, berichtet die Tagesschau.
Nach der Katastrophe kündigte die Gemeinde Crans-Montana an, alle öffentlichen Betriebe durch ein externes Büro auf Sicherheitsmängel kontrollieren zu lassen. Zudem wurde die Verwendung von Pyrotechnik in Gebäuden verboten. (Quelle: SRF, dpa) (jus)