In Sindelsdorf feierte die Nachbarschaftshilfe ihr zehnjähriges Bestehen. Im Blauen Haus wurde sich an die Anfänge erinnert.
Sindelsdorf – In Sindelsdorf war einer Stelle viel Blau zu sehen. Am und im Blauen Haus an der Haupstraße, wo die örtliche Nachbarschaftshilfe vor drei Jahren ihre Heimat gefunden hat, wurde die Farbe zelebriert – ob mit Luftballons an der Eingangstür oder in den Begrüßungscocktails. Einen Blues hatte man aber nicht, im Gegenteil: volles Haus, beste Laune. Der Verein feierte sein Zehnjähriges.
Die Nachbarschaftshilfe in Sindelsdorf feierte ihr zehnjähriges Bestehen
Hoch das Glas. Wolfgang Geist hob seinen Cocktail den Gästen entgegen. Der Vorsitzende der Sindelsdorfer Nachbarschaftshilfe freute sich „über das zahlreiche Erscheinen zu unserem ersten Jahrzehnt“. Geist vermutete, dass die Nachbarschaftshilfe damit der jüngste Verein in Sindelsdorf ist. Man sei aber auf dem Weg zu einem Traditionsverein. Dann drehte er die Zeit zurück, um elf Jahre. Er erinnerte an die Bemühungen, eine Nachbarschaftshilfe ins Leben zu rufen. Die Initialzündung gaben Renate Rinder und Christl Hübner. Den „Urmüttern“ widmete Geist bei der Jubiläumsfeier später noch ehrende Worte, Blumen und Geschenke.
Großes Interesse motivierte Gründer
Wie das damals vonstatten ging, erklärte Hübner. Sie berichtete von der Kommunalwahl 2014, von Wahlprogrammen, die die Gründung eines solchen Vereins enthielten. So holte man sich vor der Gründung Informationen von Nachbarschaftshilfen aus Inning, Iffeldorf und Benediktbeuern. „Renate hat den ganz schweren Part übernommen“, sagte Hübner. Sie habe sich „ins Vereinsrecht reingearbeitet“. Beim Georgimarkt habe man dann an einem Waffelstand, heute eine feste Institution auf dem Adventsmarkt, das Interesse im Dorf abgefragt. Es war groß. „Dann haben wir gewusst, wir können das machen“, sagte Hübner.
Verein zählte schnell 100 Mitglieder
Vorsitzender Geist entfaltete ein Papier. Die Einladung zur Gründungsversammlung aus Dezember 2014. Anfang 2015 kam man dann im Gasthof zur Post zusammen. Ein Zehntel der Sindelsdorfer Bürger sei damals gekommen, berichtete Geist. „Auf Anhieb“ habe der Verein 100 Mitglieder gehabt. Dann legte man los. Ideen, Flyer, Taten. Der erste Kaffeenachmittag. Viele folgten. „Über 100 in zehn Jahren“, so der Vorsitzende. „Eine unserer wichtigsten Begegnungen.“
Hier gibt es Infos
Die Sindelsdorfer Nachbarschaftshilfe ist unter Telefon 08856/1213 erreichbar. Weitere Infos unter https://nachbarschaftshilfe-sindelsdorf.de/.
Erste-Hilfe-Kurse bis Kinderkino
Im Laufe der Jahre wurde einiges probiert und ein Angebot aufgebaut. Erste-Hilfe-Kurs, Radl-Rallye, Verkehrssicherheitstraining, Kinderkino, gemeinsames Singen, gemeinsames Essen und noch viel mehr. 2017 wurde der erste Garagenflohmarkt organisiert, „seitdem machen wir das“, 2018 wurde die Büchergondel eingeweiht.
Im selben Jahr verlor Sindelsdorf seinen Nahversorger. Die Nachbarschaftshilfe organisierte zur Überbrückung einen Bäckerwagen. Mehrere Monate stellte eine Bäckerei diesen zur Verfügung. Später wurde ein eigener Bäckerwagen organisiert und das Geschäft an eine Betreiberin übergeben. 2022 folgte ein Betreiberinnenwechsel. 2024 ging „die Ära Bäckerwagen“ zu Ende. Umso wichtiger findet es Geist, das Projekt Dorfladen nicht aus den Augen zu verlieren. 2019 feierte die Schmankerlstraße mit circa 100 Bürgern Premiere. Das sollte eigentlich eine Traditionsveranstaltung werden. Doch bei der vorerst letzten Ausgabe 2023 war der Zulauf mit Blick auf den recht hohen Aufwand zu gering.
Vor drei Jahren gab es ein eigenes Zuhause
Vor drei Jahren bekam die Nachbarschaftshilfe ein eigenes Zuhause: das Blaue Haus an der Hauptstraße. Der Verein muss nur die Nebenkosten tragen, die Gemeinde erlässt die Miete. Die Einrichtung setzt sich aus Mitbringseln der Bürgerschaft zusammen. Generell habe die Gemeinde die Nachbarschaftshilfe all die Jahre unterstützt, betonte Geist. Der zweite Bürgermeister Gerhard Öttl, der in Vertretung für Andreas Obermaier erschienen war, dankte den Ehrenamtlichen für ihr Engagement. Der Gemeinderat „war immer einstimmig für die Sache“, sagte Öttl. Was das Thema Nahversorgung angeht: „Das treibt uns um.“ Der Gemeinderat habe das immer im Hinterkopf. „Im Moment“ gebe es aber „keine kurzfristige Lösung“.
Für alle Generationen
Geist betonte zum Abschluss noch, dass die Nachbarschaftshilfe ein „Verein für alle Generationen“ sei und „immer kreative, nette Menschen“ brauche. Er selbst gestaltet seit zehn Jahren mit. In zwei Jahren wird der Vorsitzende nicht mehr zur Wahl stehen. Eines stellte Geist klar, wenn es um das Engagement in dem Verein geht: „Es macht Freude, Freude zu schenken.“
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