Kurze Gespräche, heruntergespielte Sorgen: Viele Menschen kennen das Gefühl, beim Arzttermin nicht ernst genommen zu werden. Diese Strategien könnten helfen.
Tage oder Wochen mit Beschwerden verbracht oder sogar monatelang auf einen freien Platz gewartet, dann folgt ein Termin, der nur wenige Minuten dauert. Die Untersuchung bleibt oberflächlich, Sorgen werden mit Standardfloskeln abgetan. Dabei wünscht man sich vor allem eines: verstanden und ernst genommen zu werden. Fachleute nennen das „Medical Gaslighting“, sich von Medizinern nicht ernst genommen zu fühlen. Das können Sie dagegen tun.
Meist ist man als Betroffene oder Betroffener perplex. Insbesondere Frauen sind davon betroffen. Bei gleichen Beschwerden warten Frauen im Vergleich zu Männern offenbar länger auf eine richtige Diagnose und ihre Symptome werden schneller abgetan und ignoriert, so Studien wie diese. Es gibt aber auch konkrete Strategien, die in der Praxis helfen können, sich souverän durchzusetzen und die Qualität des Arztgesprächs deutlich zu verbessern. Sie basieren auf klarer Kommunikation, strukturierter Vorbereitung und selbstbewusstem Auftreten.
Arztgespräch verbessern, Medical Gaslighting verhindern: Vorbereitung für Patienten
Die Methoden lassen sich sofort umsetzen und verändern die Dynamik im Behandlungszimmer spürbar. Die erste Strategie setzt auf gründliche Vorbereitung: Notieren Sie vor dem Termin, welche Beschwerden seit wann bestehen, wie stark sie auf einer Skala von eins bis zehn sind und was bisher geholfen hat. Schreiben Sie auch Ihre wichtigsten Fragen auf. Diese Struktur verhindert, dass Sie im Gespräch wichtige Punkte vergessen. Je präziser Sie formulieren, desto schwerer fällt es, Ihre Anliegen zu übergehen. Nutzen Sie zudem die ersten Sekunden des Termins bewusst und sagen Sie klar, was Ihnen wichtig ist.
Ein zweiter Ansatz betrifft die Wortwahl: Verzichten Sie auf relativierende Formulierungen wie „Vielleicht bilde ich es mir ein“ und drücken Sie Ihre Sorgen direkt aus. Drittens: Fragen Sie wertschätzend, aber bestimmt nach, wenn Standardantworten wie „Das ist normal in Ihrem Alter“ kommen. Weitere Strategie: Bitten Sie konkret um Untersuchungen statt um Meinungen. Letzter Tipp: Eine Begleitperson kann zusätzlich Sicherheit geben, da viele Ärztinnen und Ärzte in Anwesenheit Dritter automatisch achtsamer formulieren. Übrigens machte Justin Timberlake vor wenigen Monaten seine Borreliose-Erkrankung öffentlich – auch diese Stars leiden an der Krankheit.
Sollten Sie sich langfristig nicht ernst genommen fühlen, ist ein Praxiswechsel eine legitime Option. Gesundheitsversorgung ist Vertrauenssache. Achten Sie darauf, ob man sich Zeit für Sie nimmt, Ihre Fragen respektiert und Sie sich gut aufgehoben fühlen. Gerade Frauen, die sich um Familie und Haushalt kümmern, stellen eigene Bedürfnisse oft zurück. Ernst genommen zu werden, ist jedoch kein Luxus, sondern ein Recht, das Sie mit klarer Kommunikation einfordern dürfen. Mit diesen Strategien können Sie Ihre soziale Batterie wieder aufladen.