Er will nochmal: Die CSU Bad Tölz kürt den amtierenden Rathauschef Ingo Mehner mit 100 Prozent zum Bürgermeisterkandidaten.
In Bayern sagt man: Gmahde Wiesn! Die Wahl des Tölzer Bürgermeisterkandidaten wurde am Donnerstag im „Binderbräu“ zum Triumph für Ingo Mehner. Der 47-jährige Jurist wurde mit 29 Stimmen von 29 Wahlberechtigten gewählt. Riesenapplaus, als Ortsvereinsvorsitzender Severin Eichenseher das Ergebnis verkündete.
Eichenseher erinnerte zu Beginn der Kandidatenkür an die vergangene Kommunalwahl 2020, bei der die CSU mit neuen Veranstaltungsformaten und Teamleistung mehr als erfolgreich abgeschnitten habe. Mehner habe sich gegen drei Kandidaten im ersten Wahlgang durchgesetzt. Man habe auch in der Amtszeit gute Arbeit geleistet. Wenn er so auf die Homepage beim politischen Mitbewerbers schaue, „rührt sich da seit der Kommunalwahl nix“, ließ der Eichenseher selbstbewusst einen Seitenhieb gegen die Konkurrenz fallen.
Bad Tölz sei „cooler geworden“
Es folgte eine wahre Eloge von Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart auf Mehner. „Die noch nie da gewesenen über 7000 Stimmen waren ein unglaublicher Vertrauenvorschuss der Tölzer, die der Ingo mehr als gerechtfertigt hat.“ Mehner sei fachlich auf Augenhöhe mit der Verwaltung und führe sie von vorne weg. Er sei präsent in der Stadtgesellschaft und dennoch keiner, „der den Menschen nach dem Mund redet“. Er sage es, wenn etwas nicht geht. „Auch das ist eine Kompetenz.“
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Botzenhart bezeichnete Mehner als jemanden, dem Politiker auf allen Ebenen bis zum Ministerpräsidenten zuhören. In Tölz habe er den Transformationsprozess am Moraltgelände und am Postareal mit großem Verhandlungsgeschick geführt und dabei stets die Interessen der Stadt betont. Ansonsten sei Tölz, Botzenhart nannte die Reihe „Vier Tage, vier Bands“ als Beispiel, „flotter und cooler“ geworden. Ein Wechsel im Amt, so Botzenharts logische Folgerung, „wäre eine Katastrophe. Es gibt keinen kompetenteren Bewerber.“ Der 3. Bürgermeister hatte nur eine Bedingung für die Kür, dass nämlich Ehefrau Steffi zustimme, was die natürlich tat. Das Bild von der besseren Hälfte sei, so das Kompliment, gar nicht so weit weg von der Wirklichkeit.
Absurde Blüten aus der Corona-Zeit
Mehner selbst nützte „gerne“ die Chance zur persönlichen Vorstellung. Es folgte ein 40-minütiger Parforceritt durch die Tölzer Stadtpolitik: Moraltwerke, Postareal, Fernwärmeausbau, Campus Tölz, Maxlweiher-Erwerb, Hotel Bergeblick, bespielbare Stadt, gesunde Finanzen, Ehrenamt – nichts fehlte. Zwei Schlagwörter dazu: Die Tölzer würden nicht jede Sau durchs Dorf treiben, erinnerte Mehner an absurde Blüten der Corona-Zeit, als sich viele Kommunen zum Beispiel teure, aber geförderte Raumlüfter anschafften und sie dann, weil sie zu laut waren, nicht nützten. „Diesen Sirenen haben wir widerstanden.“
Habe als Bürgermeister mehr Gestaltungsraum als als Landrat.
Mehner appellierte auch „zu mehr Mut und weniger Angst“ und hatte dabei eher die hohe Politik im Auge. Bei der Wiedervereinigung habe es rund 5000 Bauvorschriften gegeben. Nun seien es 20000. Man könne nicht für jedes theoretische Risiko eine Regelung treffen. Die eigentlich Wahl war dann schnell vollzogen. Eichenseher hatte zuvor in Gegenwart von Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Thomas Holz deutlich gemacht, dass die CSU auch den nächsten Landrat stellen wolle.
Apropos: Hatte Ingo Mehner eigentlich keine Ambitionen auf das höchste Amt im Landkreis, auch wenn er im Fall einer Nichtwahl ohne Job dagestanden wäre? Nein, sagt er auf Anfrage des Tölzer Kurier. „Ich habe als Bürgermeister viel mehr Gestaltungsraum als als Landrat.“ Das sei spannender. Sechs Jahre Amtszeit seien außerdem zu kurz. „Ich will noch viel umsetzen.“ Bürgermeister sei sein „Traumjob, der Landrat ist es nicht“.