Das Staatliche Bauamt startet am Freitag Teil zwei des Tunnel-Großprojekts in Farchant: Nach der Oströhre ist nun bis 19. Juli die Weströhre an der Reihe. Die Gesamtkosten betragen mittlerweile 16,6 Millionen Euro.
Farchant – Das Ende der Osterferien naht. Und es läutet direkt den Start der Bausaison auf den heimischen Straßen ein. Ab der kommenden Woche wird es schwierig, im südlichen Landkreis nicht mit einer der Baustellen in Berührung zu kommen. Den Anfang macht der Farchanter Tunnel. Und das noch in dieser Woche. Die Weströhre in Fahrtrichtung Süden wird ab Freitag (Aufbau bereits in der Nacht zuvor) geschlossen und generalsaniert. Für mehr als drei Monate. „Momentan haben wir den 19. Juli als Zieldatum im Kalender“, verrät Karl Kergl vom Staatlichen Bauamt in Weilheim. Immerhin: Der Verkehr bleibt im Tunnel, wird durch die Oströhre geleitet. „Kleinere Rückstaus wird es sicher mal geben“, befürchtet der Leiter des Ressorts Konstruktiver Ingenieurbau.
Man glaubt es kaum, aber die Straßenbauexperten aus Weilheim haben mit dem seit 2023 laufenden Projekt Farchant Neuland betreten. „Für uns als Bauamt ist es die erste große Tunnelsanierung, vorher stand der Tunnel in der Baulast der Autobahn Gmbh“, betont Kergl. In der Tat haben die beiden Röhren eine bewegte Geschichte. Denn kurz nach der Fertigstellung im Jahre 2000 musste nochmals Hand angelegt werden. Die Vorschriften zur Sicherheit hatten sich geändert, es brauchte mehr Durchschläge in die Parallelröhre.
Gut 20 Jahre später geht es dem Bauwerk wieder an den „Leib“. Neben den üblichen Säuberungs- und Revisionsschließungen. Im vergangenen Frühjahr ist die Oströhre auf Vordermann gebracht worden, erhielt neue Beschichtungen an den Wänden, eine griffigere Fahrbahn, dazu modernste Tunneltechnik samt neuer LED-Beleuchtung. Dasselbe Programm steht nun in der westlichen Röhre an. Mit wenigen Ausnahmen: Am nördlichen Portal entfällt die Sanierung der Loisachbrücke. „Das ist bereits 2021 als Sofortmaßnahme gemacht worden, weil die Straße in einem noch schlechteren Zustand war“, erläutert Kergl. Dafür kommt im Tunnelinneren eine Aufgabe hinzu: Die Entwässerungsrinne entlang der Fahrbahn muss instandgesetzt werden.
Drei Monate Bauzeit sind für die Sanierung angesetzt
Alles in allem sind rund drei Monate Bauzeit angesetzt, um die Weströhre nach 24 Jahren auf den neuesten Stand zu bringen. Die sollten reichen, meint Kergl. Einzige Einschränkung: „Zeitweise ist es wichtig, dass die Witterung passt.“ Im Frühjahr 2023 hatten Phasen mit hoher Luftfeuchtigkeit der Baufirma einen Strich durch die Rechnung gemacht. So traten beim Auftragen der Beschichtungen leichte Verzögerungen auf. „Ja, wir sind tatsächlich auch im Tunnel vom Wetter abhängig.“ Es kam zu Verschiebungen, die aber wichtig waren, um bestmögliche Ergebnisse zu erreichen. Dass es geklappt hat, daran gibt es ein Jahr später in der Oströhre keine Zweifel. „Wir hatten eine Qualitätssicherung durch ein externes Büro immer dabei.“ Immerhin soll das Bauwerk nun wieder 10 bis 15 Jahre ohne eine weitere Generalsanierung auskommen. „Das muss das Ziel sein, dafür haben wir auch viel Geld in die Hand genommen.“
Es wird am Ende sogar deutlich mehr sein, als ursprünglich gedacht. Von 10,7 Millionen Euro waren die Verantwortlichen in Weilheim bei Schätzungen im Vorfeld der Ausschreibung ausgegangen. Diese Summe ließ sich nicht ansatzweise halten. Mittlerweile sind 16,6 Millionen Euro vom Freistaat genehmigt. Zum Teil ist diese Steigerung auf höhere Material- und Personalkosten zurückzuführen, zum Teil aber auch auf fehlende Erfahrungen auf Seiten des Bauamts beim ersten Großprojekt dieser Art. Da ist Kergl ehrlich: „Dadurch sind schon ein paar Mehrkosten entstanden. Aber wir haben auch daraus gelernt.“ Bei der Ausschreibung des zweiten Bauabschnitts, der Weströhre, flossen diese Erkenntnisse bereits ein. Überraschungen finanzieller Hinsicht soll es somit nicht mehr geben.
Kurios: Die Arbeiten an der Weströhre führt nun eine andere Baufirma aus. Die Arbeitsgemeinschaft Geiger-Antoch gab das beste Angebot ab. Ein Problem stellt das nicht dar. Kergl weiß: „Die benützen das Material von demselben Hersteller.“