Im Magdeburger Stadtteil Rothensee frieren seit Montag rund 120 Haushalte. Der Grund: Der Vermieter hat die Gasrechnung nicht bezahlt, obwohl die Mieter ihre Nebenkosten pünktlich beglichen haben. Die Stadtwerke drehten daher den Gashahn zu – und ein Ende ist nicht in Sicht. Während sich der Vermieter bedeckt hält, wächst die Wut der Bewohner.
„Die Kleinen brauchen ein warmes Zuhause“
„Als mich Donnerstag meine Freundin besuchte, habe ich den Elektro-Backofen angedreht, damit es wenigstens in der Küche warm war“, erzählt Andrea R. gegenüber der „Bild“. Auch Marcel Jaikow und seine Frau Bianca, die drei Kinder haben, leiden unter der Situation: „Unser Jüngster ist elf Monate alt. Die Kleinen brauchen ein warmes Zuhause.“ Um sich zu helfen, kauften sie Elektro-Ölradiatoren – doch das treibt die Stromkosten in die Höhe.
Laut „Bild“ bietet die Stadt den Betroffenen an, in einer Obdachlosenunterkunft zu duschen. Anwohner Paul G. lehnt das ab: „Mitarbeiter der Stadt haben bei uns geklingelt und angeboten, wir könnten in der Obdachlosen-Unterkunft duschen. Das will ich meiner Freundin und den Kindern nicht zumuten. Lieber gehen wir ins Schwimmbad.“
Unklare Aussichten – keine Antworten vom Vermieter
Die Mieter in Sachsen-Anhalt wurden per Info-Schreiben darüber informiert, dass die Situation weiterhin ungewiss ist. Wörtlich heißt es darin: „Da wir noch keine finale Aussage über die Freischaltung geben können, haben wir gestern eine Fachfirma beauftragt, die uns zusätzliche mobile Heizgeräte zur Verfügung stellt.“ Anfragen vonseiten der „Bild“ ließ die Immobilienverwaltung unbeantwortet.
Betroffene müssen die Nutzung der Obdachlosenunterkunft selbst zahlen
Die politischen Reaktionen auf den Vorfall lassen nicht lange auf sich warten. Eva von Angern (48), Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Landtag von Sachsen-Anhalt, äußert sich mit großem Entsetzen über die Gassperren: „Diese sind gerade im Winter eine unglaublich ungerechte Maßnahme zum Nachteil der dagegen völlig hilflosen Mieter“, so von Angern.
Sie kritisiert insbesondere, dass die Mieter keine schnelle Hilfe erhalten und die Verantwortung weiterhin beim Vermieter und den städtischen Behörden liege. Zudem müssten Betroffene die Nutzung der Obdachlosenunterkunft selbst zahlen. Für Angern ist das „unfassbar“.