Ein „todkranker Patient": Die Tage der Sporthalle sind gezählt

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War zuletzt Übungsobjekt für die Feuerwehren: Die Turnhalle an der Ickinger Grundschule. © Sabine Hermsdorf-hiss

Die Ickinger Turnhalle an der Grundschule wird bis März abgerissen. Danach entsteht eine neue Zweifachturnhalle. Sie soll 8,6 Millionen Euro kosten.

Der Bauzaun steht, die Bagger lauern in Warteposition – die Tage der Ickinger Turnhalle an der Grundschule sind gezählt. Im Mai 2024 hatte sich der Gemeinderat für einen Abriss und Neubau ausgesprochen. Architekt Alexander Pfletscher hatte sich das alte Bauwerk angeschaut – und ein eindeutiges Urteil gefällt: „Es lohnt sich nicht, die Turnhalle zu ertüchtigen.“ Die Sporthalle von 1975 sei „ein todkranker Patient, den es sich nicht zu pflegen lohne“. Nachhaltiger sei ein Neubau. Wie der aussehen soll, hat die Gemeinde schon festgelegt.

Großübung der Ickinger Feuerwehren

Ehe die alte Turnhalle dem Boden gleichgemacht wird, durften die Feuerwehren Dorfen und Icking darin üben. Simuliert wurde ein Brand, mehrere Kinder wurden vermisst. „Bevor wir das Gebäude verraucht haben, haben wir in der Halle Turngeräte als Hindernisse aufgestellt“, berichtet der Ickinger Kommandant Johannes Hirt. Als Statisten dienten Familienmitglieder und Freunde. „Eine, Claudia Eimer, übernahm den Part einer Mutter, die sich panisch um ihr Kind sorgte.“ So sollte zusätzlicher Druck auf die Mannschaft aufgebaut werden, eine Situation, wie sie im Ernstfall durchaus vorkommt. „Und sie war richtig gut.“

Geplant ist eine Zweifachturnhalle. In ihrem Untergeschoss sollen ein Konditions- und ein Geräteraum sowie eine Fläche für die Technik ihren Platz finden. Im Erdgeschoss sind die Umkleiden und die beiden Hallenteile, ferner soll auch die Bibliothek von neuen Räumen profitieren können. Die Kosten wurden damals auf 8,6 Millionen Euro beziffert, von denen der Landkreis rund vier Millionen übernimmt. Das Gymnasium, das sich praktisch gegenüber befindet, soll die Turnhalle mitnutzen können.

Gymnasiumshalle als Übergangslösung

Diese Zusammenarbeit wird bereits geprobt: „Während der Bauphase dürfen wir mit den dritten und vierten Klassen in die Gymnasiumshalle“, erklärt Schulleiterin Barbara Küst. Auch die Grundschulaula werde quasi als „Ausweichhalle“ genutzt. „Und im Sommer geht’s raus auf den Platz.“

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Die Schulleiterin verspürt aber doch ein bisschen Wehmut. „Es ist wie bei einem alten Auto, das man hergibt. Es hängen viele Erinnerungen dran.“ Sie selbst lehrt seit 25 Jahren an der Schule, hatte die Turnhalle fast täglich vor Augen, brachte den eigenen Nachwuchs zum Kinderturnen hierher. Bei der Abrissparty vergangenes Wochenende ging es einigen Besuchern so. „Eine Frau hat erzählt, dass sie damals bei der Einweihung Flöte gespielt hat.“ Um bei dem Bild des Autos zu bleiben: Ist erst einmal das neue Modell da, wird die Freude überwiegen. „Es war notwendig, und mit einer so tollen Doppelturnhalle kann es ja nur schöner werden.“

Ein Zeitplan liegt bereits vor

Bürgermeisterin Verena Reithmann kann schon einen ersten Zeitplan vorliegen. „Die Baustelle ist eingerichtet, der Abriss wird voraussichtlich bis Anfang März dauern.“ Das Gesamtvolumen der Abrisskosten schätzt Reithmann auf etwa 400 000 Euro. Der Unterricht soll nicht gestört werden. „Sehr laute Arbeiten werden mit der Schulleitung koordiniert“, so die Rathauschefin. „Jedoch ist ein großer Vorteil, dass sich alle Klassenzimmer auf der Ostseite des Gebäudes, also abgewandt und relativ weit weg von der Baustelle, befinden.“ Gut ein Jahr soll es dauern, bis die neue Halle in Betrieb genommen wird.

sh