Unternehmerfrühstück in Bad Grönenbach – Referent Dr. Florian Dorn informiert zur Wirtschaftslage

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Informatives Unternehmerfrühstück: Bad Grönenbachs Bürgermeister Bernhard Kerler, Referent Dr. Florian Dorn und Rüdiger Rieß (Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Bad Grönenbach). © Manfred Schilder

Zum Unternehmerfrühstück trafen sich kürzlich Vertreterinnen und Vertreter von regionalen Firmen in Bad Grönenbach. Referent Dr. Florian Dorn informierte zur aktuellen Wirtschaftslage in Deutschland.

Bad Grönenbach – Bernhard Kerler, Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Bad Grönenbach und Rüdiger Rieß, Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Bad Grönenbach hatten kürzlich gemeinsam zum Unternehmerfrühstück in den Postsaal Bad Grönenbach eingeladen. Rüdiger Rieß konnte neben den rund 50 Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern auch die Wolfertschwendener Bürgermeisterin Beate Ullrich sowie Vertreter des Gewerbeverbandes Bad Grönenbach begrüßen.

Mit Dr. Florian Dorn stand als Referent ein Wirtschaftsfachmann zur Verfügung. Der 38-jährige gebürtige Bad Grönenbacher arbeitet als Volkswirt seit 2016 am renommierten Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung und ist dort unter anderem als Direktor von EconPol Europe für die europaweite wirtschaftspolitische Information und Beratung zuständig.

Referent Dr. Florian Dorn informiert: Fehlende Planungssicherheit

Florian Dorn ging in seinem Impulsreferat, das mit „Wege aus der Schwäche – eine wirtschaftspolitische Agenda für Deutschland“ überschrieben war, zunächst auf die wirtschaftliche Lage unseres Landes ein.

Ein wichtiger Indikator, um einen möglichst repräsentativen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung geben zu können, ist der ifo Geschäftsklimaindex, den das Münchner Institut regelmäßig ermittelt. Im Rahmen der Ermittlung dieses bekanntesten und deshalb am stärksten beachteten deutschen Index seiner Art werden monatlich circa 7.000 Firmen nach ihrer aktuellen Wirtschaftseinschätzung befragt. Dabei geht es vor allem um die aktuelle Geschäftslage, aber auch um die wirtschaftliche Einschätzung der Unternehmen für das nächste halbe Jahr.

Dorn stellte fest, dass der Index seit 2021 einem Abwärtstrend folge, was bedeute, dass die deutsche Wirtschaft nicht gut dastehe und somit die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes und der Wohlstand gefährdet seien. Als Gründe nannte Dorn die Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik und die damit verbundene fehlende Planungssicherheit der Unternehmen, in deren Folge die Investitionstätigkeit massiv zurückgegangen und viel Kapital ins Ausland abgeflossen sei. „Wenn die Unternehmen nicht mehr investieren, entsteht nichts Neues“, so Dorn und weiter führe das zu steigenden Insolvenzen und höherer Arbeitslosigkeit.

Florian Dorn informiert über Herausforderungen für die Wirtschaft

Mittelfristig, so Dorn „stellen vier transformative Mega-Trends große Herausforderungen an die deutsche Wirtschaft“. Diese seien geopolitische und geoökonomische Veränderungen, der demographische Wandel und die Fachkräfteknappheit, der technologische Wandel und die digitale Transformation sowie Energiewende, Klimaschutz und Dekarbonisierung.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wieder zu steigern, seien daher mehrere Maßnahmen denkbar und aus Dorns Sicht sinnvoll. So sollten die hohen Energiesteuern, die dazu führten, dass deutsche Haushalte mittlerweile die höchsten Stromkosten in Europa tragen müssten, deutlich gesenkt werden, um zumindest auf ein durchschnittliches Preisniveau zu kommen.

Überbordende Bürokratie

Gleiches gelte für die Unternehmenssteuern, die mit rund 30 Prozent weltweit mit am höchsten seien. Lediglich in Australien und in Portugal müssten Unternehmen eine noch höhere Steuerlast tragen. Der immer wieder beschworene Bürokratieabbau müsse endlich ernsthaft verfolgt werden; denn Deutschland entgehe durch zu hohen Bürokratieaufwand knapp 150 Milliarden Euro pro Jahr an Wirtschaftswachstum.

In diesem Zusammenhang müsse auch die Digitalisierung und Vernetzung von Daten in der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben werden. Deutschland stehe hier weltweit am Ende der Tabelle, lediglich Rumänien sei in diesem Punkt noch schwächer.

Und schlussendlich müsse sich angesichts der Veränderungen der Arbeit Leistung und Fleiß wieder spürbar mehr lohnen. Deutschland habe gegenwärtig zwar eine Rekordzahl von Erwerbstätigen, allerdings sei unser Land mit Blick auf die durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden pro Beschäftigten im Jahr Schlusslicht im internationalen Vergleich. Und mit dem Renteneintritt der Babyboomer werde das Erwerbspersonenpotenzial schrumpfen und die Zahl der Erwerbstätigen in Zukunft sinken. Deshalb brauche es einen gewissen Grad an Zuwanderung, aber kontrolliert und gesteuert.

Frage der Finanzierung

Am Ende seiner Ausführungen versuchte Dorn eine Antwort auf die Frage der Finanzierung dieser Entlastung. Seines Erachtens gelinge das durch eine Senkung der hohen Staatsquote; denn Deutschland habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem.

Bürgermeister Kerler dankte in seinem Schlusswort Florian Dorn für das aufschlussreiche und interessante Referat und merkte an, dass auch die Gemeinden sehr dankbar wären, wenn die überbordende Bürokratie abgebaut würde.

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