Neues Gesicht für ältestes Ruderclubhaus Deutschlands am Starnberger See

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Starnberg

Kommentare

Treiben Sanierung und Umbau des MRC-Clubhauses voran: Zweite Vorsitzende Dr. Stefanie Monecke (2.v.l.) mit ihren Unterstützern Rolf Schuh (l.), Dr. Ulrike Mertz und Dietrich Falke. © Dagmar Rutt

Vor einigen Jahren drohte dem historischen Clubhaus des Münchener Ruder-Clubs noch der Abriss. Nun will der Verein das mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude sanieren und umgestalten – um es besser nutzen zu können und dem Originalzustand näherzukommen.

Starnberg - Nicht nur Starnberger dürften das älteste Ruderclubhaus Deutschlands, das noch genutzt wird, kennen. Denn die Heimat des Münchener Ruder-Clubs von 1880 (MRC) liegt direkt an der S-Bahn-Linie. 1884 erbaut im Schweizerhaus-Stil, schmücken zwei Türmchen das historische Gebäude an der Dampfschiffstraße 6. Ja, es ist ein Hingucker, aber auf den zweiten Blick ist eindeutig: Das Haus ist äußerst sanierungsbedürftig und entspricht nicht mehr den Anforderungen des Clubs mit rund 650 Mitgliedern.

Geschichtsträchtiges Gebäude: Das Clubhaus wurde um 1884 am Starnberger See errichtet. In der Loggia spielte der spätere König Ludwig III. Karten.
Geschichtsträchtiges Gebäude: Das Clubhaus wurde um 1884 am Starnberger See errichtet. In der Loggia spielte der spätere König Ludwig III. Karten. © MRC

„Fünf Jahre hält uns das Dach vielleicht noch“, sagt Dr. Stefanie Monecke beim Rundgang mit dem Starnberger Merkur. Die zweite Vorsitzende betreut die geplante Sanierung und Umgestaltung federführend, hat dabei aber ein großes Team um sich. Längst nicht nur das Dach gelte es zu erneuern, auch die Elektrik, Wasser- und Abwasserleitungen müssen ausgetauscht werden. Und grundsätzlich kann man sagen: Der Bau, dem noch 2018 der Abriss drohte und der seit 2020 unter Denkmalschutz steht, wird seine Erscheinung in den nächsten Jahren ziemlich ändern – innen wie außen.

Eine Postkarte von 1904: Die Fassade aus der Zeit 1895 bis 1935 soll wiederhergestellt werden.
Eine Postkarte von 1904: Die Fassade aus der Zeit 1895 bis 1935 soll wiederhergestellt werden. © MRC

Was hinterher sofort jeder sehen soll: „Wir wollen die Fassade aus der Zeit 1895 bis 1935 wiederherstellen“, sagt Stefanie Monecke. Heißt: Die Holzschindeln, die das Gebäude prägen, aber erst Mitte der 1970er-Jahre installiert wurden, kommen weg. Dafür kehren frühere Verzierungen an den Türmen, die übrigens nur in den ersten elf Jahren wachturmartig offen waren, zurück. Überhaupt: Die Struktur der Türme soll den Plänen nach wieder deutlicher zur Geltung kommen. Entscheidend dabei: Dort, wo heute vom See aus ein großes Glasfenster zu sehen ist, gab es früher eine Loggia. Die halboffene Sitzgelegenheit, sie soll nun wieder aufleben – nicht nur, aber vielleicht auch, weil Prinz Ludwig, später König Ludwig III., dort einst Karten spielte. „Sein Haferltarok“, erklärt Vereinshistorikerin Ulrike Mertz. Die Fassade erzählt laut Mertz aber auch noch eine andere Geschichte. Im unteren Bereich der Türme schimmert es Dunkelgrün durch, Hintergrund sei eine Verdunkelungsmaßnahme zum Schutz vor Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg.

Die historischen Holzspinde sollen vom Dachgeschoss nach unten wandern. Oben sollen Wände weichen, damit ein großer Trainingsraum mit Rudergeräten entstehen kann.
Die historischen Holzspinde sollen vom Dachgeschoss nach unten wandern. Oben sollen Wände weichen, damit ein großer Trainingsraum mit Rudergeräten entstehen kann. © Dagmar Rutt

Geschichtsträchtig ist der Bau auch innen: Von der heutigen Männerdusche führt eine kleine weiß-blaue Wendeltreppe ins Dachgeschoss. Sie wurde zwar mal versetzt, sei wegen ihrer Originalität aber trotzdem mitentscheidend für den Denkmalschutz gewesen, erklärt Mertz. Oben angekommen, erscheinen historische Spinde aus Holz, die nach wie vor genutzt werden. Sie sollen aber künftig im Erdgeschoss Platz finden. Denn unterm Dach sollen sämtliche Wände raus. Ein 120 Quadratmeter großer Trainingsraum ist dort vorgesehen. Die Ruderergometer stehen derzeit im Saal im ersten Stock. Eigentlich kein Zustand, zumal dort eines Tages wieder Veranstaltungen möglich sein sollen. Und Vizevorsitzende Monecke betont auch den sportlichen Aspekt: „Wer vorne mitfahren will, muss auch im Winter aufs Ergometer.“

Die Wendeltreppe von der Männerdusche ins Dach war 2020 mit ausschlaggebend für den Denkmalschutz.
Die Wendeltreppe von der Männerdusche ins Dach war 2020 mit ausschlaggebend für den Denkmalschutz. © Dagmar Rutt

Ein großes Thema beim überfälligen Umbau des Clubhauses ist auch der Brandschutz. Für den zweiten Rettungsweg haben die Verantwortlichen eine charmante Lösung gefunden. Auf der Rückseite des Gebäudes (wo der Parkplatz ist), soll eine am Dach aufgehängte Treppe auf einen Vorbau führen.

Die Machbarkeitsstudie habe bei einer Mitgliederversammlung 90 Prozent Zustimmung erhalten, sagt Monecke. Die Planungen gehen nun ins Detail. Wenn alles gut geht, könnten die Bauarbeiten im Sommer 2026 beginnen.

Auch interessant

Kommentare