Silvester-Horror in der Schweiz: Barkeeper spricht über Notausgang – „War immer versperrt“

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Silvester-Horror in der Schweiz: Stammgast spricht über Notausgang – „War immer versperrt“

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Feuer-Tragödie in der Schweiz: Champagner-Wunderkerzen lösten an Silvester Brand aus – 40 Menschen starben, es gibt mehr als hundert Verletzte. Jetzt meldet sich ein Stammgast.

Crans-Montana – Die Silvester-Nacht im Schweizer Nobel-Skiort Crans-Montana wurde zum Albtraum: In der beliebten Bar „Le Constellation“ brach am 1. Januar gegen 1:30 Uhr ein verheerendes Feuer aus, das 40 Menschen das Leben kostete und 119 weitere verletzte. Jetzt steht fest: Champagner-Wunderkerzen setzten die Decke wohl in Brand.

Tote bei Silvesterparty in Crans-Montana
In Crans-Montana kostete ein Silvester-Feuer 40 Menschen das Leben. Champagner-Wunderkerzen entzündeten wohl die Decke der Schweizer Bar. © Antonio Calanni/dpa

Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud bestätigte am Freitag (2. Januar) die Brandursache: „Alles deutet darauf hin, dass das Feuer ausgegangen ist von Tischfeuerwerken, von Sprühfontänen, die auf Champagnerflaschen aufgesetzt wurden und zu nah an die Decke gekommen sind“, zitiert sie die französische Presseagentur AFP. Fotos zeigen eine Person mit Guy-Fawkes-Maske, auf deren Schultern eine Frau mit schwarzem Helm saß, die Champagnerflaschen mit Pyrotechnik hielt. Um 1:26 Uhr kam sie der brennbaren Schaumstoff-Deckenverkleidung gefährlich nahe.

Silvester-Inferno in Crans-Montana: Champagner-Wunderkerzen lösten tödliches Feuer aus

Die Bar „Le Constellation“ galt als Party-Hotspot für bis zu 300 Gäste. Besonders junge Menschen und Touristen feierten regelmäßig in dem Lokal mit Shisha-Bereich und 14 Bildschirmen. Doch die Sicherheitsstandards werfen Fragen auf: Facebook-Fotos des Betreibers zeigen laut dem Schweizer Nachrichtenportal blick.ch, wie er 2015 beim Umbau selbst Schaumstoffpaneele an der Decke montierte. Besonders dramatisch: Die enge Treppe vom Untergeschoss ins Erdgeschoss wurde für viele Opfer zum Verhängnis. Dort entstand ein tödliches Gedränge, als die Menschen aus dem brennenden Raum flüchten wollten. Augenzeugen beschreiben die erschütternden Momente, als das Feuer-Inferno ausbrach.

Die Behörden behaupten, es habe mehrere Notausgänge gegeben, während Augenzeugen und Medienberichte von nur einer Treppe sprechen, die zur Todesfalle wurde. Diese Widersprüche sind Teil der laufenden Ermittlungen. Der Bild-Zeitung sagte ein Stammgast der Bar, der zudem Barkeeper in Crans-Montana ist: „Es gab einen Eingang, der zugleich auch Ausgang war. Und dann gab es noch einen Notausgang. Aber wenn ich dort zu Gast war, war der immer versperrt. Alle im Ort wussten, das läuft irgendwann schief.“

Der Notausgang sei zudem nicht einfach zu finden gewesen und habe sich in einem Raum befunden, der als Abstellkammer benutzt worden und dementsprechend zugestellt gewesen sei. „Innen vor der Tür stand ein Sofa, außen lagen achtlos hingeworfene Gegenstände“, erklärte der Stammgast. So sei der Ausgang blockiert gewesen und den Gästen sei der Weg über die enge Treppe als einziger Ausgang geblieben.

Ermittler bestätigen Brandursache – Betreiber schweigt zu Sicherheitsmängeln

Die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti, die mehrere Lokale in der Region besitzen, zeigten sich erschüttert. Jacques Moretti sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“. Auffällig: Wie mehrere Medien berichten, wurden bereits am frühen Morgen nach der Katastrophe die Facebook- und Instagram-Seiten der Bar gelöscht.

Von den 119 Verletzten konnten inzwischen einige identifiziert werden – darunter Schweizer, Franzosen, Italiener und Serben. 50 Schwerstverletzte werden bis Sonntag in spezialisierte ausländische Spitäler verlegt, da die Schweizer Kapazitäten für Brandopfer nicht ausreichen. (Quellen: bild.de, blick.ch, dpa, AFP) (kiba)

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