Silvesterfeuerwerk bedeutet für viele Vierbeiner enormen Stress. Daniela Golanski vom Tierschutzverein Ebersberg erklärt, wie Besitzer ihre Tiere vor der ungewohnten Knallerei schützen können.
Ebersberg – Ein Ruheplatz im fensterlosen Badezimmer mit einschläferndem Grundrauschen von der laufenden Lüftung und Musik aus dem Radio: An diesem Rückzugsort durchlebte der Familienhund von Daniela Golanski aus Ebersberg früher seine Silvesterabende. „Den großen Spaziergang gab es dann immer früher als sonst, noch bevor die ersten Knaller losgingen“, erzählt sie.
Heute kümmert sich die examinierte Tierpflegerin nicht mehr nur um ein Haustier, sondern um eine ganze Bude voll. Sie leitet für den Tierschutzverein Ebersberg die Fundtierauffangstation im Ebersberger Tierheim und weiß, dass die letzte Nacht im Jahr für ihre Schützlinge eine große Portion Stress bedeutet.
Laute Knaller versetzen viele Tiere in Panik: Verbände fordern Böllerverbot
„Tiere haben ein ganz anderes Gehör als wir, viel sensibler. Sie empfinden die Knallerei als deutlich lauter – und verstehen nicht, warum es plötzlich knallt, das verunsichert sie natürlich“, erklärt sie. Selbstverständlich bedeute der plötzliche Krach nicht nur für Haustiere, sondern auch für Wildtiere großen Stress. Hasen, Rehe, Füchse oder Vögel geraten leicht in Panik, weil sie den Lärm nicht einordnen können.
Tiere verstehen nicht, warum es plötzlich knallt, das verunsichert sie natürlich.
Viele Verbände fordern deshalb seit Jahren Einschränkungen für Feuerwerk. „Ein generelles Böllerverbot wäre der Wunsch von so ziemlich jedem Tierschutzverein“, sagt Golanski. Zum kommenden Jahreswechsel 2025/2026 wird es in München erstmals per Allgemeinverfügung eine Feuerwerkssperre rund um den Tierpark Hellabrunn geben. Ein Verbot in der Nähe von Tierheimen, wie von Tierschützern ebenfalls regelmäßig eingefordert, wurde jedoch mit Verweis auf rechtliche Gründe bereits mehrfach abgelehnt.
In dieser Hinsicht haben die Ebersberger Glück: „Unser Tierheim liegt am Rand des Gewerbegebiets. Hier wird praktisch nicht geschossen“, erklärt Golanski. Doch das ändere freilich nichts daran, dass die Nacht für viele Tiere im Landkreis die schwierigste des Jahres bleibt.
Schreckhaftigkeit hängt vom Tier ab
Wie bei allen anderen Dingen seien auch in Sachen Schreckhaftigkeit die Unterschiede zwischen einzelnen Vierbeinern sehr groß, sagt Golanski. Die Lärmtoleranz sei auch ein gutes Stück Erziehungs- und Trainingssache. „Manche Hunde zum Beispiel werden zur Jagd ausgebildet, die sind absolut schussfest. Andere reagieren sogar nervös, wenn ein Gewitter noch 100 Kilometer weit weg ist“, sagt die 49-Jährige.
Die größte Gefahr besteht unterwegs. Erschrickt ein Hund, kann er sich losreißen und orientierungslos weglaufen. Dann könne es zu Unfällen kommen. Deshalb sollte man rund um Silvester immer mit Leine spazieren gehen, rät die Expertin. Auch schon Tage vor dem Jahreswechsel, wenn die ersten Knaller durch die Straßen hallen. Grundsätzlich sei wichtig: Angst überträgt sich. Wer ruhig bleibt, hilft seinem Tier am meisten. „Dann ist die Chance am größten, dass auch der Hund nicht ausflippt. Schlecht ist es, wenn man auf einem Spaziergang selbst erschrickt oder schimpft – dann ist das Tier erst recht verängstigt.“
Zur Auslastung: Große Runde mit Hunden drehen – und anschließend Stress mildern
Den Silvesterabend selbst sollten Hundehalter frühzeitig planen. Viele Knaller und Raketen zischen schon weit vor Mitternacht in den Himmel. „Im Idealfall sollte man möglichst früh eine große Runde am Silvesterabend drehen, und nach 22 Uhr gar nicht mehr raus.“ Am besten suche man sich dafür eine ruhige Strecke – etwa im Wald oder andernorts, wo kaum jemand böllert. Der lange Spaziergang hat einen Vorteil: Ein ausgelasteter Hund döst später entspannter.
Auch zu Hause lässt sich etwas machen, um den Stress abzumildern, weiß Golanski. Angefangen bei Leckerlis mit beruhigender Wirkung und Düften, die Wohlbefinden fördern sollen, bis hin zu einem sogenannten braunen Rauschen – ein tieffrequentes Hintergrundgeräusch, das die Knalle von draußen akustisch entschärft. Wichtig ist, dass Hilfen früh getestet werden: Nicht jedes Tier spricht gleich gut darauf an.