Spieler und Fans des TSV 1860 reagieren auf Ismaik-Hammer

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Die Vorfreude auf die neue Saison scheint im Löwen-Fanlager weiter ungetrübt zu sein. © Ulrich Wagner/Imago

Mehrere tausend Fans strömen zum Fanfest des TSV 1860. Die Stimmung? Munter und euphorisch, trotz des geplatzten Investor-Deals.

München – „Mein Kollege kam ins Büro reingestürmt und fragte nur: ‚Hast dus auch schon gelesen?‘“, erzählt ein Fan des TSV 1860 München auf dem Fanfest an der Grünwalder Straße 114. „Als er mir die Nachricht zeigte, dachte ich, das wäre ein schlechter Scherz.“ Tatsächlich war er nicht der einzige, der aus allen Wolken fiel, als sich am vergangenen Freitag (18. Juli) die Nachricht verbreitete, dass der Deal des neuen Investors geplatzt sei und Hasan Ismaik bei den Löwen bleibe.

„Wie ein schlechter Film“: Fans des TSV 1860 reagieren auf geplatzten Investor-Deal

„Typisch Sechzge hoid“, „Mei, des is hoid Sechzge“, „Mia schaffans immer zu überraschen“ – der Tenor der Löwen-Fans klang wie einstudiert. Dem ersten Schock auf die Nachricht folgte bei vielen die Ernüchterung, aber auch die Einsicht, dass wohl alles beim Alten bleibt.

„Es war zu schön, um wahr zu sein“, meint ein weiterer Fan. Ismaik weg, Sechzig schuldenfrei, dazu „unglaubliche Transfers“. Der Euphorie und den Träumen schienen im Fanlager keine Grenzen gesetzt zu sein. Doch es folgte das erbarmungslose Erwachen, das so manchem „wie ein schlechter Film“ vorkam. Doch wer trug die Schuld an dem Chaos?

„Herzlichen Dank, Herr Reisinger, für ihr Abschiedsgeschenk“

Bei dieser Frage waren sich die Löwen-Fans nicht ganz einig. Klar zu erkennen war jedoch: Der ehemalige Präsident Robert Reisinger kam nicht gut weg. „Herzlichen Dank, Herr Reisinger, für ihr Abschiedsgeschenk“, sagte ein Fan sarkastisch. Auf der Mitgliederversammlung (6. Juli) „tönte er noch, dass der Deal in trockenen Tüchern ist und jetzt sowas? Das geht gar nicht“.

Andere zeigten sich einsichtig und beschwichtigten: „Jeder Mensch macht Fehler, ein Reisinger, auch ein Ismaik, auch der e.V., alle“. Reisinger selbst, der sich zum geplatzten Deal bislang öffentlich nicht geäußert hat, besuchte am Vortag das Testspiel der Löwen gegen den FC Vaduz – durchaus mutig, nach einem solch umstrittenen Abgang.

Großer Andrang beim Fanfest

Doch auch die aktive Fanszene der Löwen kam bei einigen Löwen-Anhängern nicht ungeschoren davon. „Erst feiern sie den Abgang von Ismaik in Giesing, ballern wild rum, dann feiern sie auf der Mitgliederversammlung. Jetzt bleibt der Investor und der Druck der aktiven Fanszene wird noch größer werden, die Stimmen noch lauter. Und wer profitiert davon? Die Mannschaft sicher nicht“. Die Fanlager scheinen höchst gespalten zu sein.

Doch wer dachte, die Stimmung während des Fanfests sei gedämpfter oder gar hitzig, der sah sich getäuscht. Mehrere tausend Fans pilgerten an das Trainingsgelände der Löwen. Im neuen Trikot lächelten die Spieler in die Kameras und verteilten Autogramme. „Einmal Löwe, immer Löwe“ hallte es mehrmals über den Platz, als die Mannschaft vorgestellt wurde. Scheinbar ist der Hunger auf sportliche Erfolge doch größer als der Frust über die Vereinspolitik, die Euphorie größer als der erneute Dämpfer.

Die Löwen-Spieler präsentierten auf dem Fanfest das neue Heimtrikot.
Die Löwen-Spieler präsentierten auf dem Fanfest das neue Heimtrikot. © Mladen Lackovic/Imago

Passend dazu eine Fanstimme: „Mir ists egal, ob der Investor Hasan Ismaik heißt oder Max Müller – es geht einzig um die Mannschaft.“ Auch Neu-Präsident Gernot Mang mischte sich übrigens mit breitem Grinsen unter das Volk. Sommer, Sonne, Sonnenschein in Giesing – als sei nichts gewesen.

„Wir wollen uns aufs Sportliche konzentrieren“

Die „unglaubliche Euphorie“ begeisterte auch Kapitän Jesper Verlaat und Stürmer Patrick Hobsch. Und das Theater um den Investor-Deal? „Das sind Dinge, die uns als Mannschaft wenig beschäftigen“, räumte Hobsch ein. „Das sind Dinge, die wir als Spieler auch nicht ändern können. Wir wollen uns aufs Sportliche konzentrieren.“ Auch Verlaat gab an, dass die Mannschaft das Thema ausblende. „Auch heute war die Stimmung nur positiv. Es kam keiner zu uns Spielern und meinte: ‚Hey, was ist denn da los?‘“

Im Löwenlager scheint die Stimmung weiter ungetrübt zu sein und die Fans fiebern dem Auftakt der 3. Liga entgegen. Der für viele, die es mit den Weiß-Blauen halten, wegweisend für die Saison ist. „Wenn wir die ersten zwei Spiele gewinnen, dann wird die Euphorie noch größer sein“, gab ein Fan die Richtung vor. „Wenn wir verlieren, dann sind wir endgültig auf dem Boden der Tatsachen gelandet.“

Bei der Frage nach den Aufstiegschancen zeigten sich die Löwenfans erneut als Einheit. Und deutlich offensiver, als es Geschäftsführer Christian Werner („Werde das A-Wort nicht in den Mund nehmen“) zu Beginn des Fanfestes formulierte. Einstimmiger Tenor: „Wenn nicht jetzt, wann dann“. (mg)

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