Neuinfektionen erreichen Höchststand: Tödliche Lungenkrankheit wieder auf dem Vormarsch

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Die Lungenerkrankung Tuberkulose rückt durch steigende Zahlen und sinkende Mittel zur Bekämpfung wieder in den Fokus – auch in Deutschland.

Berlin – Anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März warnen Mediziner davor, dass die Krankheit auch in Deutschland nicht ausgerottet ist und sogar neue Fälle dazukommen. Selbst bei scheinbar normalen Erkältungs- oder Grippesymptomen sollte man die hochansteckende Krankheit nicht ausschließen.

Tuberkulose: Neuerkrankungen erreichen Höchststand

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sterben jährlich mehr als 1,2 Millionen Menschen an Tuberkulose (TB). Das macht sie zur tödlichsten bekannten Infektionskrankheit. Mediziner sind alarmiert, denn die Zahl der Neuerkrankungen erreichte gerade einen Höchststand von 10,8 Millionen. Erschwerend kommt hinzu, dass die neue US-Regierung unter Donald Trump (78) Hilfsgelder streicht, die zur Eindämmung der Krankheit nötig sind. Auch Deutschland könnte davon betroffen sein.

Schon vor den aktuellen politischen Entwicklungen habe es für die Tuberkulosebekämpfung ein Defizit von 11 Mrd. US-Dollar gegeben, wie der WHO-Europa-Regionaldirektor Dr. Hans Henri P. Kluge in einer Mitteilung bekannt gibt. 27 Länder melden, dass ihre Tuberkulose-Programme vor dem Zusammenbruch stehen. Ohne finanzielle Hilfe aus dem Ausland bedeutet das: weniger Tests, weniger Diagnosen und weniger Eindämmung der Krankheit, die unbehandelt tödlich verlaufen kann. Schon zuvor kritisierten Experten, der Umgang mit Tuberkulose sei nicht effektiv genug.

Tuberkulose-Fälle nehmen bei Kindern zu

Die Krankheit ist vor allem in Entwicklungsländern ein großes Problem. Am stärksten betroffen sind laut WHO der Kongo, aber auch Indien, Indonesien, China, die Philippinen, Pakistan, Nigeria und Bangladesch. Mehr als zwei Drittel der Fälle entfallen auf die genannten Länder.

Auch in Europa nahmen die Fälle zuletzt wieder zu. 2023 gab es 37.000 Neuinfektionen mit Tuberkulose in der EU plus Island, Norwegen und Liechtenstein. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sehe man laut dem in Deutschland zuständigen Robert Koch-Institut (RKI) eine Zunahme. Aktuelle Zahlen sind jedoch noch nicht mit Steigungen verbunden: Bis zum 19. März 2025 wurden 816 TB-Fälle in Deutschland gemeldet. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 912.

Das RKI verweist darauf, dass etwa drei Viertel der in Deutschland diagnostizierten TB-Fälle Personen betreffen, die außerhalb Deutschlands geboren wurden. Migration durch Kriege und Krisen spielt hier wie bei anderen Infektionskrankheiten, zum Beispiel beim Anstieg von Masernfällen durch eine marokkanische Variante, eine Rolle für die Verbreitung von Infektionskrankheiten.

Tuberkulose-Fälle steigen: Jeder vierte Mensch trägt den Erreger in sich

Die Erreger, die auch als Mykobakterien bekannt sind, verbreiten sich über kleinste Tröpfchen beim Husten, Sprechen oder Niesen. Laut Deutschem Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) können Ansteckungen verhindert werden, indem Erkrankte isoliert und behandelt werden. Enge Kontaktpersonen im Umfeld des Erkrankten sollten schnellstmöglich untersucht werden. Die Bakterien können mit speziellen Immuntests nachgewiesen werden. Behandelt wird meist mit Antibiotika-Gabe. Zunehmende Resistenzen bereiten Medizinern allerdings Sorgen.

Tuberkulose-Fälle
Tuberkulose betrifft vor allem die Lunge. (Symbolbild) © Gregor Fischer/dpa

Sollte sich Husten bei Erkrankten über mehr als drei Wochen festsetzen und für sonstige Verhältnisse eher ungewöhnlich oder schlimmstenfalls blutig sein, ist eine Untersuchung auf Tuberkulose hin womöglich hilfreich. Hin und wieder werden die Symptome auch mit einer Lungenentzündung verwechselt. Häufige Symptome sind zudem:

  • allgemeine Schwäche
  • Appetitverlust
  • Gewichtsabnahme
  • leichtes Fieber
  • vermehrtes Schwitzen (vor allem nachts)

Es wird davon ausgegangen, dass jeder vierte Mensch weltweit den Erreger in sich trägt. Nicht jeder erkrankt daran und nicht jeder gibt ihn weiter. Infizierte können dem RKI zufolge innerhalb von ein bis zwei Jahren nach Ansteckung eine aktive Lungentuberkulose entwickeln. Kleine Kinder und immungeschwächte Person haben dafür ein erhöhtes Risiko. Neben der Lunge können auch Lymphknoten, das zentrale Nervensystem oder das Skelettsystem befallen sein.

Globales Ziel aller Akteure ist es nun, die Tuberkulose-Epidemie bis 2035 zu beenden. Von einer Eindämmung der derzeit größten Vogelgrippe-Welle kann in den USA gerade übrigens nicht die Rede sein. (diase)

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