Der Solarpark Dorfen soll Mitte 2025 in Betrieb gehen. Ein großer Stromspeicher und Crowdfunding für die Bürger Dorfens und aus der Umgebung sind zwei Besonderheiten des Projekts.
Dorfen – Die Energiewende findet auf dem Land statt. Anders als in der Stadt gibt es Platz für Solarparks und Windräder. Dieses Prinzip wird in Dorfen schon umgesetzt. Dort wird heute schon mehr Sonnenstrom produziert, als im Stadtgebiet verbraucht wird. „Wir sind ein Ausspeisenetz“, sagt Sebastian Heiß, Kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Dorfen. Nun steht ein weiteres Projekt kurz vor der Vollendung, das diese Bilanz weiter verbessert: der Solarpark Dorfen, ein Projekt der Stadtwerke zusammen mit drei weiteren Geschäftspartnern. Am Freitag war offizieller Spatenstich – quasi nachträglich, denn der Bau ist schon sehr weit fortgeschritten.
Jahresbedarf von 1280 Haushalten
Auf einem knapp 3,6 Hektar großen Grundstück im Ortsteil Kaidach werden derzeit PV-Module mit einer Gesamtleistung von 3,2 Megawatt (Peak) installiert – nicht direkt neben der A94, aber südlich davon sehr nah dran. Ähnlich wie ein geplantes Projekt der Energievision Landkreis Erding Projekt㈠entwicklungs GmbH (EVE) am anderen Ende des Landkreises: Die Freiflächenanlage soll auf Gemeindegebiet Eitting an der A92 liegen, aber mit einer Leistung von 7,7 MWp mehr als doppelt so groß sein.
Die Dorfener Anlage wird Mitte des Jahres laufen und ab dann etwa zehn Prozent des Strombedarfs in der Stadt erzeugen, so Heiß: 3,2 Gigawattstunden Strom. Das entspreche dem Jahresbedarf von 1280 Haushalten, allerdings gerechnet mit sparsamen 2500 Kilowattstunden im Jahr.
Zwei Besonderheiten hat das Projekt: einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 2,5 Megawattstunden und die Beteiligung der Menschen vor Ort. Bürger aus Dorfen und der Umgebung könnten davon profitieren, indem sie sich über ein Nachrangdarlehen daran beteiligen, heißt es in einer Pressemitteilung der Energie Südbayern (ESB). Das Interesse daran sei groß. Die Zeichnungsphase für dieses Crowdfunding beginnt an diesem Montag und ist über die Homepage der Direktbank DKB erreichbar.
Die Betreibergesellschaft Solarpark Dorfen besteht aus vier Geschäftspartnern: Stadtwerke Dorfen, ESB, der Firma Solea und der Familie Spranger als Flächeneigentümer. Heiß und ESB-Manager Josef Lipp sind die beiden Geschäftsführer.
„Ich bin stolz auf die Vorreiterrolle, die Dorfen damit bei der Nutzung Erneuerbarer Energien einnimmt“, erklärte Bürgermeister Heinz Grundner beim Spatenstich. Hier werde Strom aus der Region für die Region produziert.
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„Wir haben Mitte 2020 mit der Planung angefangen“, berichtete Heiß. Seitdem seien einige große Freiflächenphotovoltaikanlagen projektiert worden. Die Umsetzung sei aber oft an den unsicheren Rahmenbedingungen gescheitert. Vor allem der Netzanschluss erweist sich immer öfter als Hindernis. „Wir schließen an das Netz der Stadtwerke Dorfen an“, erklärte Heiß.
Alleine der Solarpark Dorfen wird nach seiner Auskunft nahezu eine Kapazität haben, wie im ganzen vergangenen Jahr in Dorfen entstanden ist. Der Zubau habe hier 3,9 Megawatt betragen, im Landkreis Erding waren es 26,2 Megawatt. „2024 war ein Boomjahr“, erklärt Heiß. Zum Vergleich: 2022 lagen diese Werte bei 1,7 und 11,2 Megawatt.
Der Solarpark Dorfen hat mit seinem Konzept samt Stromspreicher bei einer Innovationsausschreibung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) einen Zuschlag erhalten. Das garantiere nun einen festen Abnahmepreis für den Sonnenstrom, erläutert Heiß auf Nachfrage. Der Tarif liege zwischen sieben und zehn Cent pro Kilowattstunde, genauer wollte er nicht werden.
Option: Anschluss ans Stadtwerke-Netz
Diese vertragliche Sicherheit habe bei der Finanzierung des Projekts geholfen, so der Geschäftsführer. Das Arrangement könne man aber auch monatlich kündigen. Eine Alternative ist der freie Börsenhandel, wo Strompreise sehr stark schwanken – oder der Stromverkauf an die Stadtwerke Dorfen. Das sei durchaus eine Zukunftsperspektive, lässt Heiß durchblicken.
„Wir werden Ende Mai ans Netz gehen können“, erklärte Anton Schweiger, Geschäftsführer von Solea. Einen Wunsch habe er an die Politik: Bisher werden große Photovoltaikanlagen bei Überproduktion im gesamten Stromnetz vom Netzbetreiber abgeriegelt. Nicht einmal ein Betrieb für den Eigenverbrauch funktioniert dann mehr. Diese Regelung müsse umgestaltet werden, forderte Schweiger.