Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Energiewende. Wie sie im Kleinen funktioniert, zeigt das Beispiel von Katrin Burger und Markus Adelwart in Sindelsdorf. Gasthof, Apartment-Hotel und Wohnhaus sind bei der Heizung komplett und beim Strom zu 70 Prozent energieautark. Heuer sollen es 100 Prozent beim Strom werden. Und es gibt weitere Pläne.
Schritt für Schritt machen sich Katrin Burger und ihr Ehemann Markus Adelwart mit ihrem Gasthof zur Post, dem neuen Apartment-Hotel und dem Wohnhaus in Sindelsdorf unabhängig von fossiler Energie. Der Antrieb sei vorrangig die wirtschaftliche Seite, sagt Markus Adelwart. Sie wollen die Energiekosten stabil und kalkulierbar halten, was bei Öl und Gas kaum der Fall sein wird. Um die 300 000 Euro hat die Familie bislang investiert. Wann sich dies amortisiert, sei schwer einzuschätzen. Adelwart vermutet aber, dass es weniger als zehn Jahre sein werden.
Eine Hackschnitzelheizung hat das Ehepaar schon länger. Die Entscheidung, noch stärker auf erneuerbare Energien zu setzen, kam beim Bau des Apartment-Hotels, das vor einem Jahr fertig wurde. Für Konzept und Umsetzung engagierte es das Ingenieurbüro Eneryion aus Eichenau bei Fürstenfeldbruck. Bei der Wärme sind Gaststätte, Apartment-Hotel und Wohnhaus laut Adelwart durch die Hackschnitzelheizung zu 100 Prozent energieautark. Das heißt, das Ehepaar produziert die nötige Energie selbst, ist also unabhängig von externer Energielieferung. Beim Strom ist dies momentan zu 70 Prozent der Fall. Kommt die geplante Kraft-Wärme-Kopplung hinzu, sind es auch hier 100 Prozent. Womöglich gibt es sogar einen Überschuss.
Das individuelle Konzept, das Eneryion erstellt hat, fußt auf mehreren Säulen. Dazu gehört eine fast 250 Quadratmeter große Photovoltaikanlage auf dem Werkstattdach neben dem Apartment-Hotel. Sie hat laut Eneryion-Geschäftsführer Karl Kolbeck eine Leistung von 48 Kilowattpeak. Die Anlage speist auch sechs E-Ladestationen in der Tiefgarage. In der Werkstatt steht ein Stromspeicher, eine große Batterie, mit 200 Kilowattstunden Energieinhalt. Er könne, so Adelwart, rechnerisch 20 Einfamilienhäuser einen Tag lang versorgen. Die Photovoltaikanlage könne ihn innerhalb eines Tages aufladen.
2026 soll eine Anlage für Kraft-Wärme-Kopplung hinzukommen, die laut Kolbeck auch den Batteriespeicher aufladen kann, wenn dies über die Photovoltaikanlage nicht möglich ist. Vorgesehen ist sie mit 35 Kilowatt elektrischer Leistung beziehungsweise 120 Kilowatt thermischer Leistung. Der große Vorteil für das Ehepaar: Es kann die Anlage für Kraft-Wärme-Kopplung und die Hackschnitzelheizung, die parallel bestehen bleibt, mit Holz aus dem eigenen Wald betreiben.
„Wir sind dann reine Selbstversorger“, sagt Markus Adelwart. Momentan müsse man von März bis September eigentlich keinen Strom aus dem Netz beziehen. Bei einem Wolkentag hilft der Batteriespeicher. Mit der Kraft-Wärme-Kopplung könne man dann auch für Oktober bis März auf Strom aus dem Netz verzichten.
Agri-PV soll zusätzlich Strom liefern
Markus Adelwart hat noch eine weitere Idee: eine Agri-Photovoltaik-Anlage auf landwirtschaftlichen Flächen, die die Familie verpachtet hat. Bei Agri-PV sind die Solarmodule so aufgeständert, dass die Flächen für die Landwirtschaft nicht verloren gehen. Das ist ihm wichtig. Geplant wäre die Anlage bis maximal 2,5 Hektar. Auch ein Batteriespeicher soll dazugehören. Für privilegierte hofnahe Anlagen in der Größe gibt es laut Eneryion-Chef Kolbeck vereinfachte Bauverfahren.
Die Zukunft müsse in einer kleinteiligen, dezentralen Struktur mit einem Mix bei der Stromerzeugung liegen, sagt Adelwart. Dies habe den Vorteil, dass die Wertschöpfung am Ort bleibt. Und, fügt er an, es bräuchte keine bundesweiten Stromtrassen.