Theaterdonner auf hoher See: Putin lässt Seedrohnen-Klon heftig krachen

  1. Startseite
  2. Politik

Kommentare

Das Maß der Dinge: Eine mit Raketen bestückte Magura-Drohne ukrainischer Bauart, wie sie im Mai in Kiew vorgestellt worden ist. Russland versucht jetzt, diese Waffe zu klonen. Bisher mit mäßigem Erfolg © IMAGO/Danylo Antoniuk

Russland testet erstmals öffentlich Seedrohnen, um als Marine nicht bald ausgebootet zu werden. Die Ukraine lächelt dazu: Putin gilt als Papiertiger.

Moskau – „Sie verfügen derzeit nicht über die notwendigen Fähigkeiten, USVs einzusetzen. Sie arbeiten zwar hartnäckig daran, aber wir können heute noch nicht von nennenswerten Erfolgen sprechen“, sagt „Dreizehnter“ – den Kommandeur der maritimen Drohneneinheit der Gruppe 13 hatte im April das Magazin Militarnyi befragt zu Wladimir Putins Fortschritten im Bau von Uncrewed Surface Vessels, USV, also Marinedrohnen; jetzt könnte „Dreizehnter“ eines Besseren belehrt worden sein. Russland habe sich während des laufenden Ukraine-Kriegs auf dem Wasser zurückgemeldet – mit einem exorbitanten Knall. Auf den die Nato gut hören sollte, wie der Business Insider (BI) empfiehlt.

Mit explodierenden Marinedrohnen hat Russland jetzt Dummies von Überwasserschiffen versenkt und medienwirksam via X publiziert. Jake Epstein zufolge habe das russische Verteidigungsministerium damit Aufnahmen der Marineübung „July Storm“ veröffentlicht. Diese öffentlich gemachte Demonstration habe gezeigt, wie Streitkräfte der Baltischen Flotte unbemannte Überwasserdrohnen einsetzten, um ein vorgetäuschtes feindliches Schiff zu zerstören, so der BI-Autor. Demnach habe sich Russland auf der internationalen Bühne als kommende Seemacht auch mit Überwasserdrohnen präsentieren wollen. Wie Epstein mutmaßt, sei die Demonstration aber für die Ukraine als Signal unpassend – ihr fehlen die zu zerstörenden Überwasserschiffe. Dafür empfiehlt der Autor der Nato, hellhörig zu werden.

Putins „July Storm“: Übung des Einsatzes fortschrittlicher Technologie, einschließlich unbemannter Systeme

Unter dem Übungs-Namen „July Storm“ vom 23. bis 27. Juli „werde die Bereitschaft der Flotte für nicht standardmäßige Operationen, den Einsatz von Langstreckenwaffen und anderer fortschrittlicher Technologie, einschließlich unbemannter Systeme, getestet“, hatte das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt, wie Reuters berichtete. Die Flotte werde außerdem üben, „Angriffe mit Luftwaffen, unbemannten Booten und feindlichen Drohnen abzuwehren, die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten und feindliche Ziele und Marineverbände anzugreifen“, so die Nachrichtenagentur über die offizielle Darstellung des Manövers in der Ostsee sowie in der Arktis. Die Veröffentlichung durch die Russen soll vor allem durch den erheblichen Knall der Drohnen-Detonation Aufsehen erregt haben – quasi Theaterdonner, wie United24 nahe legt.

„Sie verwendeten experimentelle Modelle. Sie brachten keine Ergebnisse. Sie detonierten, bevor sie unsere Hoheitsgewässer erreichten. Unseren Informationen zufolge waren sie auf dem Weg zur Stadt Juschne und suchten dort nach Zielen.“

Das ukrainische Nachrichtenportal führt das zurück auf die hohe Nutzlast, „die russische Quellen als Durchbruch darstellten“, so Iwan Chomenko. Damit lässt der United24-Autor durchblicken, dass die Russen vornehmlich Eindruck schinden wollten. Das Übungsszenario sei entsprechend realitätsfern gewesen, so Chomenko: „Die Situation imitiert einen Schiffsangriff, aber die Bedingungen – ruhige See, unbewegliches Ziel, keine Verteidigung – lassen eher auf eine Demonstration als auf ein Kampfszenario schließen.“ Dennoch präsentiert die angeschlagene Seemacht Russland aggressive Innovationsbereitschaft gegenüber der Nato, der in der Seedrohnen-Technik auch noch kein Quantensprung gelungen ist – weder zu Lande noch in der Luft.

André Uzulis urteilt, Moskau versuche seine verschlechterte strategische Position durch zunehmende Aggressivität auszugleichen, wie er im Bundeswehr-Reservistenmagazin loyal ausbreitet. Die Ostsee bildet inzwischen die Nahtstelle zwischen einer deutlich verstärkten Nato sowie eines Russlands unter Putins Herrschaft, der durch die Verstärkung der Verteidigungs-Allianz durch Schweden und Finnland die erste krachende strategische Niederlage im Zuge des Ukraine-Krieges hat erleiden müssen. „Die Ostsee wirkt bereits seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2014 wie ein Brennglas der angespannten Beziehungen zwischen der Nato und der Russischen Föderation“, zitiert loyal den Politikwissenschaftler Julian Pawlak vom Bundeswehr-Thinktank GIDS in Hamburg.

Putins Täuschungsmanöver: „Revolutionäre“ Seedrohne eher reiner Klon der ukrainischen Magura-Drohne

Iwan Chomenko stellt die „revolutionäre“ Seedrohne, wie er betont, als reinen Klon der ukrainischen Magura-Drohne da. Überhaupt sei dieser Angang von Putins Marine lediglich ein neuer Versuch, den Erfolg der Ukraine nachzuahmen. Ihm zufolge habe das russische Unternehmen KMZ im Jahr 2023 einen Prototyp namens „Oduvanchik“ vorgestellt, „ein Drohnenboot mit einem verdächtig vertrauten Design“, wie Chomenko schreibt. Defence Blog hat berichtet, dass auf einer Messe Ende 2024 in Moskau mehrere Modelle unbemannter Boote vorgestellt worden waren: „Orkan“, „BEK-1000“ und „Vizir“, so die Namen. Das Magazin fügt aber hinzu, dass für keines der Ausstellungsstücke die Tauglichkeit thematisiert worden war. Offensichtlich waren das lediglich Machbarkeitsstudien.

„Katran“ betitelt Russland seine vermeintlich tauglichste Marinedrohne, die erstmals im Mai öffentlich diskutiert worden war. Auf den veröffentlichten Bildern ähnelt die Katran-Drohne stark ihrem ukrainischen Pendant, sieht aber deutlich unbehauener aus. Wie der Defense Express behauptet hat, existierten mehrere Prototypen, „die entweder mit Skvorets-VMF-FPV-Drohnen oder einem ferngesteuerten Turm mit einem 12,7-mm-Kord-Maschinengewehr ausgestattet sind“, schreibt das Magazin. Auch Versionen mit seitlichen Schwimmkörpern sollen existieren, also eher die Stabilität eines Trimaran nachahmen. Defense Express behauptet, die Schwachstelle der russischen Marinedrohne sei das fehlende Starlink-System zur Steuerung. Laut dem Magazin würde die Drohne über Funk gelenkt, was die Reichweite senke und die Störanfälligkeit erhöhe.

Putin plant den Terror: Häfen und Offshore-Türme gelten als Ziel der russischen Drohnen

Dennoch scheint Russland Angst zu haben, technisch ins Hintertreffen zu geraten gegenüber der Ukraine, die mit ihren Drohnen die Schwarzmeer-Flotte aus ihrem Operationsgebiet gedrängt hat, und gegenüber der Nato, die anscheinend längst versuche, Drohnen in die Operationen ihrer Seestreitkräfte einzubinden. Sollte im Westen die Götterdämmerung der großen Kampfschiffe zugunsten von Drohnenbooten einsetzen, wäre Russland zumindest über Wasser schnell aus allen Meeren vertrieben – Russland bliebe dann eine Macht nur noch unter dem Wasserspiegel. Wie der Defense Express vermutet, ziele Russland aber auf keine direkte Konfrontation mit Nato-Schiffen, sondern arbeite eher an Wirkmitteln für Terrorangriffe auf Infrastruktur: Häfen und Offshore-Türme gelten als Ziel der russischen Drohnen, so das Magazin.

Daher sei Russland auch an der Entwicklung einer Unterwasserdrohne gelegen – ein Video auf X soll deren Existenz belegen, beinhaltet aber faktisch keine Informationen, außer dass ein Körper knapp unterhalb der Wasseroberfläche dahin saust. „Um nicht unvorbereitet zu sein, müssen wir Systeme zur Erkennung und Zerstörung von Angriffsbooten entwickeln. Auch FPV-Drohnen können diese Aufgaben erfolgreich bewältigen. Das Wichtigste ist, ein einheitliches Verteidigungssystem zu schaffen“, zitiert Defense Express Serhii Beskrestnov – der Spezialist für Kommunikation, elektronische Kriegsführung und Radarsysteme geht davon aus, dass durch diese neuen Entwicklungen auch ukrainische Seeinfrastruktur und Häfen im Zuge des Ukraine-Krieges bedroht sein können.

Putins Ankündigung wirkungslos: „Unbemannte Regimenter existieren nur auf dem Papier“

Eine Angst, die Kyrylo Budanow für vorerst unbegründet hält, wie der Leiter des ukrainischen Verteidigungsnachrichtendienstes (GUR) gegenüber dem Magazin Defence Blog Anfang Juli geäußert hat. Russlands letzte Versuch sei erst Anfang Juni fehlgeschlagen, wie er angibt: „Sie verwendeten experimentelle Modelle. Sie brachten keine Ergebnisse. Sie detonierten, bevor sie unsere Hoheitsgewässer erreichten. Unseren Informationen zufolge waren sie auf dem Weg zur Stadt Juschne und suchten dort nach Zielen.“

Flankierend zur Realisierung von funktionstüchtigen Wasserfahrzeugen will die russische Marine wohl den Drohnenkrieg auch strukturell führen lernen. Laut United24 habe die russische Admiralität die Bildung eigener Marinedrohnenregimenter angekündigt. Dem Portal zufolge sollen diese Einheiten Luft-, Boden-, Oberflächen- und Unterwasserplattformen gleichermaßen betreiben und aufgrund dieser Querschnittstruktur „Aufgaben von Aufklärung über Angriffsmissionen bis hin zur Minenräumung erfüllen“, so Autor Chomenko. Auch da beuge sich Russland wohl den verlustreichen Lehren aus dem Kampf um das Schwarze Meer.

Nach vorläufigen Angaben sei die Aufstellung von mindestens fünf solcher Regimenter geplant, so Militarnyi: Drei davon sollen dem Magazin zufolge im europäischen Teil Russlands stationiert werden, die anderen beiden in der Pazifikflotte. Die Katran-Drohne soll dabei als Startplattform für weitere fliegende oder schwimmende Drohnen dienen. Für den kampferprobten Kommandeur „Dreizehnter“ offenbar eine momentan zu vernachlässigende Ankündigung, wie er gegenüber Militarnyi geäußert hat: „Unbemannte Regimenter existieren nur auf dem Papier.“

Auch interessant

Kommentare

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/ukraine-krieg-russland-putin-selenskyj-drohnen-verluste-nato-magura-zr-93865951.html