Acht Herren und ein Damen-Po: Kurioser französischer Kuss-Brauch beim Boule-Spiel in Forstinning

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So sehen Verlierer aus. Gleich mal gab es für diese Jungs eine satte 13:0-Niederlage. Peter Stefan (2.v.r.) präsentiert die „Fanny“, deren Po bei solchen Gelegenheiten geküsst werden muss. © Jörg Domke

Jeden Mittwoch trifft sich eine Gruppe Senioren zum Boule-Spiel am Forstinninger Sportplatz. Unser Redakteur hat die Truppe besucht – und einiges über französische Bräuche gelernt.

Forstinning – So ein Mittwoch, selbst in den Ferien, kann für einen aktiven Senior in der Gemeinde Forstinning schon mal zu einem Stresstag werden. Im „Anno 55“ wird gerade gekartelt. Zeitgleich haben sich am Nachmittag der Peter, der Paul, Günther, Heiner, Erwin, Hans und Reinhard auf dem Bouleplatz im Sportzentrum zusammengefunden. So wie jeden Mittwoch, außer es regnet in Strömen. Nikolaus und Herbert fehlen an diesem sonnen überfluteten Nachmittag. Roland ist beim Schafkopfen.

Anfängerglück und deftige Klatsche: So laufen die Boule-Nachmittage am Sportplatz Forstinning

Die Herren kommen gleich zur Sache. Zwei Teams sind schnell gefunden. Die Redaktion macht mit. Vier Mannsbilder gegen vier Mannsbilder. Die Kugeln fliegen so, wie man es in Frankreich an jeder Straßenecke kennt. Auch die Diskussionen unterscheiden sich von denen auf französischen Bouleplätzen kaum.

Einen besonders guten Tag scheint Reinhard erwischt zu haben. Er ist erst zum dritten Male dabei. Sozusagen mit 67 Lebensjahren das Küken. Er entpuppt sich im Verlauf der Matches als die spielentscheidende Komponente. Anfängerglück? „Das alles hier macht richtig Spaß“, erzählt er zwischendurch. Kein Wunder, wenn man auf der Siegerstraße stolzieren kann.

Glück und Unglück liegen nah beieinander

Der absolute Profi ist Peter. Der, der schon einem Klub in München vorstand. Der, der das Regelwerk genau kennt und viele Geschichten rund um den französischen Nationalsport. Er ist auch der, der einen Meterstab in der Hosentasche mit sich führt. Dass der im Verlauf der nächsten zwei Stunden mehrfach gebraucht werden wird, ist normal.

Sie haben jeden Mittwoch bei gutem Wetter ihren Spaß beim Boulespiel auf der gemeindlichen Anlage in der Straßhamer Straße.
Sie haben jeden Mittwoch bei gutem Wetter ihren Spaß beim Boulespiel auf der gemeindlichen Anlage in der Straßhamer Straße. © Jörg Domke

Von Spannung im sportlichen Sinne kann hier und heute keine Rede sein. Die erste Partie entpuppt sich als extrem einseitig. Schnell steht es 13:0. Die Höchststrafe im Boule. Eine alte Legende ist dazu überliefert, erzählt Peter. In Südfrankreich soll ein Bürgermeister einmal eine solche Niederlage erlitten haben, dass er zur „Belohnung“ – nein es war dann wohl eher Trost – den nackten Po einer Kellnerin Namen Fanny zweimal habe küssen dürfen.

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„Loserteam“ muss Holzfigur Fanny küssen

Fanny ist, logisch, auch mit dabei in Forstinning; und zwar in Gestalt einer kleinen Holzfigur (oder war es doch aus Plastik), die im Wesentlichen aus dem unbedeckten Gesäßteil einer Frau besteht. Das „Loserteam“ kommt nicht drumherum, gemäß der Überlieferung zu reagieren. „So etwas haben wir schon seit langer Zeit nicht mehr erlebt“, sagt Peter, der wie der EZ-Reporter dem unterlegenen Team angehört.

Die Altherrentruppe gibt es seit gut sechs Jahren. Von der Urbesetzung ist nur noch Günther dabei. Inzwischen, erzählt der 78-Jährige, habe er schon mal Hüftprobleme. Bewegung aber tue ihm gut. Und so lässt er es sich auch nicht nehmen, mittwochs mit den Freunden auf der Anlage zu stehen, die einst die Gemeinde errichtete. „Lauter nette Leute hier“, sagt er.

Mach mit: Großes Boulefest wieder am 4. Juli

Längst gibt es auch eine Damentruppe, die sich immer donnerstags trifft. Und auch der Verein „Mach mit“ nutzt die Anlage in der Straßhamer Straße gerne mal. Am Freitag, 4. Juli, gibt es wieder ein großes Boulefest. Maßgeblich beteiligt gut ein Dutzend Franzosen, die teils schon sehr lange in Forstinning leben. Dann wird im Vorfeld wieder gekocht und gebacken. Typisch französisch halt. Es gibt französischen Wein. Peter besorgt den Pastis, Bruno macht eine Suppe für alle. Und die Boulekugeln fliegen natürlich auch wieder.

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