Nur wenige Apotheken beteiligen sich am Impftag im Tölzer Land. Ob es richtig ist, dass auch Apotheker impfen, darüber herrscht Uneinigkeit.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Klassiker im Herbst und nach der Wiesn: Die erste Erkältungswelle rollt über den Landkreis. Passend dazu fand am Mittwoch ein bayernweiter Impftag in den Apotheken statt. „Verbraucher im Landkreis können sich an diesem Tag vor Ort in teilnehmenden Apotheken gegen Grippe und oder Covid-19 impfen lassen“, warben Landesapothekerkammer und Apothekerverband in einer Pressemitteilung. Als Kontaktperson war Apotheken-Sprecher Christopher Hummel aufgeführt. Dieser befand sich zum Zeitpunkt des offenbar bayernweit für alle Landkreise automatisierten Aufrufs jedoch im Urlaub. „Ich habe danach erst von Kollegen erfahren, dass sie sich gar nicht beteiligen“, sagt Hummel.
Geringe Beteiligung an Impf-Aktion im Tölzer Land
Auch im Landkreis Ebersberg führte die offenbar automatisiert auf die jeweiligen Landkreise angepasste Pressemitteilung für Verwirrung. Denn hier beteiligte sich keine einzige Apotheke an der Aktion. Im Tölzer Land war die Rückmeldung auf den Impftag ebenfalls überschaubar. Zumindest beteiligte sich nur Hummel mit seinen beiden Apotheken, der Kurapotheke in Bad Heilbrunn und der Michaeli-Apotheke in Gaißach, am Aktionstag.
„Ich finde es ein bisschen schade, dass wir diese Möglichkeit haben, und dann doch so wenig Apotheken hier mitmachen“, sagt Hummel auf Nachfrage. „Es gibt in Bayern auch Bezirke, in denen die Mitmachquote deutlich höher ist.“ In seinen Apotheken sei das Angebot „recht gut“ angenommen worden. Die meisten hätten vorab einen Termin vereinbart. „Das macht uns das Ganze auch logistisch einfacher.“ Einige seien zusätzlich spontan vorbeigekommen. „Auch das haben wir dann gut hinbekommen.“
Apotheken-Sprecher Hummel will Impfquote erhöhen
Die Klientel sei damit sehr gemischt gewesen. „Von Jung bis Alt waren alle Altersgruppen vertreten.“ Er sehe die Beteiligung am Impftag als Beitrag, die Krankheitswelle einzudämmen und die Impfquote zu erhöhen. Hummel selbst habe nur die Impfung gegen Influenza angeboten. „Da die Corona-Impfung nach wie vor nicht in einzelnen Dosierungen erhältlich ist, sondern man gleich sechs Vakzine verimpfen muss, war uns der organisatorische Aufwand diesmal zu groß“, erklärt er. Immerhin müsse man so oder so einen eigenen Raum zur Verfügung haben, personell aufstocken und vorab eine entsprechende Ausbildung absolviert haben.
Josef Blickenberger betreibt die Alte Hofapotheke in der Tölzer Marktstraße sowie die Neue Hofapotheke am Moraltpark. Er beteiligte sich nicht an dem „Tag des Impfens“. „Es hat eine lange Historie, dass die Berufe des Apothekers und der Ärzte hier getrennt sind, und ich finde es nicht richtig, wenn wir Apotheker uns in die Geschäfte der Ärzte einmischen“, bezieht er Stellung. „Während der Coronazeit haben auch schon einige Kollegen mitgeimpft, da stand aber eine andere Not dahinter“, argumentiert Blickenberger. „Ich finde, die Ärzte haben das Thema gut im Griff, da müssen wir uns in keinem Hyperaktionismus einmischen.“
Blickenberger sieht Risiko dahinter
Überdies stehe seiner Einschätzung nach auch ein Risiko dahinter. Schließlich kenne er den gesundheitlichen Zustand der Menschen, die zum Impfen kommen würden, nicht. „Was mach ich, wenn einer aus der Apotheke geht und umfällt?“ Insofern empfinde es Blickenberger als sicherer, wenn der Hausarzt individuell abschätze, wann bei welchem Patienten welche Impfung Sinn mache. Die Nachfrage der Kunden sei am Mittwoch in seinen Apotheken „sehr überschaubar“ gewesen. „Es gab ein paar Nachfragen, aber wir haben unmittelbarer Nähe Ärzte, zu denen die Leute gehen können.“
Hummel sieht das etwas anders: „Es ist ein großer Vertrauensvorschuss, dass wir Apotheker auch impfen dürfen. Ich möchte mit dem niederschwelligen Angebot auch niemandem etwas wegnehmen“, betont er. Vielmehr gehe es Hummel darum, das Angebot der Arztpraxen „zu ergänzen und sie beim Impfen zu unterstützen“, so der Gaißacher.
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Eva Löhle, Inhaberin der „Alten Apotheke“ in Lenggries ist mit Blick auf den Impftag auch vorsichtig: „Ich habe mich da rausgehalten, das ist hier auf dem Dorf heikel. Ich weiß nicht, wie begeistert der Hausarzt wäre, wenn ich das anbieten würde.“ Ohnehin sei es Löhle nicht möglich, in ihrer Apotheke Menschen zu impfen. „Man braucht dazu einen Zusatzraum, den wir nicht haben“, erklärt sie. Generell habe es nur wenige telefonische Nachfragen in ihrer Apotheke gegeben, ob sie sich an der Aktion beteilige.
Sollen Apotheker impfen? Auch landesweit kein Konsens
Nicht nur im Tölzer Land gehen die Meinungen zum Impfen in Apotheken auseinander. Auch landesweit herrscht kein Konsens. Während die bayerische Landesärztekammer sich gegen die Impf-Aktion positioniert, argumentiert der Apothekerverband mit der Niederschwelligkeit des Angebots, das mit einer fachkundigen Beratung verbunden sei.