Gestalter, Feingeist, Fußballfan

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Zwei Leidenschaften: Bücher und der Fußballverein Eintracht Frankfurt. © Hermann Weingartner

Josef Sterr prägte Dorfen zwölf Jahre lang als Bürgermeister. An Silvester besuchte er noch die Opera Incognita im Jakobmayer.

Die traurige Nachricht machte am Neujahrstag rasch die Runde: Altbürgermeister Sepp Sterr ist am 1. Januar überraschend gestorben. Die Bestürzung ist groß. Nicht nur seine Heimatstadt nimmt in tiefer Trauer Abschied von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit: Sterr war ein Dorfener durch und durch, hatte sich darüber hinaus auch durch sein vielfältiges Engagement im ganzen Landkreis verdient gemacht.

Zwei Leidenschaften: Bücher und der Fußballverein Eintracht Frankfurt.
Brachte in Dorfen vieles voran: Sepp Sterr 2001 beim Spatenstich für das Feuerwehrhaus in Eibach. Als Bürgermeister griff er des Öfteren zum Spaten. © Hermann Weingartner

Engagement in Kirche und Vereinen

Aufrichtig und bescheiden – und immer den Menschen zugewandt, so kannte man den Altbürgermeister, der nur 77 Jahre alt wurde. Man sah ihn oft in der Stadt. Entweder beim Joggen oder auf diversen Festen. Stets grüßte er freundlich: Das Miteinander war seine Maxime. Sterr, in zahlreichen Vereinen tief verwurzelt, war ein begnadeter Redner. „Nie kürzer als eine Schulstunde“, betonte der ehemalige Lehrer mit einem Augenzwinkern nach den Veranstaltungen. Doch der gläubige Katholik hatte nicht nur warme Worte im Gepäck: er packte an, engagierte sich weit über seine Amtszeit hinaus in Kirche und Gesellschaft.

Josef Sterr machte Dorfen menschlich, aber auch politisch zu einem besseren Ort. Zunächst saß der CSU-Politiker im Stadtrat, sechs Jahre lang war er Vizebürgermeister und von 1996 bis 2008 erster Bürgermeister. Der ehemalige Rathauschef war niemand, der sich in den Mittelpunkt drängelte – aber jemand, der die Macht seines Amtes gut zu nutzen wusste. Sterr gestaltete und baute: die Kindergärten in Eibach und Schwindkirchen beispielsweise, oder die Grundschule am Mühlanger. Der Umbau und Neubau des Marienstifts ist ebenso sein Verdienst wie die Einführung der Schulsozialarbeit an der Hauptschule. Nicht zuletzt hat er die Aktion Ferienspaß ins Leben gerufen. Sein großes Engagement zum Wohle Dorfens wurde deshalb mit der Bürgermedaille der Stadt gewürdigt.

Menschenfreund und Kulturliebhaber

16 Jahre stand der ehemalige Realschul-Rektor an der Spitze des Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport der CSU. Auch als Kreisrat setzte er Akzente. Sein politischer Ansatz des Christsozialen war leidenschaftlich und loyal, für ihn waren alle Bürger wichtig, einer der Gründe, warum er sich nicht nur bei der Tafel engagierte, sondern auch im katholischen Pfarrgemeinderat.

Besonders gern ging Sterr in den Jakobmayer, für das Dorfener Kulturzentrum in seiner heutigen Form legte er als Stadtchef ebenfalls den Grundstein. Seinen letzten Abend verbrachte er in dem Jugendstil-Saal, an Silvester schaute er sich die Premiere von „Amadeus“ an. Kaum eine Aufführung der Opera Incognita verpasste der Schöngeist. Daneben war er ein profunder Kenner der Geschichte, initiierte die Gründung des Historischen Kreises. Sein Autokennzeichen erinnerte an die erste urkundliche Erwähnung Dorfens. „ED - DO 773“ – so verbunden zeigte sich der Lokalpatriot mit seinem Heimatort.

Darüber hinaus hatte er allerdings auch ein sehr profanes Hobby: Sterr war ein großer Eintracht-Frankfurt-Fan. Allein schon wegen des Namens stehe er hinter dem Verein. „Eintracht“, sagte er des Öfteren.

Optimist trotz Schicksalsschlägen

Schwere Schicksalsschläge hatte Sterr zu verkraften und doch blieb er ein Optimist. Seine Ehefrau Brigitte, mit der er mehr als 50 Jahre verheiratet war und die ihm stets zur Seite stand, „in guten wie in schlechten Zeiten“, liebte er sehr. Ebenso wie die Tochter und die beiden Enkel. Der Ältere sei ebenso begeistert von Geschichte, erzählte der Opa stolz, das jüngere Mädchen, mit dem er viel unternahm, sei fasziniert von Pferden.

An Weihnachten 1997 starb sein Sohn bei einem Autounfall. Fast täglich ging Sterr zu seinem Grab: „Das verwindet man nie – da bin ich ihm nahe“, sagte er immer. Bald ruht er neben ihm.