Grönland-Schock: Trump will vom Militär Eroberungspläne – Widerstand im Pentagon

  1. Startseite
  2. Politik

Kommentare

Donald Trump verschärft den Ton im Streit um Grönland weiter. Berichte über militärische Planspiele alarmieren Europa und die NATO-Partner.

Washington, D.C. – US-Präsident Donald Trump treibt seine Ambitionen auf Grönland mit wachsender Vehemenz voran. Der Konflikt um die arktische Insel hat sich binnen weniger Tage zu einem zentralen Streitpunkt zwischen Washington und seinen europäischen Verbündeten entwickelt. Dabei geht es längst nicht mehr nur um strategische Interessen, sondern um Grundfragen von Souveränität, Bündnistreue und internationaler Ordnung.

US-Präsident Donald Trump verschärft den Ton im Streit um Grönland. Während Trump eine Übernahme der Insel nicht ausschließt, betonen die Inselbewohner ihre Souveränität. © Foto links: IMAGO / ZUMA Press Wire | Foto rechts: IMAGO / Anadolu Agency

In der US-Administration wird Grönland zunehmend als geopolitischer Schlüsselraum betrachtet. Rohstoffe, neue Schifffahrtsrouten und die militärische Bedeutung der Arktis spielen dabei eine zentrale Rolle. Kritiker sehen darin jedoch eine imperiale Denkweise, die das bestehende Regelwerk internationaler Politik bewusst infrage stellt.

Grönland im Fokus: Trump will vom Militär Eroberungspläne

Nach übereinstimmenden Recherchen mehrerer internationaler Medien hat Trump das US-Militär angewiesen, Optionen für ein gewaltsames Vorgehen gegen Grönland zu prüfen, schreibt die Daily Mail. Demnach soll das Joint Special Operations Command (JSOC), ein geheimes Führungs- und Einsatzkommando der US-Streitkräfte, gebeten worden sein, entsprechende Einsatzpläne auszuarbeiten. Als Rückenwind gilt im Umfeld des Präsidenten der jüngste US-Spezialeinsatz in Venezuela, der als Beweis militärischer Durchsetzungsfähigkeit gewertet wird.

Öffentlich hält sich das Weiße Haus bedeckt, doch die Berichte haben international für erhebliche Unruhe gesorgt. Diplomaten sprechen von einem gefährlichen Signal, das weit über die Arktis hinauswirke. Die bloße Existenz solcher Planspiele untergrabe Vertrauen unter Verbündeten und erhöhe die Eskalationsgefahr.

Trumps Grönland-Gedanken: Widerstand im Pentagon

Innerhalb des Pentagon regt sich offenbar massiver Widerstand gegen Trumps Kurs. Hochrangige Militärs halten ein militärisches Vorgehen gegen Grönland für völkerrechtswidrig und politisch kaum durchsetzbar, schreibt die BBC. Weder der Kongress noch die US-Bevölkerung würden einen Angriff auf einen NATO-Partner unterstützen, heißt es in internen Einschätzungen.

Berichten zufolge versuchen Generäle deshalb, den Präsidenten auf weniger eskalierende Alternativen zu lenken. Dazu zählen verstärkte Überwachung russischer Aktivitäten oder andere militärische Optionen außerhalb Europa, so die Daily Mail. Ziel sei es, einen offenen Bruch mit den europäischen Verbündeten zu verhindern.

Trumps Begründung unter internationaler Kritik

Trump selbst rechtfertigte seine Drohungen zuletzt offen mit angeblichen Sicherheitsrisiken. Er erklärte, die USA müssten Grönland kontrollieren, da sonst Russland oder China die Insel übernehmen könnten, „ob es ihnen passt oder nicht“, schrieb die New York Times. Dabei stellte der Präsident die These auf, Grönland sei von gegnerischen Mächten umgeben – eine Darstellung, die von US-Experten und europäischen Regierungen als unbelegt zurückgewiesen wird.

Beobachter ordnen diese Rhetorik als Teil einer zunehmend imperial geprägten Außenpolitik ein. Trump argumentiere offen mit Besitzlogik und militärischer Überlegenheit, während bestehende Verträge, Bündnisse und das Selbstbestimmungsrecht der Bevölkerung in den Hintergrund gedrängt würden.

Grönland im Überblick

Fakt Details
Status Autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark (Selvstyre seit 2009); volle Unabhängigkeit via Referendum möglich
Fläche 2,16 Mio. km² (weltweit größte Insel); 80% eisfrei
Bevölkerung Ca. 57.000 Einwohner; Hauptstadt Nuuk (19.000)
Ressourcen Seltene Erden, Uran, Erdgas; Schmelzendes Eis öffnet Schifffahrtsrouten
Militärisch US-Basis Pituffik (ehem. Thule); Verteidigungsabkommen mit USA seit 1951
Selbstbestimmung 1979 Hjemmestyre, 2009 Selvstyre; Dänemark behält Außen-/Sicherheitspolitik

(Quellen: SWP Berlin, bpb)

Pentagon-Strategie im Widerspruch zur Grönland-Agenda

Zusätzliche Zweifel an Trumps Argumentation kommen über den konkreten Grönland-Konflikt hinaus aus sicherheitspolitischen Analysen. The Atlantic verweist darauf, dass ausgerechnet jene Pentagon-Strukturen, die zur Koordinierung der US-Arktisstrategie geschaffen wurden, unter der Trump-Administration geschwächt oder aufgelöst worden seien. Das eigens eingerichtete Arctic and Global Resilience Policy Office – als zentrale Pentagon-Stelle zur Abstimmung der US-Arktispolitik mit Verbündeten – sei 2025 faktisch abgewickelt worden, trotz wachsender Konkurrenz mit Russland und China in der Region.

Gerade dieser Schritt offenbare laut The Atlantic einen zentralen Widerspruch. Während Trump Grönland als unverzichtbar für die nationale Sicherheit darstelle, habe seine Regierung jene multilateralen und strategischen Instrumente abgebaut, die eine koordinierte Arktispolitik mit Verbündeten ermöglichen würden. Kritiker werten dies als Hinweis darauf, dass es weniger um Sicherheit als um Machtdemonstration und innenpolitische Symbolik gehe.

Grönland und Trumps Ambitionen: NATO am Rand einer Zerreißprobe

Ein Angriff auf Grönland hätte derweil auch gravierende Folgen für die NATO. Dänemark ist ebenso wie die USA Gründungsmitglied des Bündnisses. Ein militärischer Konflikt zwischen zwei NATO-Staaten würde das Bündnis in eine historische Ausnahmesituation stürzen.

Europäische Diplomaten warnen intern sogar vor einem strategischen Kalkül. Da Trump die NATO politisch schwächen wolle, könne ein Konflikt um Grönland bewusst in Kauf genommen werden, um das Bündnis faktisch handlungsunfähig zu machen. In internen Papieren, schreibt die Daily Mail, wird dies als mögliches „Worst-Case-Szenario“ beschrieben.

Trumps Gedankenspiele zur Grönland-Invasion: Geschlossene Reaktion aus Europa

Entsprechend deutlich fallen die Reaktionen in Europa aus. Mehrere Staats- und Regierungschefs stellten sich demonstrativ hinter Dänemark und betonten die Unverletzlichkeit von Grenzen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnte gemäß AP News vor der Rückkehr zur „Herrschaft des Stärkeren“ und einer neuen Weltordnung der Machtpolitik.

Auch Deutschland positionierte sich klar. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte gemäß tagesschau.de vor seiner USA-Reise, über die Zukunft Grönlands könnten ausschließlich Dänemark und die Grönländer selbst entscheiden. Sicherheit in der Arktis lasse sich nur gemeinsam im Bündnis gewährleisten, nicht durch Drohungen unter Partnern.

Annexion durch die USA? Klare Ablehnung in Grönland

In Grönland selbst stoßen Trumps Pläne auf breite Ablehnung. Führende Politiker aller großen Parteien erklärten geschlossen, eine Übernahme durch die USA komme nicht infrage. Die grönländische Abgeordnete Aaja Chemnitz kritisierte, notiert AP News, viele Diskussionen würden über die Köpfe der Bevölkerung hinweg geführt.

Zwar gibt es auf der Insel seit Jahren Debatten über mehr Selbstbestimmung oder langfristige Unabhängigkeit von Dänemark. Umfragen zeigen jedoch eine klare Ablehnung eines Anschlusses an die USA, bemerkt die BBC. Proteste in mehreren Städten verdeutlichen die Angst vor einem Verlust politischer und kultureller Autonomie.

Trumps Grönland-Obsession: Militärisch machbar, politisch fatal

Militärexperten halten eine Besetzung Grönlands für technisch relativ einfach. Die Insel ist riesig, aber dünn besiedelt, und die USA verfügen bereits mit der Pituffik Space Base über eine zentrale militärische Infrastruktur vor Ort. Gerade dieser Umstand nährt jedoch die Kritik, dass ein Gewaltakt sicherheitspolitisch unnötig wäre.

Ein Verteidigungsabkommen aus dem Jahr 1951 räumt Washington bereits weitreichende Nutzungsrechte ein. Völkerrechtler warnen deshalb, dass selbst die Androhung militärischer Gewalt als verbotene Nötigung gelten könnte, schreibt The Independent. Ein solcher Präzedenzfall würde autoritären Staaten weltweit Argumente liefern.

Wadephul reist in die USA: Berlin setzt auf klare Grenzen

Vor seiner Reise in die USA am Montag hat Außenminister Johann Wadephul (CDU) in der Grönland-Frage eine klare Linie gezogen. Wadephul sagte zu BILD: „Dabei ist es klar, dass es allein Sache Grönlands und Dänemarks ist, über Fragen von Territorium und Souveränität von Grönland zu entscheiden.“ In Washington will der Außenminister anschließend mit seinem US-Amtskollegen Marco Rubio über das weitere Vorgehen sprechen.

In Berlin wird zugleich versucht, Eskalation zu vermeiden und Gesprächskanäle offenzuhalten. Regierungskreise betonen, dass eine stärkere militärische Präsenz der USA auf Grönland im Rahmen bestehender Abkommen grundsätzlich möglich sei. Eine Annexion oder militärische Zwangslösung gilt jedoch parteiübergreifend als rote Linie – nicht nur für Deutschland, sondern für Europa insgesamt.

Die USA und Grönland: Drohkulisse und mögliche Kompromisse

Parallel zu Trumps Eskalationsrhetorik werden in Washington indes auch Kompromissmodelle diskutiert. Dazu zählt eine formalisierte Ausweitung des US-Militärzugangs bei gleichzeitigem Ausschluss Russlands und Chinas, ohne formellen Eigentumswechsel. Beobachter sehen darin eine klassische Druckstrategie Trumps.

Ob diese Taktik aufgeht oder die transatlantischen Beziehungen dauerhaft beschädigt, bleibt offen. Sicher ist jedoch: Grönland ist längst mehr als eine arktische Insel. Der Konflikt ist zu einem Symbol geworden – für Machtpolitik, für die Zukunft der NATO und für die Belastbarkeit der westlichen Ordnung unter Donald Trump. (Quellen: Daily Mail, BBC, New York Times, The Atlantic, Associated Press, tagesschau.de, Bild, The Independent) (chnnn)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/groenland-schock-trump-will-vom-militaer-eroberungsplaene-94117794.html