Soziales Projekt: In Garmisch-Partenkirchen entsteht eine WG der besonderen Art

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Bezahlbarer Wohnraum in Garmisch-Partenkirchen ist knapp. Die Bürgerstiftung Mehrwert schafft einige Einheiten, die sich auch Normalverdiener leisten können.

Nach und nach zerfällt es in seine Einzelteile. Das Haus, das seit Jahrzehnten an der Ferdinand-Barth-Straße 9 in Partenkirchen steht. Seit Anfang der Woche wird der Altbau abgerissen. Um Platz für einen neuen zu machen. Für ein Gebäude, dass es in der Marktgemeinde so bislang noch nicht gibt. Seit vielen Jahren arbeitet die Bürgerstiftung Mehrwert an ihrem Mehrgenerationenwohnen. Jetzt nimmt das Vorhaben konkrete Formen an. Im Sommer 2025 sollen dann die ersten Bewohner einziehen.

Baugenehmigung bringt Vorhaben ins Rollen

Seit Ende Juli liegt die Baugenehmigung für das „Haus Mehrwehrt“ vor. So nennt die gemeinnützige Stiftung ihr Herzensprojekt liebevoll. Für das werden die Verantwortlichen erstmals zu Bauherren. Sie schaffen etwas, das es in Garmisch-Partenkirchen immer seltener gibt: bezahlbare Wohnungen. Solche, die sich auch Normalverdiener noch leisten können. Der humanitäre Gedanke spielt eine übergeordnete Rolle. Die Menschen, die dort in weniger als einem Jahr leben, sollen zu einer Gemeinschaft werden. Zu einer Art sozialen WG.

So wünschen es sich die Initiatoren. Ihre jahrelangen Bemühungen tragen jetzt Früchte. Daran haben auch die Tagblatt-Leser einen entscheidenden Anteil. Anlässlich der Weihnachtsaktion 2021 spendeten sie 39 851 Euro. Die Summe fließt unmittelbar in das „Haus Mehrwert“ mit ein. Besonders Uli Willburger fällt ein Stein vom Herzen. „Jetzt kann man sehen, dass sich etwas tut“, sagt der Erste Vorsitzende der Bürgerstiftung. Möglich macht das die Baugenehmigung aus dem Rathaus. Sie war lange Zeit das fehlende Puzzleteil in den Planungen. Nun hat sie das Vorhaben wieder ins Rollen gebracht. Bis Ende der nächsten Woche soll der Altbau von dem 520 Quadratmeter großen Areal komplett verschwunden sein. Parallel dazu schreiben die Verantwortlichen die verschiedenen Arbeitsschritte für das neue Wohnhaus aus.

Der Abriss schreitet voran: Hier ist nur noch die Hälfte des Altbaus übrig. In Kürze wird er ganz verschwinden.
Der Abriss schreitet voran: Hier ist nur noch die Hälfte des Altbaus übrig. In Kürze wird er ganz verschwinden. © SCHAUER

2025 sollen die Wohnungen vermietet werden

Dessen Bau soll auf jeden Fall noch dieses Jahr beginnen. Den Anfang auf dem Grundstück, das die Stiftung vor drei Jahren der Gemeinde abkaufte, macht der Keller. Darüber entstehen dann fünf Wohnungen. Zwei im Erdgeschoss, zwei im ersten Stock und eine unter dem Dach. 2025 sollen sie sich mit Leben füllen. „Bis dahin wollen wir ganz fertig sein“, sagt Willburger. Er ist zuversichtlich. Und hat schon konkrete Vorstellungen, wie das Zusammenleben einmal aussehen könnte. Das Erdgeschoss – mit barrierefreiem Zugang – bietet sich für zwei ältere Ehepaare an.

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Die Stockwerke über ihnen werden voraussichtlich alleinerziehende Mütter mit Kindern beziehen. Alle Parteien sollen sich im Alltag gegenseitig unterstützen. Die jüngeren Bewohner den älteren zum Beispiel beim Einkaufen helfen. Und die Senioren im Gegenzug auch mal auf die Kinder aufpassen. So die Wunschvorstellung. Interessenten gibt es genug, verrät der Vorsitzende. „Es haben sich schon einige gemeldet.“ Wie die Auswahl der Mieter genau abläuft, steht noch nicht fest. Die Verantwortlichen der Bürgerstiftung prüfen bereits verschiedene Optionen. „Alles muss mit dem Mietrecht vereinbar sein.“ Und das ist durchaus komplex. Doch Willburger ist überzeugt, dass man „eine gute und faire Lösung“ für alle Beteiligten präsentiert. Dann, wenn wieder ein Haus an der Ferdinand-Barth-Straße 9 steht. (tsch)

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