Radweg-Dilemma: Jetzt übernimmt der Bürgermeister die Verhandlungen

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Fast voll besetzt war der Kurhaus-Saal bei der Bad Heilbrunner Bürgerversammlung. © Arndt Pröhl

Bei der Bürgerversammlung in Bad Heilbrunn diskutierten Anwohner auch über den geplanten Kindergarten-Neubau und das Hotelprojekt.

Bad Heilbrunn - Der Radweg von Bad Heilbrunn nach Penzberg hat die jüngsten Sitzungen des Bad Heilbrunner Gemeinderats geprägt, auch in der Bürgerversammlung am Montagabend im fast voll besetzten Kursaal gab es mehrere Wortmeldungen dazu.

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Die vielleicht wichtigste Nachricht: Bürgermeister Thomas Gründl soll die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern übernehmen. Ebenso Wortmeldungen gab es zum Hotel-Projekt und zum Kindergarten-Neubau, den manche für zu groß halten – und manche für zu klein.

Stimmung „fast schon aufkochend“

Thomas Gründl schilderte vor den rund 100 Zuhörern die Probleme, mit den die Gemeinde beim Bau des Radwegs kämpft und die verschiedenen Trassen-Varianten, die angedacht sind. Eine Trasse führe am Café Waldrast vorbei, über fremden Grund. Auch deshalb bevorzuge die Gemeinde die straßenbegleitende Variante, für die allerdings der Landkreis zuständig wäre. Wenn man schon einen Radweg bis Langau baut, könne man ihn gleich bis Penzberg verlängern, sei ein Gedanke gewesen. Es habe eine Versammlung mit dem Penzberger Bürgermeister Stefan Korpan und den Anliegern gegeben, berichtete Gründl: „Da war die Stimmung nicht unbedingt begeisternd, fast schon ein bisschen aufkochend.“ Ihm sei vom Landkreis zugesagt worden, dass der Kreis die Trassen trotzdem weiter plane. Gründl sagte, er spreche den Kreiskämmerer Ralf Zimmermann „in jeder Kreistagssitzung“ auf das Thema an: „Aber er hat mir gesagt, dass das personell momentan schwierig ist. Das hilft uns nicht weiter, wir warten jetzt seit 18 Jahren auf den Radweg.“

„Das Problem ist der Grunderwerb“

Dritter Landrat Klaus Koch antwortete, er habe sich mit Zimmermann unterhalten: „Das Problem ist der Grunderwerb, wie bei fast allen Radprojekten. Solange wir den Grund nicht bekommen, kann nicht gebaut werden.“ Der Landkreis versuche gerade, eine große Radweg-Verbindung zwischen Bad Tölz und Geretsried zu schaffen: „Da gibt es 47 Grundeigentümer. Wenn es nur einen einzigen gibt, der sich querstellt, haben wir keine Chance.“ Der Landkreis bitte die Gemeinde Bad Heilbrunn nun, die Gespräche über den Grunderwerb bei Langau zu führen. Wenn der Grunderwerb gelänge, trage der Kreis die Baulast. Gründl kündigte an: „Ich mache das sofort, wenn ich beauftragt werde.“

Radfahren auf Kreisstraße ist „lebensgefährlich“

Ein Zuhörer sagte, er fahre seit 13 Jahren viermal wöchentlich mit dem Rad auf der Kreisstraße zwischen Langau und Penzberg, „und ich bin nicht der einzige“. Die Fahrten seien „lebensgefährlich“. Sein Vorschlag: „Kann man die Kreisstraße an der Fischzucht vorbei zu einer Fahrradstraße machen?“ Die Kreisstraße sei überflüssig, da Autofahrer ohne Zeitverlust die Bundesstraße benutzen könnten. Koch entgegnete: „Das geht rechtlich nicht.“

Keine Kinder mehr auf Warteliste

Deutlich entspannt hat sich in den vergangenen Monaten die Situation bei den Kindergarten-Plätzen. Standen vor einigen Monaten noch um die 60 Kinder auf der Warteliste, so sind inzwischen alle untergebracht, weil die Kindergärten teilweise bis über die Kapazitätsgrenzen hinaus gefüllt wurden. Gründl berichtete zudem, dass die Zahl der Geburten gefallen ist, von 47 im Jahr 2023 auf 32 im vergangenen Jahr. Diese Zahlen gaben dem früheren Gemeinderat Norbert Deppisch zu denken: „Die aktuell bestehenden Kindergarten-Plätze reichen, und jetzt bauen wir einen Kindergarten mit fünf neuen Gruppen. Besteht da nicht die Gefahr, dass der Kindergarten zu groß ist, wenn die Geburtenzahl so niedrig bleibt?“ Gründl antwortete: „Gute Frage, wir haben uns auch schon viele Gedanken gemacht.“ Gegebenenfalls könne man die Großtagespflege in eine Kindertagesstätte integrieren. „Und ich glaube nicht, dass es plötzlich keine Kinder mehr gibt in Bad Heilbrunn.“ Genau in die andere Richtung ging eine Wortmeldung eines Zuhörers, der sich erinnerte: „Als der bestehende Kindergarten gebaut wurde, hat es geheißen: Wie könnt ihr den so groß bauen? Kurz darauf ist er zu klein geworden.“ Seine Schlussfolgerung: „Lieber groß bauen, dann haben wir was für später.“

Folgekosten wären bei Hotel niedriger

Norbert Deppisch wollte auch wissen, ob sich das angedachte Hotelprojekt in der Ortsmitte endgültig erledigt hat. Gründl bejahte dies – der mögliche Betreiber sei gestorben. Es sei aber möglich, dass sich ein neuer Betreiber meldet, sagte Deppisch. Dieser würde aber sicher nicht die von der Gemeinde angedachten 850 bis 1000 Euro je Quadratmeter Grund bezahlen, die erhoffte Verkaufssumme von 28 Millionen Euro könne dann nicht erreicht werden. Gründl entgegnete, bei einem Hotelprojekt seien die Folgekosten niedriger, die auf die Gemeinde zukommen: „Wenn ich das gesamte Post- und Strauß-Areal mit Wohnungen bebauen lasse, habe ich zwar mehr Einkünfte, müsste aber die Kindergärten und die Schule erweitern.“