Über 60 Künstler und 31 Stationen gab es bei der 19. Langen Nacht der offenen Türen.
Über 60 Künstler, 31 Stationen und viele neugierige Besucher verwandelten Dachau am Freitagabend in ein einziges großes Atelier. Die 19. Lange Nacht der offenen Türen bot Kunst in allen Facetten – von Malerei über Skulpturen bis hin zu Musik, Performances und Mitmachaktionen.
Im Wasserturm waren rund 150 Werke ausgestellt, die am gestrigen Sonntag bei der 14. Kunstauktion unter den Hammer kamen – zugunsten der Erhaltung des historischen Gebäudes. Die Werke stammten sowohl von lebenden als auch bereits verstorbenen Künstlern und wurden unter anderem von Sammlern, Privatpersonen und Künstlern gespendet. Während der Langen Nacht konnten sie besichtigt werden. Interessierte hatten zudem die Möglichkeit, Vorabgebote abzugeben.
In der Galerie KA7 herrschte von Beginn an reges Treiben. Betreiber Josef Lochner berichtete, dass bereits um halb zehn abends 300 Gäste da waren.
In der Volksbank Raiffeisenbank Dachau präsentierte Florian Marschall seine Ausstellung „Zwischenbilanz“. Viele Besucher schlenderten mit einem Getränk durch die Räume, betrachteten die Werke in Ruhe und ließen sich von der Technik des Künstlers begeistern. Kathrin Beilhartz-Kloos aus Dachau sagte dazu: „Ich finde es großartig, dass man die lokalen Künstler näher kennenlernen kann und überall reinschauen darf. Besonders beeindruckt hat mich die Technik von Florian Marschall – man sieht die Liebe zum Detail in jedem Werk.“
Ein weiteres Highlight war der Kunstwerkraum, der erst in diesem Jahr eröffnet wurde. Dort präsentierten die Inhaberinnen Marion Boehm und Judith Hauch Collagen von Konstanze Schories und Boris Tücking, die ihre „Kolaba-Arbeiten“ vorstellten. Die neunjährige Lea Dengler, die schon an vielen Kursen und Workshops teilgenommen hat, freute sich über „die tolle Ausstellung“.
Musikalischer Nachwuchs sorgte für die Musik: Die Jazzband „Die Charlies“, ein Ableger der Schulband des Ignaz-Taschner-Gymnasiums, initiiert vom 16-jährigen Ben Khan aus Schwabhausen, gab im Hinterhof ihren ersten Auftritt. Besonders zufrieden war Judith Hauch mit der Kombination aus „vielfältiger Kunst, jungen Künstlern und Musik“, die großen Anklang fand.
Im Gebäude des Amperboten in der Konrad-Adenauer-Straße zeigten Marlene Tyroller und Adrian Till ihre Werke. Begleitet wurde die Ausstellung vom Musikduo Somnya, bestehend aus Galerieorganisator Thomas Salvermoser und Thomas Eibl, das mit elektronischen Beats für besondere Stimmung sorgte. Der Raum war gut besucht, viele Besucher konnten nur noch von außen zuhören. Salvermoser betonte in seiner Rede: „Dachau braucht Orte für Kunst, um Leben einzuhauchen.“
Neu in der Szene ist die Galerie von Richard Wurm, die erst seit Juli dieses Jahres besteht und Werke von ihm sowie weiteren Künstlern wie Ignaz Huber, Norbert Schmitz und Markus Wachter zeigt. Der gebürtige Dachauer Wurm präsentierte seine Werke im selbst entwickelten Stil des Crumbismus, bei dem er mehrschichtig bemalte Leinwände mit einem Kärcher-Hochdruckreiniger bearbeitet und verborgene Farbschichten freilegt. „Ich wollte die Oberfläche so gestalten, wie ich sie innerlich vor mir sehe“, erklärte Wurm. Parallel zu Wurm stellte der Dachauer Fotograf Markus Wachter, der unter anderem für die Zeitschrift Vogue arbeitet, seine Arbeiten aus.
Die fast 80-jährige Christa Spencer hat ihr Atelier im Ludwig-Thoma-Haus. Sie begann erst mit 50 Jahren zu malen und absolvierte anschließend ein Studium. Seit 30 Jahren widmet sie sich nun ganz der Kunst, besonders faszinieren sie alte Schwarz-Weiß-Fotografien von Kindern nach dem Zweiten Weltkrieg, die sie auf Leinwand überträgt und mit Farbe lebendig macht. „Mich berührt der Ausdruck und die Haltung dieser Kinder“, erzählt Spencer. Außerdem beschäftigt sie sich in ihrer Kunst mit Umweltfragen, etwa mit Bergen und der Gletscherschmelze.
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