Ein spannendes Jahr neigt sich dem Ende zu. Doch die Themen, die die ARD in ihrem „Jahresrückblick 2025“ präsentiert, sind wenig überraschend: Die Wahl von Friedrich Merz zum Kanzler ist dabei, ebenso wie Nahost, US-Präsident Donald Trump, der Klimawandel, der Ukraine-Krieg und die darbende deutsche Wirtschaft.
Es geht um den Anschlag am australischen Bondi Beach, um deutsche Kultur, sportliche Höhepunkte und die Verstorbenen des Jahres. Die Mischung ist vorhersehbar. Überraschend – oder wohl eher irritierend – ist jedoch eine Art „betreutes Fühlen“, das die ARD in den Personen von Ingo Zamperoni, Anna Planken und der Tatort-Schauspielerin Stefanie Reinsperger gleich mitliefert. Die Oberflächlichkeit hat dabei das Zeug zum Fremdschämen.
Über den Tod der 31-jährigen Laura Dahlmeier im Juli 2025 in Pakistan sagt Moderatorin Planken etwa: „Sie hat extreme Situationen gesucht. Ja, dann ist das eben so.“ Ihre Kletter-Expertise liefert Planken gleich mit: „Ich gehe selbst gern in die Berge.“ Das klingt fast zynisch, ist aber wohl nur ziemlich unbedarft.
ARD-Jahresrückblick 2025: Wenn Pudding-Trends wichtiger sind als Weltpolitik
Manchmal muss man sich als ARD-Zuschauer wahrlich schütteln, wenn die Ereignisse des Jahres auf diese Art kommentiert werden. Es ist offensichtlich, dass vor allem die Damen im Kommentatoren-Trio wenig Erhellendes beizutragen haben. Während Ingo Zamperoni mit seinen Einlassungen noch halbwegs Sinnvolles beisteuert, sind die Frauen in der Runde vom Substanziellen weit entfernt.
Einschätzungen wünscht man sich anders. „Ich bin gar kein Swiftie“, erklärt Anna Planken über den weltweiten Taylor-Swift-Hype. Und Reinsperger ergänzt zum Radspektakel Tour de France: „Wenn die da so herumfahren, da bin ich nicht so drin.“
Mehr „drin“ ist die Schauspielerin offenbar beim bizarren Trend des Jahres, bei dem Menschen Pudding mit der Gabel essen und das Ganze ins Netz stellen: „Man spart die Löffel. Cool.“ „Ne Gabel im Pudding? Nö“, meint hingegen Planken. Welchen Wert haben solche Dialoge für die Menschen auf dem heimischen Sofa?
Wirtschaftskrise und Regierungsschock: Bauchgefühl ersetzt profunde Analyse
Offenbar dachten die Macher, dass die Themen von 2025 „lockerer“ wirken, wenn man sie von einem Trio bewerten lässt. Die Frage ist nur: Was bringt das? Moderatorin Anna Planken erklärt zur Wirtschaftskrise in Deutschland, bei der in einem Jahr 120.000 Arbeitsplätze in der Industrie weggefallen sind: „Wir stehen nicht ganz oben. Wir können mehr. Aber so schlecht ist Deutschland gar nicht.“
Bezüglich der Regierungskrise in Frankreich macht sich Planken lediglich „totale Sorgen“. Und mit Blick auf die Befreiung der israelischen Geiseln aus den Händen der Hamas wertet sie: „Dass es zu einem Abkommen zwischen der Hamas und Israel gekommen ist, das hat, glaube ich, keiner gedacht. Das ist dann eine Sache, zu sagen: Okay, das haben andere nicht geschafft.“ Ein diffuses Bauchgefühl ersetzt hier einen profunden Fachkommentar. Liebe ARD, statt Palaver wäre hier eine echte Einordnung angesagt gewesen.
Trump und der Klimawandel: „Das war krass“ als journalistisches Urteil?
Große, weltbewegende Themen werden profan wegkommentiert, als sei auf einer Party nur mal eben der Sekt warm geworden. Zum Klimawandel, der auch 2025 Umweltkatastrophen nach sich zog, meint Stefanie Reinsperger: „Es ist unsere Erde, von der wir sprechen, und wir machen sie sehenden Auges kaputt.“
Auch Planken gibt kein Wissen, sondern stets nur ihre Gefühlslage preis. Über das Treffen im Oval Office im Februar 2025, als Trump den ukrainischen Präsidenten auf der Weltbühne vorführte, erklärt sie: „Dieses Treffen im Weißen Haus war ganz schlimm. Eigentlich möchte man schreien und aufstehen und sagen: Was ist das für ein falscher Film? Dass da jemand so an die Wand gestellt wird und gedrückt wird und eigentlich kaum noch atmen kann. Das war krass.“
Vom Bildungsauftrag sind solche Schlichtheiten weit entfernt. „Dass das jetzt so ein dickes Ding ist, ist cool!“, findet Planken. Das sagt sie allerdings nicht über diesen Jahresrückblick, sondern über den EM-Titel der deutschen Basketballer im vergangenen September.
Ingo Zamperoni als Lichtblick: Fakten-Check statt „Betreutes Fühlen“
Vielleicht sollten sich die beiden Frauen etwas von Ingo Zamperoni abschauen. Er kommentiert zwar auch mit leichter Zunge, baut aber Zusatzinformationen ein, die einen anderen Aspekt einbringen. Der Moderator, der mit einer US-Amerikanerin verheiratet ist, erklärt etwa zu Präsident Trump: „Wir haben im Bekanntenkreis eine Menge Leute, die sagen, das ist der beste Präsident, den wir zu Lebzeiten haben. Der liefert in meinem Sinne. Trump ist ziemlich gut darin, den Finger in die Wunde zu legen. Das aber ist auch ein Merkmal von Populisten.“
Zur deutschen Wirtschaftskrise meint der Tagesthemen-Mann: „Das sind reale Probleme. Und doch werden so viele Patente in Deutschland angemeldet, haben wir so einen starken Mittelstand, haben wir so viele Unternehmen im Land, die etwas riskieren.“
Hier wird Meinung mit Denk-Bausteinen untermauert – ein faktischer Mehrwert. Denn Emotionen haben die Zuschauer schließlich selbst.