Trumps Grönland-Strategie zeigt Parallelen zu Putins Taktik in Osteuropa und der Ukraine

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US-Präsident Donald Trump bekräftigt seine Ambitionen, Grönland zum Teil der USA zu machen. Dabei gibt es beunruhigende Parallelen zu Putins Taktiken.

Nuuk/Washington, D.C. – Donald Trump will Grönland für die USA beanspruchen. Daraus macht der US-Präsident kein Hehl. Tatsächlich arbeiten Trumps Außenpolitikberater an Szenarien, wie das Land von den USA übernommen werden könnte. Am Dienstag erklärte das Weiße Haus: „Der Präsident und sein Team diskutieren eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu verfolgen, und natürlich steht dem Oberbefehlshaber jederzeit der Einsatz des US-Militärs zur Verfügung.“

Donald Trump will Grönland schon lange für die USA beanspruchen. Auch Militärgewalt scheint der US-Präsident nicht auszuschließen. © MANDEL NGAN/AFP; IMAGO/Henricus Lüschen Montage: IPPEN.MEDIA

Nachdem Trump seine Drohungen gegen Venezuela am letzten Wochenende wahrgemacht hatte, erscheinen seine jüngsten Drohungen gegenüber Grönland umso bedrohlicher. So bedrohlich, dass sich einige europäische Länder mit Grönland solidarisierten. In einem offenen Brief erklärten unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, Giorgia Meloni, Emmanuel Macron, und Donald Tusk, sowie weitere europäische Staats- und Regierungschefs: „Grönland gehört seinem Volk. Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen.“

Grönland im Visier Donald Trumps: Kaufangebot an Dänemark schon 2019

Dabei hat Donald Trump Grönland schon lange im Visier. Während seiner ersten Amtszeit 2019 machte der US-Präsident den Grönländern und Dänemark schon einmal ein Angebot, das Land zu kaufen. Und seit seiner Amtseinführung 2025 versucht Trump, einen Keil zwischen Dänemark und Grönland zu treiben. Im August bestellte Dänemark den US-Botschafter ein, nachdem der dänische Rundfunk DR berichtet hatte, dass die USA verdeckte Operationen in Grönland durchführen würden. Ziel dieser Operationen soll es gewesen sein, die Grönländer zu einer Abspaltung von Dänemark zu veranlassen.

Dabei erinnert Trumps Beeinflussung der grönländischen Politik an Taktiken aus Moskau. Felix Kartte, Experte für digitale Politik, erklärte gegenüber Politico das russische Vorgehen, Wahlen in Moldau oder der Ukraine zu beeinflussen: „Russland mischt Offline- und Online-Taktiken. Vor Ort arbeiten sie mit gleichgesinnten Akteuren wie extremistischen Parteien, Diaspora-Netzwerken oder prorussischen Oligarchen zusammen und bezahlen Menschen dafür, an Anti-EU- oder Anti-US-Protesten teilzunehmen.“ Parallelen zum russischen Vorgehen könne man auch in Grönland beobachten, schreibt Politico.

Trump versucht, Grönland und Dänemark zu spalten: Parallelen zu Moskaus Taktiken

Sollte Trumps Methode, Grönland und Dänemark zu spalten, Früchte tragen, wäre der nächste Schritt ein Referendum zur Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark. In einer Umfrage vom Januar 2025 sprachen sich jedoch nur sechs Prozent der Grönländer dafür aus, sich von Dänemark abzuspalten und dafür Teil der USA zu werden. 85 Prozent stimmten dagegen, wie die dänische Zeitung Berlingske schreibt.

Wäre auch eine militärische Invasion Grönlands durch die USA möglich? US-Außenminister Marco Rubio erklärte in einem vertraulichen Treffen gegenüber einigen US-Kongressabgeordneten am Montag, dass die USA keine Invasion plane, wie das Wall Street Journal und andere US-Medien berichten. Jedoch verfolge die Trump-Administration das Ziel, Grönland von Dänemark zu kaufen.

US-Militärinvasion in Grönland? Trump hätte ein leichtes Spiel

Viel Gegenwehr hätte das US-Militär bei einer Invasion jedenfalls nicht zu befürchten. Thomas Crosbie, Militärexperte und Professor am „Royal Danish Defense College“, sagte gegenüber Politico: „Am beunruhigendsten wäre eine Strategie der vollendeten Tatsachen, wie wir sie in Militärkreisen oft sehen (…). Dabei würde man sich einfach das Land aneignen, so wie Putin versucht hat, sich die Ukraine anzueignen, um territoriale Ansprüche geltend zu machen. Er könnte einfach Truppen in das Land entsenden und behaupten, dass es nun amerikanisch sei.“

Fakten zu Grönland

Grönland ist die weltweit größte Insel und ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark. Das zwischen Nordatlantik und Arktischem Ozean gelegene Gebiet umfasst eine Fläche von 2.166.086 Quadratkilometern und ist damit etwa sechsmal so groß wie Deutschland. Geografisch gehört Grönland zu Nordamerika. Die Insel verfügt über die nördlichste Landfläche der Erde und ist nur dünn besiedelt.

Mit 56.542 Einwohnern ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von nur 0,026 Einwohnern pro Quadratkilometer, was Grönland zu einem der am dünnsten besiedelten Gebiete der Welt macht. Die gesamte Bevölkerung lebt entlang der Küste, hauptsächlich an der Westküste. Hauptstadt und größte Stadt ist Nuuk mit etwa 19.000 Einwohnern. Die Amtssprache ist Grönländisch, während Dänisch als Verkehrssprache fungiert.

Etwa 88 Prozent der Bevölkerung gehören zu den Kalaallit, die gemischter inuitisch-skandinavischer Abstammung sind. Der überwiegende Teil der Landesfläche ist von einem bis zu drei Kilometer dicken Eisschild bedeckt, der etwa 1,7 Millionen Quadratkilometer umfasst. Nur die eisfreien Küstengebiete sind bewohnbar und machen etwa 15 Prozent der Gesamtfläche aus. Grönland erhielt 1979 Autonomie von Dänemark, die 2009 erweitert wurde. Das Land verfügt über ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung, bleibt aber wirtschaftlich stark von dänischen Subventionen abhängig.

Folgen einer US-Invasion in Grönland: Ende des NATO-Militärbündnisses

Eigenständig verteidigen könnte sich Grönland gegen eine US-Invasion nicht. Die Verteidigung Grönlands ist laut der dänischen Verfassung die Aufgabe der dänischen Streitkräfte. Grönland selbst verfügt dabei über keine eigenen Truppen. Ein solcher Angriff auf Grönland hätte auch gravierende Folgen für das NATO-Militärbündnis und würde Kreml-Chef Wladimir Putin in die Karten spielen. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Fredriksen erklärte am Montag: „Wenn die USA beschließen, ein anderes NATO-Land anzugreifen, wird alles zum Stillstand kommen.“ Profiteur eines solchen Angriffs wäre dann vor allem Russland, analysiert der britische Guardian das Szenario einer US-Invasion Grönlands.

Marion Messmer, Direktor der britischen Denkfabrik Chatham House warnt gegenüber dem Guardian mit Blick auf Trumps zahlreiche Drohungen: „Wenn irgendwelche europäischen Staaten sich der Illusion hingeben, sie könnten sich auf die Sicherheitsgarantien der USA verlassen, dann ist dies der Weckruf, dass wir nicht in diese Welt zurückkehren werden.“ (Quellen: Guardian, BBC, Politico, Wall Street Journal, eigene Recherche) (sischr)