Bizarrer Trend: Warum die Gen Z in deutschen Parks jetzt Pudding mit der Gabel isst

Es ist ein milder Herbstabend in Stuttgart. Auf einer Wiese am Feuersee im westlichen Teil der Stadt sitzen Hunderte junger Menschen nebeneinander, in der Hand keine Bierflasche, kein Handy – sondern ein Becher Pudding und eine Gabel. Die Menge stimmt einen Countdown an: „Zehn, neun, acht …“. Dann wird kollektiv losgegabelt.

Gen Z isst Pudding mit Gabel: Wie aus einer absurden Idee ein viraler Flashmob wurde

Ähnliche Szenen spielten sich in der letzten Woche auch in Köln, Münster oder Hannover ab. Angefangen hat alles in Karlsruhe. Ein an eine Ampel geklebter Zettel lud Ende August zum ersten „Pudding-mit-Gabel-Treffen“ ein. Kaum hatte eine große Meme-Seite den Aufruf auf TikTok geteilt, kamen Dutzende, bald Hunderte. 

Die Bilder von Jugendlichen, die lachend ihren Pudding mit dem falschen Besteck anstachen, verbreiteten sich viral. Inzwischen finden ähnliche Flashmobs in ganz Deutschland statt und auch in Wien gab es ein kollektives Puddingessen samt Gabel. In einigen Städten werden schon Flyer für Wiederholungen verteilt. 

Das Spektakel folgt hierbei einer klaren Choreografie: Der Countdown, das gleichzeitige Öffnen der Puddings, dann die ersten Lacher, wenn die Süßspeise hilflos zwischen den Gabelzinken hindurchtropft. Unter den TikTok-Clips der Pudding-Flashmops häufen sich längst die Kommentare – allen voran mit der Frage: Was soll das Ganze eigentlich?

Experte: „Junge Menschen sind zunehmend von Einsamkeit betroffen"

„Ich glaube, es geht nicht primär darum, Pudding mit der Gabel zu essen, sondern sich mit Leuten zu connecten und Spaß zu haben“, erklärt die junge Kölnerin Josi, die das Event in ihrer Stadt initiiert hat, einem neugierigen Teilnehmer.

Ganz ähnlich beschreibt es ein junger Mann in Stuttgart gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“: „Ich mache das vor allem, weil es lustig ist und weil man mal rauskommt und Leute trifft“, meint er – kurz bevor er mit der Menge begeistert den Countdown anstimmt.

Dass es bei dem bizarren Trend gar nicht in erster Linie um den Pudding geht, sondern vielmehr ums Miteinander, betont auch der Sozial- und Jugendforscher Kilian Hampel im Gespräch mit dem „WDR“: „Auch junge Menschen sind zunehmend von Einsamkeit betroffen. Ein Treffen mit so vielen Gleichaltrigen, die man sonst nur digital sieht, kann eine befreiende Erfahrung sein.“ 

Genau darin liege die Anziehungskraft: Das scheinbar Sinnlose werde bewusst gefeiert – und schaffe so einen Raum für Begegnung. Weil ein Pudding kaum etwas koste, sei die Hürde mitzumachen außerdem besonders niedrig.

Jugend im Dauerkrisen-Modus

Hampel, Mitautor der Studie Jugend in Deutschland 2025, verweist außerdem auf die Lage der jungen Generation: „Viele Jugendliche leben seit Jahren im Dauerkrisen-Modus“, erklärt er im „WDR“. Pandemie, Inflation, Kriege – all das habe den Alltag geprägt. „Natürlich ist das sehr wichtig. Aber irgendwann sagen sie sich auch: Lasst mich doch bitte mal meine Jugend genießen.“  

Klar ist: Die Zahl der Depressionen bei jungen Menschen steigt deutlich. 2024 gab es 409.000 Betroffene im Alter von fünf bis 24 Jahren, wie eine Auswertung des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung ergab. Dies waren demnach knapp 30 Prozent mehr als fünf Jahre davor. 

Diese Stimmungslage spiegelt sich auch in den Kommentarspalten unter den Pudding-Posts wider. Unter einem der meistgeklickten TikTok-Videos schreibt eine junge Frau: „In unserer heutigen Welt voller Probleme, Ängste und Frust echt mal ein witziges Event voller Leichtigkeit.“

Ob der Trend in wenigen Tagen wieder verpufft oder gar zum festen Ritual wird, ist offen. Aber für einen kurzen Augenblick schafft ein Pudding mit Gabel für junge Menschen offenbar gerade genau das, wonach viele in der Gen Z suchen – ein bisschen Leichtigkeit, Digital-Detox und das Gefühl, nicht allein zu sein.