B304: Frust im Kampf gegen Raser

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200 Meter vor dem Ortseingang von Karlsfeld gilt für Autofahrer weiterhin Tempo 80. Der Wunsch der Gemeinde, die Höchstgeschwindigkeit hier zu senken, lehnt das Landratsamt ab. © hab

Seit Jahren bemüht sich die Gemeinde Karlsfeld, die Geschwindigkeit auf der B304 zu drosseln. Doch das Landratsamt hat den gewünschten Geschwindigkeitsrichter abgelehnt – sehr zum Ärger der Gemeinderäte. Die Gemeinde will die Raser nun mit anderen Mitteln ausbremsen.

Sie ist eine der meistbefahrenen Straßen im Landkreis Dachau: die B304. Sie leitet den Pendlerverkehr von München ins Hinterland und umgekehrt. Für die Gemeinde Karlsfeld ist sie aber vor allem eins: ein Ärgernis. Seit Jahren bemühen sich die Kommunalpolitiker, dort das Tempo der Autofahrer zu drosseln und den Verkehr für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen. Allerdings mit wenig Erfolg. Den gewünschten Geschwindigkeitsrichter wie vorm Ortseingang Dachau, der das Tempo bei 400 Metern auf 80 km/h, bei 200 Metern auf 60 km/h und beim Ortsschild schließlich auf 50 km/h drosselt, lehnt das Landratsamt vor dem Ortseingang in Karlsfeld jedoch ab. Die Entscheidung stieß in Karlsfeld auf heftige Kritik.

Auf der gleichen Straße, zwei Kilometer nördlich, gilt für Autofahrer 200 Meter vor dem Ortseingang von Dachau bereits Tempo 60. Das wollen die Karlsfelder Gemeinderäte nun auch haben.
Auf der gleichen Straße, zwei Kilometer nördlich, gilt für Autofahrer 200 Meter vor dem Ortseingang von Dachau bereits Tempo 60. Das wollen die Karlsfelder Gemeinderäte nun auch haben. © hab

Wie die Verwaltung im Umwelt- und Verkehrsausschuss Karlsfeld am Mittwochabend mitteilte, seien die Voraussetzungen für einen Geschwindigkeitsrichter vor Karlsfeld nicht gegeben. Um einen solchen zu bekommen, müssten Ortstafel und Ampel aus 100 Metern Entfernung nicht mehr erkennbar sein. Anders als vor Dachau trifft dies laut den Behörden in Karlsfeld allerdings nicht zu. Sogar aus 250 Metern ließen sich Ampel und Ortsschild gut erkennen. Karlsfelds Gemeinderäte sehen das anders.

„Das ist von vorne bis hinten nicht nachvollziehbar“, findet Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU). Da Ampel und Ortstafel leicht gedreht seien, könne man ihm zufolge aus 250 Metern Entfernung vor Karlsfeld „einen Schmarrn“ erkennen. Bei Nacht würde man dies sehen, räumte er zwar ein, am helllichten Tag sei dies jedoch keineswegs ersichtlich. Laut Wanka liegt das Problem hier bei „den ausführenden Behörden, die im Geist der 80er Jahre Stellungnahmen schreiben“. Wanka ist überzeugt: „Die Straßenverkehrsordnung wird unterschiedlich ausgelegt. Hier wieder zu unseren Lasten.“

Das hat mit moderner Verkehrsplanung nichts zu tun.

Zuletzt lehnte das Landratsamt Dachau ein Tempolimit von 80 auf der gesamten autobahnähnlichen Strecke zwischen Dachau und Karlsfeld ab. Wie berichtet, stellte die Behörde der Gemeinde immerhin in Aussicht, das Tempo-80-Schild wenige Meter vor dem Ortseingang von Karlsfeld durch ein Tempo-70-Schild zu ersetzen. „Das ist motorisierter Individualverkehr der 80er-Jahre. Das hat mit moderner Verkehrsplanung nichts zu tun“, schimpfte Wanka.

„Eine große Kreisstadt darf solche Themen alleine behandeln, wir als Gemeinde rutschen auf Knien wieder zum Betteln, um ein wenig Verkehrssicherheit zu bekommen“, sagte Wanka frustriert. Bei der B304 ist es nämlich so, dass für ein und dieselbe Straße zwei unterschiedliche Verkehrsbehörden zuständig sind: vor Dachau die große Kreisstadt selbst und vor Karlsfeld das Landratsamt.

Auch die anderen Gemeinderatsfraktionen stimmten Wanka zu. Peter Neumann (Bündnis für Karlsfeld) sprach etwa von einem Unfallschwerpunkt, den es an der Ortseinfahrt geben würde. Wie Christian Olschowsky, Leiter des Sachgebiets Verkehr bei der Polizei Dachau, auf Nachfrage jedoch mitteilt, handelt es sich bei der B304 innerorts, auch als Münchner Straße bekannt, zwar um die Hauptunfallstrecke des Landkreises Dachau, der Hauptunfallknoten ist laut Polizei allerdings nicht an der Ecke Hochstraße/Bayernwerkstraße, sondern an der Ecke Bajuwarenstraße.

Das Problem mit den Rasern will die Gemeinde Karlsfeld jetzt auf anderem Weg lösen: nämlich mit einem Blitzer. Auf Anfrage von Grünen-Gemeinderat Thomas Nuber lässt die Verwaltung nun prüfen, ob und wie eine sogenannte semi-stationäre Blitzanlage, ein Gerät, das mehrere Tage autonom und unbeaufsichtigt betrieben wird, am Ortseingang von Karlsfeld errichtet werden kann.

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