Es können sich sicherlich nicht mehr alle Einheimischen daran erinnern. Was der ein oder andere zwar noch wissen könnte ist, dass es bis in die 90er Jahre einen Skilift in Wallgau gab, aber dass die „Schanz“ auch eine Sportliche Stütze für den Skiclub Wallgau war, das wissen die wenigsten. Hier wurden sogar Skisprung-Wettkämpfe abgehalten.
Wallgau ( Lkr. Garmisch-Partenkirchen) - Elli Anzenberger lacht. Sie weiß es noch wie heute. Es gab dort einen aus Holz bestehenden Sprungturm und sie war für die Verköstigung der Funktionäre zuständig. „Ich brachte ihnen mehrmals eine ganze Thermoskanne mit Tee und Rum. Und sie freuten sich jedesmal, wenn sie etwas Warmes bekamen“, erinnert Elli sich zurück.
Geschichten und Anekdoten
Als sie ein weiteres Mal ihren heißen Tee aufwartete, freuten sich die Funktionäre so sehr, dass sie gleich den ganzen Wettkampf für einen Augenblick vergasen. Bis einer der Funktionäre erschrocken meinte „Jetzt ist einer gesprungen und wir habens nicht gesehen.“ „Da wurde dann einfach geschaut, wer das war und was man dem denn ungefähr für eine Punktzahl geben könnte.“ Wieder lacht sie.
Zum 75. Jubiläum des Skiclub Wallgaus, welches dieses Jahr am 25. Oktober groß gefeiert wird, hat man einige Programmpunkte über das Jahr verteilt, um sich auf das Jubiläum gebührend vorzubereiten. So haben sich im Sommer die Altvorstände des Wallgauer Skiclubs zu einem netten Hoagart bei der Moarwirtin eingefunden, um in der Erinnerungsschatzkiste zu graben.
Hans Anzenberger (Vorstand von 1961 - 1964) mit Ehefrau Elli, Franz Winterholler (von 1982 – 1985), Georg Jennewein (von 1994 – 2003), Josef Feuerecker (von 2003 – 2009), Karl Schandl (von 2009 – 2015) sowie amtierender Vorstand Christian Wilde (seit 2024) hatten einiges zu erzählen. So schließt sich Hans Anzenberger gleich mit der nächsten Anekdote seiner Frau an.
Mitte der 60er Jahre, als er Vorstand war, ging es an einem Sonntag bei gutem Wetter nach Partenkirchen zum Skistadion um gegen den SC Partenkirchen ein Freundschafts-Fußballspiel auszutragen.
Sieg mit Lederhose
„Ja, und wies bei uns so der Brauch war, sind wir da im Sonntagsgwand angekommen. De kurze Lederhose und a weiße Pfoad,“ erzählt Anzenberger. Der damalige Partenkirchener Skiclubvorstand meinte nur etwas abschätzig, dass sie doch eigentlich gegen einen Skiclub und nicht gegen einen Trachtenverein antreten sollen. „Und dann haben wir 4:0 gewonnen. Mei, haben wir uns gefreut.“
Was der damalige Partenkirchner Vorstand nicht wusste: Unter der Mannschft befand sich das Wallgauer Skiclub Mitglied Hans Sprenger der damals aktiv bei TUS Berlin spielte. „Einmal, bei der Clubmeisterschaft am Eibler (Unter der Schöttlkarspitze), fuhren wir mit den Mopeds zuerst soweit rauf wie es ging. dann zu Fuß weiter. Beim Raufgehen mussten wir erst einmal den Hang von den Daxn befreien ,um dann einen Lauf stecken zu können.“
Damals war Georg Jennewein Vorstand. An solche Clubmeisterschaften erinnert man sich doch gerne zurück.
Kreative Lösung
Josef Feuerecker passierte während seiner Amtsszeit als Vorstand ein kleiner Fauxpas in Sachen Clubmeisterschaft.
„Ich legte diese auf einen Sonntag und all unsere Kinder haben vom damaligen Pfarrer Mieczyslaw Studzienny geschimpft bekommen, weil sie nicht in die Kirche gehen konnten.“ So hat Feuerecker kurzerhand Herrn Studzienny eingeladen zur Rosshütte zur Clubmeisterschaft zu kommen. „Wir feierten eine kurze Andacht am Murmelebau. Herr Studzienny meldete sich beim Skiclub an und fuhr bei der Clubmeisterschaft mit und wir brachten 103 Starter am Kaltwasserlift zu unserer Clubmeisterschaft zusammen.“
Ein Verein der verbindet
Unzählige Geschichten, manche erzählt, als ob sie gestern waren, andere mussten erst wieder hervorgegraben werden.
Für Karl Schandl war das absolute Vorstandshighlight die Empfänge und die Verabschiedung von Wallgaus Ehrenbürgerin, Olympiameisterin, Skiclub Eigengewächs, und Biathlon-Legende Magdalena Holzer (geb. Neuner). „Das war einfach gigantisch!“, so Karl Schandl, immer noch nach gut 13 Jahren mit einem Leuchten in den Augen. Ein Verein, welcher alle Generationen umfasst. Doch wie sich die junge Generation auf das kommende Jubiläum vorbereitet, zeigt sich in den nächsten Wochen.
Gemeinsam erinnern
Fest verwurzelt, zielstrebig und auch zukunftsorientiert ist der Skiclub Wallgau mit 763 Mitgliedern bei einer Einwohnerzahl von knapp 1500 der stärkste Verein in der Ortsgeschichte Wallgau. Elli Anzenberger meint „Da ist doch alles gesagt.“
Aufruf: Für die Ausstellung „75 Jahre Skiclub Wallgau“ im Haus des Gastes in Wallgau (Galerie) werden noch alte Fotos, Utensilien und dergleichen gesucht. Wer etwas in seinem Fundus hat und diese gerne präsentieren möchte darf sich bei Vorstand Christian Wilde oder Robert Holzer melden.
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