Das Sebastianskircherl in Partenkirchen wird saniert. Ruß, Staub und schlechte Elektrik lassen den Verantwortlichen keine andere Wahl. Im September beginnen die Arbeiten.
Sie ist zweifelsohne eines der Wahrzeichen Partenkirchens, zierte bis zur Vereinigung der beiden Gemeinden im Jahre 1935 sogar das Wappen des eigenständigen Marktes Partenkirchen: die Kapelle St. Sebastian am Nord-Ende der Historischen Ludwigstraße. 1637 erbaut, ist sie „das älteste kirchliche Bauwerk auf dem Gebiet der Pfarrei Partenkirchen“, betont Pfarrer Andreas Lackermeier stolz. Mit diesem Alter von fast 400 Jahren geht aber auch einher, dass man sich gut kümmern muss um die einstige Pestkapelle an der Münchener Straße.
Schlechter Zustand im Innenraum
„Der Zustand des Innenraums und der Gegenstände ist nicht mehr gut“, versicherte Lackermeier im Hauptausschuss der Gemeinde. „Da gehen viele Leute rein, Touristen wie Einheimische. Das muss jetzt gemacht werden.“ Und bei der Renovierung sitzt der Markt mit im Boot. Das geht auf eine Vereinbarung aus dem Jahre 1937 zurück. Rund 76 000 Euro muss die Kommune beisteuern. Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) nannte die Beteiligung eine „ehrenhafte Verpflichtung“. Und niemand im Gremium zweifelte dies an. Einstimmig ging der Beschluss am Ende durch, diesen Beitrag zur Erhaltung des Sebstianskircherls zu leisten.
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„Ich denke, wir können Hochwürden da auch vertrauen, er ist ja selbst gelernter Maler- und Lackierermeister“, scherzte Koch. Lackermeier räumte ein, dass „es mich schon selbst ein bisserl gejuckt hat“, dann aber doch die Erkenntnis kam, dass er als Pfarrer im Verband Partenkirchen-Farchant-Oberau doch zu viel zu tun habe, um als Restaurator in der Kapelle aufzutreten. Da vertraut er auf die Dienste von Lisa Legner, die heimische Meisterin in diesem Handwerk. „Sie hat auch die Kirche in Farchant gemacht.“
Große Schäden am Eingang
Die gesamte Vorarbeit für die Renovierung hat das Ordinariat geleistet, sich mit dem Denkmalschutz auseinandergesetzt. „Das waren sicher 20 Treffen“, erzählte der Pfarrer. Daher wolle er jetzt auch sehr zeitnah anfangen. Noch bevor die Frostperiode naht. „Am liebsten schon Anfang September.“ Da kam dem Geistlichen die Zustimmung aus dem Ausschuss wie gerufen. Die Baubegleitung übernimmt die Kirchenstiftung der Pfarrei Maria Himmelfahrt selbst. „Die fachliche Betreuung mache ich selbst.“ Den Anlass für das größere Projekt nennt Lackermeier sehr rustikal: „Der Innenraum ist einfach sternvolldreck.“
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Er gehört komplett gereinigt und danach fachmännisch versiegelt. Zuletzt war das in den 1970er-Jahren geschehen. Zahlreiche Schäden gibt es nun am Putz im Bereich der Eingänge. Ein Problem sprach der Pfarrer deutlich an: „Es gibt viele Ehrenamtliche, die sich um die Kapelle kümmern. Für dieses Engagement sind wir auch sehr dankbar. Aber da wird dann ein Kübel Farbe aus dem Baumarkt geholt und einfach über den Sockel gepinselt.“ Damit es wieder schöner ausschaut. „Das bekommen wir teilweise gar nicht mit.“ Doch sei damit dem alten Gemäuer oft nicht geholfen, da falsches Material verwendet wird. So muss jetzt der komplette Sockel mit einer Höhe von 1,35 Metern vom Boden weg abgeschliffen und neu beschichtet werden.
Wände und Decke statt weiß mittlerweile grau
Aber auch Wände und Decke sind mittlerweile grau bis schwarz statt früher weiß. Das Innere wirkt düster. Brennende Kerzen sind das eine Manko. „Falsches Heizen“ laut Lackermeier das zweite. Beide sorgen für eine Mischung aus Staub und Ruß an den Wänden. Offenbar sei in dem kleinen Kirchenraum immer wieder mit Gasöfen geheizt worden. „Auch ohne unser Wissen.“ Das führte zu den grauen Rückständen. Die Konsequenz ist sehr eindeutig: „Es wird keine Heizung mehr geben.“ In St. Sebastian finden ohnehin nur noch sehr wenige Gottesdienste statt. Die Petrusbruderschaft trifft sich dort einmal im Monat zu einer Messe in lateinischer Sprache, die Pfarrei selbst zelebriert dort sogar nur noch zwei Messen. Am Sebastianitag und am Kirchweihmontag. „Es wäre nicht darstellbar, dafür eine teure Heizung einzubauen.“
Neben diesen Arbeiten geht es aber auch um alte und zu wenige Steckdosen, von denen laut dem Pfarrer durchaus Lebensgefahr ausgehe. Die Kirche erhält einen neuen Sakristei-Schrank, den die Kirchenstiftung beisteuert, zudem muss am Gestühl einiges erneuert werden. Den Markt treffen bei der Renovierung rein die Handwerker-Leistungen. „Es fallen keine Architekten-Honorare an, das Ordinariat macht das kostenlos“, versicherte Lackermeier. Er ist froh über das klare „Ja“ des Ausschusses, der über die Gemeindefinanzen wacht. Seine Ankündigung: „Ich freue mich darauf, mit Ihnen dann das neue Kircherl besuchen zu können.“ Er rechnet mit rund drei Monaten für die Renovierung. Am 3. September soll es losgehen. Dann wird die Kapelle ausgeräumt, die Kunstschätze werden eingelagert.
Die Vereinbarung
Die Verpflichtung der Marktgemeinde, für den Unterhalts des Sebastianskircherl zu sorgen, geht auf ein Schriftstück vom 24. August 1937 zurück. Darin wurde festgehalten, dass die Gemeinde auch weiterhin keinen Pachtzins für das Areal des ehemaligen Friedhofs für seine Kriegergedenkstätte zahlen muss, das der katholischen Kirchenstiftung Maria Himmelfahrt gehört. Als Ausgleich sagte die Kommune zu, auf Dauer die Instandhaltung der Kapelle zu übernehmen. Zudem wurde der Pfarrgemeinde eine Gruft auf dem neuen Partenkirchner Friedhof für die Bestattung der Partenkirchner Pfarrer unentgeltlich auf Dauer überlassen. Lackermeier betont mit Freude: „In all den Jahrzehnten hat die Marktgemeinde immer diese Vereinbarung erfüllt.“