Der Brand zerstörte ihre Wohnung komplett. Die 59-Jährige fühlt sich ausgeliefert und hofft auf Hilfe von Lesern für einen Neuanfang auf dem Land.
Grüntegernbach - Vor fünf Tagen brannte in einem Mehrfamilienhaus in Grüntegernbach die Dachgeschosswohnung aus. Susanne Ohme, die hier gewohnt hat, verlor innerhalb weniger Minuten nicht nur ihr Zuhause, sondern auch die gesamte Einrichtung. Seither schläft sie bei Bekannten auf der Couch. Jetzt sucht die 59-jährige Altenpflegehelferin eine neue Bleibe. In ihrer Not hat sich die Frau an die Heimatzeitung gewendet: Über die Feiertage fand sie nämlich nirgends Hilfe: „Das ist wie in einem Albtraum – ich fühle mich vollkommen ausgeliefert.“
Gegen 0.50 Uhr am 29. Dezember wurden die Feuerwehren Grüntegernbach, Wasentegernbach und Dorfen sowie die Kreisbrandinspektion Erding, der Rettungsdienst mit Einsatzleiter Rettungsdienst und die Polizei Dorfen alarmiert. „Bei uns ging die Meldung B3 ein – das bedeutet, es ist nicht sicher, ob noch eine Person in der Wohnung ist“, sagte Stefan Beham auf Nachfrage. Dieses Großaufgebot sei ein standardisiertes Verfahren, erklärt der Kommandant der Feuerwehr Dorfen. „In solchen Fällen bündeln wir alle Ressourcen.“ Der Brand war schnell gelöscht, die Bewohner evakuiert. Verletzt wurde niemand. Diesmal ging es recht glimpflich ab: „Aber man weiß vorher nie, was einen erwartet, besser mehr Einsatzkräfte als zu wenig.“
Parallel dazu kam um 1 Uhr in der Früh der Schockanruf. Ohme hatte Nachtschicht. „Es brennt“, sagten ihre Vermieter am Telefon. „Erst dachte ich, das muss ein schlechter Scherz sein“, so die Pflegekraft, die allein auf Station war. „Ich musste erst meine Kollegen aus dem Bett klingeln, schließlich konnte ich die Bewohner nicht allein lassen.“
Als die Grüntegernbacherin eine Stunde später vor dem Haus stand, war der Spuk zwar schon vorbei, aber die Wohnung, in die sie gemeinsam mit ihrem Sohn (20) vor gut zwölf Jahren gezogen war, zum Trümmerfeld mutiert. In den Räumen ihr ganzes Hab und Gut. Wellensittich Krümel, dessen Käfig im Flur stand, kam dabei ums Leben kam. „Ein zahmer Vogel“, trauert sie um das Tier.
Die Brandursache ist ungeklärt, ob ein technischer Defekt dahintersteckt oder Fahrlässigkeit, das ermittelt nun die Kriminalpolizei, so die Information vom Polizeipräsidium Oberbayern. Das Feuer brach im Bad aus, der Sachschaden beträgt 50 000 Euro.
Schon einmal hat Ohme alles verloren: „Mein Mann starb 2011 völlig unerwartet, er hatte einen Herzinfarkt.“ Allein konnte sie das Haus in Thüringen nicht halten, das noch nicht abbezahlt war. „Wir mussten ausziehen, wollten einen Neustart“, erklärt sie. Deshalb auch der Ortswechsel. „Ich habe keine Verwandten mehr.“
Bei Obdachlosigkeit fällt die Zuständigkeit an die Kommune. Bürgermeister Heinz Grundner, erfuhr erst vom Erdinger/Dorfener Anzeiger von der Notsituation, in der sich die Bürgerin befindet, machte daraufhin aber sofort die Unterbringung zur Chefsache. „Wir können Frau Ohme in der Stadt eine Notunterkunft anbieten“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch will wird er sich gemeinsam mit Anita Feckl, Leiterin des Ordnungsamtes, mit der Familie in den nächsten Tagen zusammensetzen. „Wir haben die Nikolai-Stiftung, die Bedürftigen hilft, beispielsweise bei der Ausstattung eines neuen Hausstands.“
Soweit so gut. Obdachlosigkeit, das ist ein Begriff, mit dem sich die tapfere Frau nicht abfinden möchte: „Ich suche eine neue Wohnung, liebe das Leben auf dem Land – in der Stadt fühle ich mich nicht wohl“, hofft sie nun auf das Angebot eines Lesers.