Die Marktgemeinde Dießen ist mit der Nutzbarmachung des ehemaligen Gasthofs „Drei Rosen“ samt seinem Filetgrundstück in bester Lage einen Schritt weitergekommen. Aus dem Planungswettbewerb mit zwölf Architekturbüros hat die Jury den Siegerentwurf ermittelt, der jetzt im Rathaus präsentiert wurde.
Dießen – Die Gemeinde hat vor Jahren das Gebäude auf dem 1.700 Quadratmeter großen Areal für 1,53 Millionen Euro gekauft, nachdem der Bauausschuss des Gemeinderats die Pläne der ursprünglichen Besitzergesellschaft mit einem dreistöckigen Wohngebäude als „städtebauliche Fehlentwicklung“ abgelehnt hatte. Bei dem folgenden gemeindlichen Projekt „Wohnen in der Schützenstraße 22“ sollte es nicht um sozialen Wohnungsbau gehen. Vielmehr wolle man bezahlbaren Mietwohnraum für „schmale Geldbeutel“ schaffen, also Normalverdiener, die auf dem teuren freien Markt wenig Chancen hätten.
Um selbst als Bauherr aktiv zu werden und möglichst hohe Zuschüsse aus dem Kommunalen Wohnraumförderungsprogramm des Freistaats zu generieren, hatte der Marktgemeinderat einstimmig beschlossen, einen Planungswettbewerb unter Architekten und Landschaftsarchitekten auszuloben. Dazu wurde das Stadtplanungsbüro Hummel & Kraus aus München verpflichtet. Da auch die Kosten für den Wettbewerb staatlich gefördert werden, bekomme man laut Bürgermeisterin Sandra Perzul „für einen relativ kleinen Eigenanteil“ eine Palette von Ideen und Entwürfen.
Platziert und anerkannt
Die drei von einer Jury ausgewählten erstplatzierten Entwürfe sowie eine „Anerkennung“ wurden jetzt von Bürgermeisterin Perzul und Architekt Michael Deppisch im Rathaus vorgestellt. Mit dabei Bauamtsleiterin Johanna Schäffert sowie die Gemeinderäte Marc Schlüpmann, Franz Sanktjohanser und Michael Hofmann, die neben Sandra Perzul in der Jury saßen. Bei der elfstündigen Sitzung der Fach- und Sachpreisrichter war auch ein Vertreter des Sachgebiets „Wohnungswesen“ der Regierung von Oberbayern dabei, die für die Fördermittel zuständig ist. Bei der Beurteilung der Entwürfe waren die Urheber nicht bekannt. Erst nachdem die Reihenfolge der Platzierungen feststand, wurden die Umschläge mit den Daten der Einreicher geöffnet.
Den 1. Preis gewann Gerold Heugenhauser vom Münchner Architekturbüro „WWA Architekten Wöhr Heugenhauser Johansen PartG mbB“, dem Landschaftsarchitekt Wolfgang Pangratz zur Seite stand. Laut dem Urteil der Jury überzeugt die Arbeit „durch ihre selbstverständliche städtebauliche Setzung“: Zwei zusammenhängende gut proportionierte Neubauten fügen sich in der Höhenstaffelung mit ihren zwei und drei Geschossen gut in die Umgebung ein und halten einen angemessenen Abstand zum Bestandsgebäude „Drei Rosen“. Das bleibe in seiner Grundstruktur erhalten, werde nach Süden erweitert und um ein Geschoss aufgestockt.
Die Erschließung aus der Mitte des Grundstücks schaffe attraktive Gemeinschaftsflächen. Die Wohnungszahl und Wohnflächen liegen im mittleren Bereich und erfüllen die Vorgaben. Hier wurden mindestens 24 barrierefreie Einheiten verlangt – von der Ein-Zimmer- bis zur Fünf-Zimmer-Wohnung, wobei die Größen von 40 bis 105 Quadratmetern den Wohnraumförderbestimmungen entsprechen müssen. Die Zufahrt zur Tiefgarage von der Schützenstraße aus wurde positiv gesehen. Ein Musterbeispiel der Arbeit von Gerold Heugenhauser ist die Schmucker-Siedlung in Utting. Was aber bei der anonymen Beurteilung seiner „Drei Rosen“-Einreichung keine Rolle spielte.
Der 2. Preis ging an die „Meck Architekten GmbH“ in München und der dritte an das „Büro Dantele Architekten PartG“ in Freising. Den Anerkennungspreis erhielten die „Witting Brösdorf Architekten“ aus Leipzig.
Für interessierte Anlieger und Bürger: Die Ausstellung zum Planungswettbewerb „Drei Rosen“ im ersten Stock des Rathauses kann zu den üblichen Öffnungszeiten bis einschließlich Donnerstag, 27. März, besichtigt werden.
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2015 letztes Bier ausgeschenkt
Im Frühjahr 2015 wurde in den historischen „Drei Rosen“ das letzte Bier ausgeschenkt. Der dazugehörige Saal als Heimat von Theatergruppen, Musikern und Vereinen blieb seitdem verwaist. Mehreren Pächtern war es in den letzten Jahren nicht gelungen, das Traditionswirtshaus mit Fremdenzimmern wieder zum Laufen zu bringen, das 1864 als „Tafernwirtschaft“ gegründet wurde. Der damalige Wirt hatte behördlicherseits die Auflage, wandernde Handwerksgesellen günstig zu beherbergen und zu verpflegen.
Eine kurzfristige Herberge wurde „Drei Rosen“ nach der endgültigen Schließung und dem Kauf durch die Marktgemeinde wieder. Das Landratsamt Landsberg mietete zwischendurch das Objekt für die Unterbringung von jungen unbegleiteten Asylbewerbern. Wenn jetzt die Finanzierung gesichert ist und alles planmäßig läuft, könnten laut Architekt Gerold Heugenhauser die ersten Mieter zu Weihnachten 2028 einziehen.