Die geplante Kiesgrube zwischen Egmating und Oberpframmern stößt weiter auf massiven Widerstand. Doch der Unternehmer könnte privilegiert sein und ohne Zustimmung bauen.
Egmating/Oberpframmern - Die geplante Kiesgrube zwischen Egmating und Oberpframmern hat in der Gegend nicht viele Freunde. Das hat sich auch in den zwei Jahren nicht geändert, die in dem Genehmigungsverfahren mittlerweile ins Land gegangen sind. In seiner letzten Sitzung für 2025 ließ der Gemeinderat wieder einmal einen Vorbescheidsantrag des Oberpframmerner Unternehmers durchfallen. Bürgermeisterin Inge Heiler (ABE) sagt über die eindeutig ausgefallene Entscheidung: „Für uns ist die Lage einfach nicht optimal.“ Die prekäre Lage in der Kurve direkt an der Straße, die Anwohner in der Nähe, aber besonders die Nähe zum Wasserschutzgebiet und dem Oberpframmerner Trinkwasserbrunnen: „Das sehen wir kritisch“, sagt Heiler.
Zumal der bisherige Antrag mitsamt hydrologischem Gutachten laut der Bürgermeisterin eine theoretische Grabungstiefe von bis zu 20 Metern hergäbe. Zufahrt und Verfüllung: „Alles ein bisschen vage“, sagt sie über die bisher vorliegenden Unterlagen. Was aber das Landratsamt habe durchscheinen lassen: Als ortsgebundener Tiefbauunternehmer dürfte der Antragssteller und potenzielle Pächter der zurzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche privilegiert sein, also ohne das Einverständnis der Gemeinde auskommen. Und das Vorhaben liegt eben, wenn auch knapp, nicht im Wasserschutzgebiet. „Da sehen wir keine Handhabe“, sagt Heiler. „Wir müssen die Faktenlage anerkennen.“ Ob man gegen einen etwaigen Genehmigungsbescheid des Landratsamtes juristisch vorgehe, müsse der Gemeinderat entscheiden, falls es so weit komme.
Für uns ist die Lage einfach nicht optimal.
Die übergeordnete Kreisbehörde verweist darauf, dass über Privilegierung immer im Einzelfall entschieden werde. Derzeit prüfe man noch. „Der Schutz von Mensch, Umwelt und Trinkwasser steht dabei stets im Vordergrund“, so die Pressestelle, die gleichzeitig betont, das Vorhaben stehe immer noch in einem sehr frühen Stadium eines komplexen Genehmigungsverfahrens. Auch der Widerstand vor Ort sei bekannt und werde ernst genommen. Er ersetze zwar keine gesetzlichen Prüfkriterien, könne jedoch „wichtige Hinweise für wie weitere Bewertung“ mit Blick auf das öffentliche Interesse liefern. „Die entsprechende Bürgerinitiative hat sich bislang jedoch noch nicht mit einer konkreten Stellungnahme oder Eingabe zu diesem Vorhaben an das Landratsamt gewandt.“
Online-Petition sammelt fast 900 Unterschriften
Gemeint ist damit vor allem die Anliegerfamilie Niedermaier aus Oberpframmern, die mit einer Online-Petition fast 900 Unterschriften gegen die geplante Kiesgrube geplant hat. „Uns geht es um die Allgemeinheit“, so Ludwig Niedermaier (66), der nach eigenem Bekunden seit über 45 Jahren Waldumbau auf einem Forstgrundstück im Norden des Vorhabens betreibt. Er sorge sich um seinen Baumbestand, aber vor allem ums Trinkwasser. Denn das Schutzgebiet ist nicht weit weg, im Osten, Süden und Westen.
Und dann geht da noch die Sorge in den beiden Orten um, dass es bei den bislang geplanten Dimensionen nicht bleiben wird, ein Erweiterungspotenzial schon mitgedacht sein könnte. Nicht ganz unbegründet, wie die EZ-Redaktion im Telefonat mit einer Grundbesitzerin erfährt. Sie will namentlich nicht genannt werden möchte, sagt aber über ihre Fläche ganz in der Nähe: „Wenn der Bedarf da ist, warum nicht? Alle brauchen sie Kies, aber keiner will ihn vor der Haustür.“ Ihr sei es wichtig, ein mögliches Projekt „im guten Einvernehmen“ zu machen. Aber irgendwann müsse die Gemeinde schließlich auch mal zustimmen. Das Landratsamt betont auf Anfrage, dass eine spätere Erweiterung „keineswegs automatisch möglich“ sei, sondern ein eigenständiges Genehmigungsverfahren erfordere.
Der Unternehmer selbst, der der EZ 2023 gesagt hatte: „Wir wollen eine total saubere Kiesgrube betreiben, die für alle tragbar ist“, wollte sich dieses Mal auf Anfrage nicht weiter zum Verfahren und der Auseinandersetzung im Ort äußern. Er halte an dem Vorhaben fest.