Chaos um Einspeisevergütung – Energiemarkt erlebt Umbruch: „Viele werden bald insolvent gehen“

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Die Merz-Regierung will die Energiewende und den Ausbau der Photovoltaik vorantreiben. Eine Bereitschaft unter den Bürgern gibt es. Doch es gibt auch Hürden.

Hamburg – Erst der Boom, dann der Einbruch: Nach Jahren des Rekordwachstums erlebt der deutsche Photovoltaik-Markt 2025 einen Rückgang. Nach einem sehr starken Start im Januar und Februar 2025 bricht der Markt ein. Das geht aus Daten des Energieunternehmens Enerix hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Auffällig ist der Rückgang von rund 54,8 Prozent im Dezember 2025 gegenüber dem Januar 2025 bei den 3-10 kW Anlagen – also genau dem Segment, das typischerweise Einfamilienhäuser bedient. Die Entwicklung ist unter anderem auf die von der Politik verursachten Verunsicherungen zurückzuführen.

Nicht immer ausreichend geschützt: Dacharbeiten an Solaranlagen sind oft riskant.
Nicht immer ausreichend geschützt: Dacharbeiten an Solaranlagen sind oft riskant. © Bruno Kickner/Imago

Photovoltaik-Ausbau 2025 geht zurück: Rückgang im Eigenheimsektor

Für das Unternehmen Enerix bedeutet die Entwicklung vor allem, dass man nicht mehr von den früheren Rekordzuwächsen beim Ausbau der PV-Anlagen ausgehen kann. „Auch wenn es für die Solarbranche ein schwieriges Jahr war, zeigen die Zahlen insbesondere eins: Der Markt normalisiert sich. Die Jahre 2022 bis 2024 waren geprägt von Rekordzuwächsen“, sagte Unternehmenspressesprecher Lucas Flügel gegenüber IPPEN.MEDIA.

Im langjährigen Vergleich habe das Jahr 2025 noch gut abgeschnitten. Der Markt sei aber ein ganz anderer. „Viele Anbieter, die 2022 dachten mit Solaranlagen schnell das große Geld zu machen und jetzt einen großen Lagerbestand haben, werden vermutlich bald insolvent gehen. Vor uns steht also eine Marktbereinigung.“
 
Die Zukunft der Energiewende liege zunehmend bei integrierten Lösungen. Es gehe nicht mehr um die reine PV-Installation, sondern um Smart-Home-Energiemanagementsystemen mit Wärmepumpen und Batteriespeicher. Mittlerweile würden fast keine PV-Anlagen ohne Speicher verkauft, viele Bestandskunden rüsten ihre älteren Anlagen sogar nach. 

Photovoltaik-Ausbau stockt wegen Planungsunsicherheit – Chaos bei Einspeisvergütung

Der starke Rückgang der PV-Anlagen im Eigenheimsegment sei unter anderem auf die fehlende Planungssicherheit zurückzuführen .Im Gespräch mit den Kunden sei besonders deutlich geworden, dass besonders die Diskussion rund um die Einspeisevergütung diese Unsicherheit verstärkt habe, so Flügel. Auch komplexe neue Instrumente wie Differenzverträge (CfDs) schrecken potenzielle Kunden ab.

Für Interessenten von PV-Anlagen sei die Entscheidung für eine Anlage am stärksten davon abhängig, ob sie sich finanziell lohnt. Dies sei durch einen hohen Eigenverbrauch gegeben. „Trotzdem begegnen wir der Sorge, dass dies durch das Wegfallen der Einspeisevergütung nicht mehr der Fall ist, immer wieder. Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen für Besitzer von Solaranlagen“, so Flügel.

Eine Studie der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) verdeutlicht ebenfalls, dass der Eigenheimsektor auf klare Rahmenbedingungn angewiesen ist. „Die Frage, ob sich eine PV-Anlage heutzutage von allein rechnet, scheint für die Befragten nicht eindeutig zu beantworten zu sein. Wenn jedoch klar wäre, dass sich die Investition finanziell wirklich lohnt, wäre das der mit Abstand wichtigste Anreiz dafür, die Pläne auch möglichst schnell in die Tat umzusetzen“, heißt es in einem Monitoring-Bericht (Erhebungszeitraum: 08.08.-26.08.2025).

Solarenergie deckt im Jahr 2025 18 Prozent des deutschen Stromverbrauchs – Photovoltaik schlägt fossile Energieträger

Zum Hintergrund: Solarenergie war im vergangenen Jahr einer vorläufigen Auswertung zufolge die zweitwichtigste Stromquelle in Deutschland. Der Anteil der Photovoltaikanlagen an der inländischen Stromproduktion stieg auf 18 Prozent, wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) Anfang Januar mitteilte. Damit überholte Photovoltaik erstmals Braunkohle und Erdgas, die für 14 und 16 Prozent der Stromproduktion standen. Bei weitem die wichtigste Stromquelle ist demnach die Windenergie mit 27 Prozent.

In Deutschland sind laut BSW mittlerweile rund 5,5 Millionen Photovoltaikanlagen installiert. Sie produzierten im vergangenen Jahr 87 Terawattstunden Strom - nach 72 Terawattstunden im Vorjahr. Neue Anlagen mit einer Leistung von rund 17,5 Gigawattpeak wurden 2025 in Betrieb genommen. Das Ausbautempo hat sich damit dem Solarverband zufolge leicht verlangsamt, im Vorjahr waren 17,7 Gigawattpeak Leistung dazu gekommen.

Von der neu zugebauten Leistung entfällt der größte Teil auf ebenerdig errichtete Solarparks (rund acht Gwp). Hier hat der Zubau im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugelegt. Solaranlagen auf Privathäusern wurden im Umfang von 5,2 Gwp neu installiert - deutlich weniger als im Vorjahr. Auf Industrie- und Gewerbedächern kamen rund 3,7 Gwp und damit in etwa so viel wie im Vorjahr hinzu. Die Leistung der 2025 neu installierten Steckersolargeräte betrug rund 0,5 Gwp. (Quellen: Daten von enerix, dpa) (bohy)