Der AfD-Bezirkspolitiker Marc Cremer-Thursby aus Eimsbüttel war einer von sieben Partei-Vertretern, die am Dienstag an einer Podiumsdiskussion für die Oberstufe des Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums (EWG) in der Bundesstraße 78 teilnehmen sollten.
Auch die Grünen, die SPD, CDU, Linke, FDP und VOLT hatten ihre Teilnahme an der Veranstaltung, die der politischen Willensbildung dienen sollte, zugesagt.
„Unerträglich“: Eltern appellieren an Schulleitung und bitten um Absage
Doch schon im Vorfeld regte sich Widerspruch. In E-Mails teilten Eltern der Schulleitung ihre Bedenken hinsichtlich des AfD-Teilnehmers mit. „Das EWG darf nicht zum Schallraum für die Lügen, Menschenverachtung und Propaganda werden“, schrieb eine Mutter an Direktor Oke Schröder.
So widerspreche die AfD allem, wofür das EWG stehe: „Das EWG ist eine Klimaschule – die AfD leugnet den Klimawandel“, so die Mutter. Das EWG sei eine Schule gegen Rassismus, das AfD-Parteiprogramm sehe jedoch vor, Wohnraum zuerst an Deutsche zu vergeben, dann an Migranten.
Dieser Partei angesichts der Nachbarschaft zum jüdischen Grindelviertel Raum zu bieten, das sei „unerträglich“. Sie forderte: „Sagen Sie das Gespräch ab, bieten Sie diesen Inhalten nicht noch mehr Raum.“
Auch Schüler protestieren
Ähnlich empfanden das offenbar einige Schüler des Eimsbüttler Gymnasiums, die für Dienstagmorgen um 7.30 Uhr eine Protestkundgebung bei der Polizei anmeldeten.
Gleichzeitig informierten sie die Antifa, die mit einem Aufruf hamburgweit zu der Demo einlud. Zitat: Man wolle als „Eimsbüttler Schülerschaft und Antifaschist*innen klare Kante gegen rechte Politik“ zeigen und „der AfD keine Bühne“ geben.
Schulleitung sagt Diskussion ab
Daraufhin entschied die Schulleitung, die Podiumsdiskussion abzusagen. „Nach vielen Rückmeldungen aus der Schüler*innen- und Elternschaft, dem Elternrat und auch von Kolleg*innen der Schule haben wir jedoch entschieden, die morgige Veranstaltung abzusagen, um den Schulfrieden zu wahren“, schrieb Schulleiter Oke Schröder am Montagnachmittag in einem Brief an die Eltern.
Auch die Schulbehörde gab gegenüber der MOPO eine Erklärung ab: „Es wurde auf Grund der undurchsichtigen Sicherheitslage Gefahr auf dem morgendlichen Schulweg für die Schülerinnen und Schüler der Schule und der umliegenden Schulen befürchtet.
Zum Schutz der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte und zur Wahrung des Schulfriedens, wurde die Veranstaltung inzwischen komplett abgesagt.“
AfD-Mann bedauert Absage
Der AfD-Politiker Marc Cremer-Thursby sieht sich in seiner Haltung gegenüber der Antifa bestätigt. Er bezeichnete das Flugblatt gegenüber der MOPO als „Hetzschreiben“ und interpretiert es als „Aufruf zur Gewalt“.
Und das, obwohl das Papier keinerlei Aktivitäten ankündigt. Cremer-Thursby zeigte sich „besorgt über die Gesundheit der Kinder“ und erklärte gar: „Das Leben der Kinder ist gefährdet“. Er bedauere die Absage. „Es wäre bestimmt eine interessante Veranstaltung geworden“, so Cremer-Thursby.
„Am EWG stehen wir für Diversität, Respekt, Zivilcourage und Klimaschutz“
Ein Sprecher der Schulbehörde erläuterte, es habe bereits an vielen anderen Schulen in Hamburg ähnliche Veranstaltungen gegeben, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen sei. Die Veranstaltungen im Zusammenhang mit den anstehenden Wahlen auf Bundesebene und in Hamburg würden pädagogisch sowohl vor- als auch nachbereitet.
„Unsere Schulen sind hochprofessionell und betten selbstverständlich die Ereignisse, Aussagen und eventuell auftretende Widersprüche solcher Veranstaltungen in den Unterricht ein“, so der Behördensprecher.
Schulleiter Oke Schröder hat den Vorfall zum Anlass genommen, um eine Diskussion an der Schule zu führen. „Die Schulleitung hat heute mit dem Schulsprecher*innen-Team und der Gruppe ,Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ die Gründe zur Absage der Podiumsdiskussion besprochen und mögliche weitere Schritte geklärt, wie die politische Bildung und die demokratischen Grundsätze, für die das EWG steht, in der Schüler*innenschaft noch tiefer verankert werden können.
Es ist uns wichtig, auch zu gesellschaftlich aufwühlenden Themen im Gespräch zu bleiben!“ Gleichzeitig stellte Schröder klar: „Am EWG stehen wir für Diversität, Respekt, Zivilcourage und Klimaschutz. Diese Werte sind unabdingbar in unserer Schulkultur verankert.“
Von Nina Gessner
Das Original zu diesem Beitrag "Riesenwirbel um geplanten Auftritt von AfD-Politiker an Hamburger Gymnasium" stammt von Hamburger Morgenpost.